|
Um den Lesefluss nicht unnötig zu
stören, sind im Buch selber nur wenige Anmerkungen mit Ziffern markiert
– nämlich diejenigen, die für den Laien von unmittelbarem Interesse
sind. Alle anderen Anmerkungen, Kommentare und Quellenangaben finden Sie
auf dieser Seite.
► Die Fußnoten sind seitenweise
sortiert.
► Genauere Angaben zur zitierten
Literatur finden Sie in der
Liste der zitierten Fachliteratur.
Kapitel 1: Alles Ansichtssache?
19
„Eine Ausstrahlung, die im Betrachter Liebe erzeugt.“ −
Stemmler 1988,
S. 16
... zählen die
Stoiker auch den Unterschied des Geschlechts. −
Friedell 1976,
S. 814ff
... schreibt
Egon Friedell in seiner Kulturgeschichte der Neuzeit. −
Friedell 1976,
S. 814ff
... „der
Schönste aller sterblichen Menschen“ −
Homer, Ilias 20.
Gesang
20
„Dein Schoß ist wie ein runder Becher, dem nimmer Getränk mangelt“ −
Hoheslied 7,3
“Es war
kein Mann unter den Söhnen Israels so schön wie er.” − 1. Sam 9,2
„Er war
von schöner Gestalt und der Herr war mit ihm.“ − 1. Sam 16,18
Rebekka
war „schön von Gestalt“ − 1. Mose 26,7
21 Diese Widersprüchlichkeit lässt
sich selbst an der Mode ablesen. − Alle Angaben zur Geschichte der
Mode nach Loschek 1999 und Friedell 1976.
... „ein Stück
Märchen im Dasein“ −
Friedell 1976,
S. 128
Die Augen sind
idealerweise blau, vor allem aber: strahlend. −
Zur idealen
Schönheit des Mittelalters siehe auch: Stemmler 1988, S. 97ff + 148 und
Duby 1991, S. 341ff
22
... ausgerechnet als Jungfrau Maria bei der Verkündigung. −
Hersey 1998, S.
56
23
(Abbildungslegende) „Ein Gorilla würde besser reinpassen.“ −
Clark 1972
Jesus soll als
die „schönste Gestalt eines Menschen“ den Platz von Apollo einnehmen,
Maria den von „Fenus“ − Dürer, nach
Trapp 2003, S.
105
24
... aufs Bett geschmissen zu werden.“ −
Friedell 1976,
S. 446ff
Ähnlich wuchtige
Frauentypen tauchen in der zeitgenössischen Kunst extrem selten und in
der Literatur überhaupt nicht auf. −
Marwick 1988, S.
65
25
... damit sie von jedermann bewundert werden kann −
Knaurs
Zeittafeln zur Deutschen Geschichte
27
... Die Verkleidung ist zur Kleidung herabgesunken.“ −
Friedell 1976,
S. 1026
28
... versteckt sie die Zigarette in einer Falte ihres Rockes und
verbrennt −
Knaurs
Zeittafeln zur Deutschen Geschichte
... heißt es in
einem der zeitgenössischen Schönheitsratgeber −
Perrot 1984, S.
156
Philosophischen
Untersuchung des Ursprungs unserer Ideen vom Erhabenen und vom Schönen −
Burke
1989
29
Es
ist als das „Übergewaltige“ −
Pseudo-Longinus,
zitiert nach Eco 2004, S. 278
„...und wird
noch durch Schüchternheit erhöht“ −
Burke 1989, S.
156
„...Schwäche
vorzutäuschen, und sogar Krankheit.“ −
zitiert nach
Trapp 2003, S. 89, Übersetzung von mir (UR)
„... sie ist
schön und nimmt ein und das ist genug.“ −
Kant, Gesammelte
Schriften, Bd. 2, S. 240 (http://gutenberg.spiegel.de)
„...seine eigne
Sphäre findet es in der Welt des Schönen.“ −
Trapp 2003, S.
101
„... Wo der Mann
etwas Erhabenes hat, haben sie ein Loch!“ −
Zit. nach
SPIEGEL 31/2004, S. 135
30
„... so ist ein alter Geck das verächtlichste Geschöpf in der Natur.“ −
Kant,
nach Trapp 2003, S. 99
31 ... die eigentlichen
Qualitäten des Mannes liegen auf einem anderen Feld. − Das Prinzip
zeigt sich im Kino aufs Trefflichste. Während der männliche Held
durchaus schön sein darf – die Heldin muss es sein. Ihre
Weiblichkeit besteht in jugendlicher Schönheit. Männnlichkeit dagegen
kommt in vielen Aggregatzuständen daher: jung oder alt, hart oder weich,
schlank oder fett, glatthäutig oder zerfurcht.
33
Wenn andere mitmischen, hält man sich mit allzu brillanten Noten lieber
zurück. −
Kenrick &
Gutierres 1980
Das gilt
insbesondere für Männergruppen, wenn sie Frauen bewerten. −
Berman et al. 1981
34
... eine Gruppe israelischer Computerfachleute an der Universität Tel
Aviv ... −
Eisenthal et al.
So bevorzugt er
offenbar Blondinen – vermutlich ganz wie seine Herren − Handelsblatt
vom 6.2.2005
35
... quer durch alle Landesteile, Altersgruppen und soziale Schichten,
wurden dieselben Frauen als attraktiv oder weniger attraktiv ausgewählt.
−
Iliffe 1960. Die Untersuchung wurde 1965 mit demselben Bildmaterial in
den USA wiederholt, dabei gingen 101 000 Rückmeldungen ein, aus denen
eine Zufallsstichprobe von 6000 zur Auswertung ausgewählt wurde. Dabei
zeigte sich eine generell sehr hohe Übereinstimmung zwischen Briten und
Amerikanern – bei drei Fotos gingen die Meinungen allerdings nicht
unwesentlich auseinander (siehe Henss 1992, S. 141ff).
... sondern noch
mehr bei der Bewertung von Videosequenzen und am deutlichsten bei
Live-Situationen. −
Henss 1998, S.
52. Bei der Beurteilung von Fotos ergab sich eine Korrellation von r =
0,37, bei live-Situationen von r = 0,51. Auch bei Diener 1995 weisen die
Bewertungen von Videosequenzen höhere Übereinstimmungsraten auf als die
von Fotos.
36
... an einem anderen scheiden sich die Geister (dem Sonnenbank-Schönling
beispielsweise) −
Bei unserem
Schönheitsurteil schwingt immer auch die Persönlichkeit mit, die wir dem
Kandidaten andichten, siehe Henss 1992, S. 317)
Ungefähr
die Hälfte unseres Schönheitsurteils ist „objektiv“ ... − Eine gute
Zusammenfassung zur Urteilerübereinstimmung bietet Kapitel 6 in Henss
1992. Siehe hierzu auch: Hönekopp (im Druck).
Der Rest hängt
an unseren persönlichen Vorlieben oder an sonstigen Umständen.
− So hängt unser Schönheitsurteil z.B. auch davon ab, ob sich der bzw.
die Betreffende in Begleitung eines schönen oder weniger schönen
Mitmenschen befindet. Mit solchen „Kontrasteffekten“ werden wir uns noch
in Kapitel 7 beschäftigen.
Auf unsere Wahrnehmung von Schönheit wirken offenbar auch ganz banale
Faktoren ein – Namen etwa. Die amerikanische Kognitionsforscherin Amy
Perfors vom Massachusets Institute of Technology stellte die Fotos von
24 Freunden bei „Hot or Not“ online und versah sie im Abstand von
einigen Tagen mit jeweils unterschiedlichen Namen. Das Ergebnis: Bei
Frauen brachten Namen mit runden Vokalen wie „u“ und „o“ Punkte – Julia,
Laura, Sonja. Bei Männern dagegen war es gerade umgekehrt. Sie
profitierten von Namen, deren Vokale im vorderen Mundteil gebildet
werden, wie „i“ und „e“ (Perfors 2004). Siehe auch: Erwin 1993; danach
sind 6 Prozent der Varianz im Schönheitsurteil auf den Namenseffekt
zurückzuführen – allerdings nur bei Frauen. Auch Garwood (1978) fand
einen deutlichen Effekt von Namen auf die Attraktivitätsbewertung.
Dagegen wurden in einer deutschen Studie unterschiedliche Frauennamen
zwar als stark unterschiedlich attraktiv bewertet, sie färbten jedoch
nicht auf das Attraktivitätsurteil ab (Hassebrauck 1988).
... dass schon
eine Stichprobe von gerade mal einem Dutzend Personen den „Geschmack der
Allgemeinheit“ äußerst zuverlässig wiedergibt. −
Henss 1992, S.
308. Henss gibt einen Medianwert der Inter-Rater-Korrelationen von 0,42
an (Henss 1998, S. 51). Die Frage, wieviel der Korrelationskoeffizient
bei der Attraktivitätsbeurteilung über die tatsächliche Varianz aussagt
(also darüber, zu welchem Teil das Urteil wirklich von dem zu
beurteilenden Gesicht abhängt, und nicht vom persönlichen Geschmack der
Bewerter oder auch von den äußeren Umständen der Bewertung), stellt
Statistiker vor größere Probleme. Siehe hierzu die in den 1990er Jahren
hart aber sportlich ausgetragene Kontroverse zwischen Ronald Henss und
Manfred Hassebrauck (z.B. Henss 1992 115ff, Henss 1998 S. 276ff,
Hassebrauck & Niketta, S. 29ff). Interessanterweise scheinen sich fast
nur deutsche Wissenschaftler für die kniffligen statistischen Probleme
hinter der Beurteilerübereinstimmung zu interessieren − neuerdings z.B.
Johannes Hönekopp von der TU Chemnitz, der jedoch leider auf den
„klassischen“ Streit zwischen Henss und Hassebrauck nicht eingeht
(Hönekopp, im Druck).
37
Kinder spielen in dem Streit um einen „objektiven Schönheitssinn“ eine
Schlüsselrolle. −
Ein
Literaturüberblick findet sich in Hoss & Langlois 2003
... dämmerte es
ihr, dass es sich lohnen könnte, der Frage weiter nachzugehen. −
wie in der
Zeitschrift Discover berichtet wird (Brad Lemley: „Isn't She
Lovely? − humans tend to attracted to symmetric beauty“, Februar 2000).
38
Eines ihrer ersten Experimente mit Kleinkindern sollte es gleich zum
Klassiker bringen. −
Langlois et al.
1987. Obwohl häufig zitiert, handelt es sich nicht um das erste
Experiment der Art. Bereits 1985 publizierten Samuels und Ewy ihre
Untersuchung an 3 und 6 Monate alten Kindern (Samuels & Ewy 1985). Die
Kinder beider Altersklassen schauten in dem Experiment mehr als doppelt
so lange auf die attraktiveren Bilder.
Die Kleinen
blickten diejenigen Gesichter am längsten an, die auch von Erwachsenen
als die attraktivsten angesehen worden waren! −
und zwar
unabhängig von Geschlecht, Alter und sogar Hautfarbe der dargestellten
Personen (Langlois et al. 1991).
... und
zwar ganz egal, wie attraktiv diese war. − Slater et al. 1998
... oder ob
dabei doch subtile Lernprozesse eine Rolle spielen, ist noch höchst
umstritten. −
Die Debatte
dreht sich um zwei Fragen. Erstens: Können Neugeborene tatsächlich schon
Schönheit erkennen? Kalakanis & Langlois 2000 konnten – im Gegensatz zu
der zitierten Arbeit von Slater − bei 15 Minuten alten Neugeborenen
keine klare Präferenz für attraktivere Gesichter feststellen. Zweitens:
Können Neugeborene überhaupt schon Durchschnittlichkeit erkennen, also
einen Prototyp aus den ihnen bekannten Gesichtern extrahieren? Walton &
Bower 1993 zeigten Neugeborenen verschiedene Gesichter, und anschließend
ein aus diesen Gesichtern generiertes Durchschnittsbild und stellten
fest, dass die Neugeborenen darauf wie auf ein bekanntes Gesicht
reagierten − was die Autoren als Hinweis auf Durchschnittsbildung (d.h.
Extraktion eines Prototyps) werten. Dem widersprechen De Haan et al.
2001: Nach ihren Ergebnissen wird ein Prototyp erst ab dem dritten Monat
gebildet. Die von Slater et al. 1998 nachgewiesene Bevorzugung schöner
Gesichter durch Neugenborene gründet sich also möglicherweise auf andere
Faktoren als auf Durchschnittlichkeit.
39
... dass Menschen aus den unterschiedlichsten Ländern und Kulturen in
ihrem Schönheitsurteil weitgehend übereinstimmen. −
Literatur hierzu
siehe z.B. Buss 2004, S. 144, Henss 1992, S. 148-150, Cunningham &
Shamblen 2003, S. 205f
... und dem
ihrer westlichen bzw. verwestlichten Artgenossen auf der anderen ergaben
sich nur wenig Gemeinsamkeiten. −
Jones & Hill
1993. Eine ausführliche Diskussion dieser Studie findet sich in Dion
2002, S. 242ff.
40
... annähernd dieselben Standards für schwarze oder asiatische
Gesichter. −
Eine Studie an 3
Monate alten Babys ergab, dass schon eine kurze Gewöhnung an Gesichter
fremder Populationen ausreichte, um die zuvor gezeigte Bevorzugung der
eigenen Population stark zu reduzieren (Sangrigoli & de Schonen 2004;
siehe auch Sangrigoli et al. 2005, Bar-Haim 2006).
... erst die
bewussten Veränderungen machen ihn wahrhaft menschlich. −
Siehe hierzu
z.B. Boesen 1999.
Kapitel 2: Schönheit – nichts als
Durchschnitt?
45
Judith Langlois von der University of Texas ... −
Im 20. Jahrhundert war vermutlich D. Katz der
erste, der anhand von fotografisch generierten Durchschnittsbildern den
Zusammenhang zwischen Durchschnittlichkeit und Attraktivität erforschte
(Katz 1952 und 1953).
... je mehr
Gesichter in das Durchschnittsbild einfließen, desto schöner war das
neue Gesicht. −
Langlois &
Roggman 1990. Einen Überblick über die verschiedenen
Durchschnitts-Experimente anderer Forscher geben Cunningham et al. 2002,
S. 216ff.
46
... steht heute mit dem „Morphing“ eine deutlich verbesserte digitale
Methode zur Verfügung. −
Dabei werden auf
den beiden zu verschmelzenden Bildern die Konturen der Gesichtsmerkmale
(also z. B. der Umriss der Nase, der Augenbrauen oder des Mundes) durch
korrespondierende Referenzpunkte (so genannte Keypoints) elektronisch
markiert. Beim Berechnen des neuen Gesichts wird aus den
Koordinatenwerten der korrespondierenden Keypoints ein Mittelwert
gebildet, der dann den Referenzpunkt für das neue Bild abgibt. Somit
werden die Gesichter beim Verschmelzen nicht nur, wie bisher, in der
Länge und Breite skaliert, sondern gleichen sich im gesamten optischen
Raum aneinander an.
47
... eine Gruppe junger deutscher Wissenschaftler um den Psychologen
Martin Gründl ... −
Die von der
Regensburger Gruppe verwendete Morphingmethode ist jedoch (genauso wie
andere Morphing-Methoden) nicht frei von Textur- und Konturartefakten.
Die Haare und Augenbrauen werden beispielsweise bei zunehmender
Überlagerung immer dunkler, ebenso die Augen – das Ergebnis ist ein
spezieller Typ der Morphing-Schönheit mit klar gezeichneten Konturen,
die dadurch entstehen, dass die Umrisse (z. B. der Augenbrauen oder des
Mundes) durch die Keypoint-Bearbeitung extrem scharf werden. Dazu kommt,
dass die Haut mit jeder Überlagerung glatter wird (mehr zu diesem
„Textur-Artefakt“ s.u.).
48
Martin Gründl
ist nicht der Erste, der diesen Einwand vorbringt. −
Siehe z.B.
Benson & Perrett 1992.
Ein weiterer Einwand gegen die von Langlois verwendete
Überlagerungstechnik besteht darin, dass die Augen und Lippen durch die
ungenaue Passung der Bilder vergrößert wurden und dadurch möglicherweise
attraktivitätssteigernd wirkten (Pittenger 1991). Dieses Artefakt wird
erst durch die neuere Morphing-Technik ausgeschaltet, bei der die
Umrisse der einzelnen Strukturen aneinander ausgerichtet werden.
49
Makellose Haut ist eines der Hauptingredienzen von Schönheit −
wahrscheinlich sogar das allerwichtigste. −
Mit dem
Zusammenhang zwischen Hauttextur und Schönheit hat sich ganz besonders
der deutsche Evolutionspsychologe Bernhard Fink (heute an der
Universität Göttingen) beschäftigt – siehe z.B. Fink et al. 2001. Ob
glatte Haut tatsächlich einen Hinweis auf einen besseren
Gesundheitszustand enthält (wie Fink postuliert), ist weiterhin höchst
umstritten.
Je mehr Bilder
miteinander verschmolzen wurden, desto attraktiver erschienen sie. −
Rhodes & Tremewan 1996. Siehe auch Little &
Hancock 2002: Wenn an männlichen Gesichtern entweder nur die Textur,
oder nur die Form (in Richtung Durchschnittlichkeit) verändert wird, so
schlägt sich beides in einer Veränderung der Attraktivitätswerte nieder
− beide Effekte wirken also offenbar unabhängig voneinander.
Nicht die
Durchschnittlichkeit mache die Komposits schöner, sondern ihre
Symmetrie. −
Z.B. Alley &
Cunningham 1991, Grammer & Thornhill 1994
50
„Das Auge mag Symmetrie“, stellte schon Darwin fest. −
Voland & Grammer
2003, S. 2
51
... sie sind ihm offenbar vertrauter. −
Zebrowitz 1997,
S. 124
Das Ergebnis:
Die symmetrischeren Versionen werden klar bevorzugt. −
Perrett et al.
1999
Perretts
Ergebnis wurde zwar in einigen anderen Untersuchungen bestätigt ... −
Die erste Studie zur Wirkung von Symmetrie auf die menschliche
Attraktivitätswahrnehmung stammt aus dem Jahr 1994 (Grammer & Thornhill
1994) und kam zu dem Ergebnis, dass Symmetrie die Attraktivität eines
Gesichtes deutlich steigert. Die Untersuchung verwendete jedoch nur
wenige, grobe Maße. Eine weitere „Pro Symmetrie“-Studie stammt von der
amerikanischen Psychologin Linda Mealey. Sie vermaß die Gesichter von 34
eineiigen Zwillingspaaren und ließ die Paare in einer wissenschaftlichen
Mausklick-Schönheitskonkurrenz gegeneinander antreten. Dabei wurde der
jeweils symmetrischere Zwillingspartner im Durchschnitt als attraktiver
bewertet (Mealey et al. 1999). Einen Überblick über die Literatur zum
Thema Symmetrie gibt z.B. Thornhill & Gangestad 1999 oder Little et al.
2002 S. 62ff.
... aber
durchaus nicht in allen. −
Z.B. Kowner
1996: Viele Menschen empfinden ein leicht asymmetrisches Gesicht als
angenehmer, zumindest bei jüngeren Menschen. Bei älteren Menschen wurde
dagegen Symmetrie bevorzugt – möglicherweise deshalb, weil Gesichter im
Lauf des Lebens ohnehin asymmetrischer werden. Besonders bevorzugt wird
Asymmetrie bei Gesichtern, die Gefühle ausdrücken – vielleicht deshalb,
weil echte Gefühle eine Seitenbevorzugung aufweisen (siehe hierzu auch
Zaidel et al. 2005).
Auch in der schon erwähnten Regensburger Studie ergab sich keine
systematische Bevorzugung von Symmetrie, weder bei Frauen- noch bei
Männer-Gesichtern. Selbst unattraktive Gesichter profitierten nur in
Einzelfällen (nämlich bei einem hohen Maß an Asymmetrie) von einer
Symmetrisierung (Braun et al. 2001).
Weitere „Contra Symmetrie“-Befunde:
► Der
Papst der Gesichtsvermessung, der Kanadier Leslie Farkas, fand nur bei
Abweichungen des Nasenrückens von der Symmetrieachse einen Zusammenhang
zu den Attraktivitätswerten (Farkas 1994).
► Eine
Studie an 4 bis 9 Monate alten Krabbelkindern ergab, dass diese zwar
lieber auf attraktive Gesichter schauten, Symmetrie spielte bei dieser
Bevorzugung jedoch keine Rolle (Samuels et al. 1994).
► Auch
Hönekopp et al. 2004 finden keinen Zusammenhang zwischen
Gesichtssymmetrie und Attraktivität (dafür dokumentieren sie erhebliche
methodische Zweifel an vorhergehenden Symmetrie-Studien)
► Nach
einem neueren, umfangreichen Übersichtsartikel ergibt sich ein geringer
Zusammenhang zwischen Attraktivität und Symmetrie bei Männergesichtern,
für Frauengesichter scheint dies jedoch nicht zu gelten (Weeden & Sabini
2005, siehe dazu auch die Kommentare von Grammer et al. (2005)
und Geary (2005).
Unabhängig davon, ob attraktive Gesichter tatsächlich
symmetrischer sind – attraktive Gesichter werden als symmetrischer
wahrgenommen (z.B. Shakelford & Larsen 1997).
...
wurden die am Computer erzeugten symmetrischeren Versionen sogar als
weniger attraktiv wahrgenommen. − Swaddle & Cuthill 1995, Zaidel et
al. 2005.
52
... dass der Durchschnittseffekt in beiden Ansichten zum Tragen kommt. −
In
der en face Projektion war der Effekt allerdings stärker als in
der seitlichen. (Valentine et al. 2004). Siehe auch Rhodes et al. 1999:
Durchschnittlichkeit und Symmetrie beeinflussen nach dieser Studie die
Attraktivität eines Gesichtes unabhängig voneinander, der Effekt von
Durchschnittlichkeit ist aber stärker.
53
... die 1991 als Replik zur Langlois‘schen Durchschnitts-Hypothese
erschien −
Alley &
Cunningham 1991. Siehe auch: Cunningham et al. 2002.
... die
Durchschnittsbilder aus den vier attraktivsten Frauen- bzw.
Männergesichtern. −
Der Begriff
„Sexy-Gesicht“ wurde von Karl Grammer geprägt (Grammer 1993).
54
... obwohl in den Durchschnitts-Prototypen ein Vielfaches (nämlich 64
bzw 32) an Gesichtern steckt! −
Die Regensburger
Wissenschaftler gingen noch weiter. Wenn wirklich das größtmögliche Maß
an Durchschnittlichkeit zum höchsten Maß an Attraktivität führen würde,
müsste nicht nur das „Unsexy-Gesicht“ attraktiver werden, wenn man es
dem „durchschnittlichsten“ Durchschnittsbild annähert. Dasselbe müsste
dann auch für das „Sexy-Gesicht“ zutreffen. In Realität ist es jedoch
nur das „Unsexy-Gesicht“, das von der Verdurchschnittlichung profitiert,
das schöne Gesicht nimmt dadurch jedoch erwartungsgemäß Schaden (Braun
et al. 2001).
Durchschnitt ist also doch nicht alles. − Die Aussage
„Durchschnittlichkeit ist zwar wichtig, aber kann nicht alles sein“
erhält auch aus einer ganz anderen Richtung Unterstützung: Leslie
Farkas, der Weltexperte für Gesichtsvermessung, verglich die Daten von
hübschen und weniger hübschen Gesichtern miteinander, und fand dabei nur
bei wenigen Pararametern signifikante Unterschiede. Bei den Attraktiven
war allerdings der Anteil der Messwerte, die innerhalb einer
Standardabweichung vom Mittelwert der Bevölkerung liegen, deutlich höher
als bei den Unattraktiven. Farkas bezeichnet diesen Bereich (der
immerhin 68% der Messwerte enthält) als „optimal“, den Bereich innerhalb
von zwei Standardabweichungen (95% der Messwerte) als „normal“.
Attraktive Proportionen haben demnach einen außergewöhnlich hohen
Spielraum (Farkas & Kolar 1987, Farkas et al. 1987).
Und
tatsächlich: Das neue Gesicht war noch einmal attraktiver. − Perrett
et al. 1994. Der Effekt war jedoch nur bei Frauengesichtern
festzustellen. Bei den Männergesichtern wurde zwar auch das
„Sexy-Gesicht“ als attraktiver bewertet, die daraus erstellte
„Karikatur-Version“ bekam jedoch keine guten Noten. Wir werden auf das
Phänomen und mögliche Gründe dafür noch zu sprechen kommen.
Perrets Befunde stehen in klarem Widerspruch zur Langlois’schen
Durchschnittshypothese – nach welcher Gesichtszüge, die vom Durchschnitt
weg übertrieben werden, als weniger attraktiv wahrgenommen werden
sollten. Judith Langlois warf Perrett denn auch methodische Mängel vor
und legte im Jahr 2002 eine eigene Studie zum „Karikatur-Effekt“ vor
(Rubenstein et al. 2002), in der sich eine attraktivitätssteigernde
Wirkung des Karikatur-Effektes nicht nachweisen ließ. Auch zwischen dem
Durchschnittsbild aus zufällig ausgewählten Gesichtern und dem
Durchschnittsbild der attraktivsten Gesichter ergab sich kein
Attraktivitätsunterschied. Mit diesen Befunden steht Judith Langlois
jedoch sehr einsam da.
55
Nun ließ er seine Studenten mit Lineal und Zirkel auf die Fotos los. −
Cunningham 1986
56
... die Bezeichnung „Kindchenschema“. −
Lorenz 1943
57
... wenn der Säugling zunimmt und die nötigen Gesichtsrundungen
entwickeln kann. −
Die Psychologin
Janet Mann sieht in der Bevorzugung der „süßesten“ Kinder ein
evolutionäres Programm, das die Mutter vor „Fehlinvestitionen“ in ein
nicht überlebensfähiges Kind schützt, die auf Kosten anderer Kinder mit
besseren Chancen gehen könnten. Janet Mann wies in einer Studie nach,
dass die Mütter frühgeborener, untergewichtiger Zwillinge in allen
Fällen das Gesündere bevorzugten (Mann 1992).
...
sowohl von ihren Eltern als auch dem Pflegepersonal der Säuglingsstation
− Hildebrandt & Fitzgerald 1983, Badr Zahr 2001
Sie finden
schwerer Pflegeeltern, werden häufiger vernachlässigt und missbraucht. −
McCabe 1984
59
... die Augenbrauen werden buschiger, die Haut rauer und behaarter. −
Siehe
z.B. Little et al. 2002, S. 66ff; Perrett & Penton-Voak 1999. Bei der
Frage nach der Herkunft der Unterschiede in der Gesichtsanatomie von
Mann und Frau ist die Datenlage allerdings alles andere als berauschend.
Vor allem die Rolle der Geschlechtshormone im Wachstumsprozess des
Gesichtsschädels ist nicht systematisch erforscht. Kompliziert wird die
Diskussion auch dadurch, dass die Gesichtsform möglicherweise schon
durch die pränatalen Hormonspiegel, z. B. von Testosteron, beeinflusst
wird (siehe dazu Fink et al. 2005 – danach wird die Entwicklung einer
mehr „männlichen“ oder mehr „weiblichen“ Gesichtsform nicht nur vom
Hormonspiegel während der Pubertät beeinflusst, sondern auch vom
pränatalen Testosteronspiegel, d. h. also dem Testosteronspiegel im
Uterus. Dabei scheint allerdings die Wirkung des pränatalen Testosterons
einem anderen Muster zu folgen als der Wachstumsprozess während der
Pubertät. Dagegen finden Koehler et al. 2004 keine Korrelation zwischen
pränatalem Testosteronspiegel und wahrgenommener „Männlichkeit“ eines
Gesichtes).
... das
ursprünglich zur Herstellung von Phantombildern entwickelt worden war. −
Die ersten Wissenschaftler, die sich der Methode
bedienten, sind schon längst in Vergessenheit geraten – und das aus dem
einzigen Grund, dass sie auf Deutsch publizierten. R. Fauss
beispielsweise und B. Riedl setzten in den 80er Jahren die für die
Polizei entwickelte Phantombild-Software „IdentiKit“ ein, um am Computer
„ideale“ Gesichter konstruieren zu lassen, indem sie ihren Probanden am
Bildschirm verschiedene Formen (von Augen, Mund und Nase) zur Auswahl
vorsetzten (Fauss 1986, Riedl 1990).
... der
„Unfitteste“ dagegen ausstirbt. − Johnston & Franklin 1993 und
Johnston 2000. Programme dieser Art, die das Wirken der Evolution
simulieren, nennen sich „genetic algorithm“.
62
... wie in
den 1950er Jahren Marilyn Monroe. −
So genannte
Environmental Security Hypothesis (Pettijohn & Tesser 1999). Das
Prinzip gilt offenbar auch für die Körperform: Die Analyse der Maße der
Playmates der Jahre 1960 bis 2000 bestätigen das Prinzip: Harte Zeiten
verlangen Kerle – also weniger Kurven, größere und kräftigere Statur (Pettijohn
& Jungeberg 2004).
63
... je mehr davon im Blut kreist, desto unbewegter ist das Gesicht. −
Pinker 2002, S. 345
Ein
Macho lächelt nicht. − Mueser et al. 1984
64
..
schreibt der Renaissance-Schriftsteller Agnolo Firenzuola. −
Firenzuola 1992,
S. 26
„Es war seine
aufrichtige Art, mir in die Augen zu schauen.“ −
McNeill 2003, S.
345
... dass
große Augen zu den Hauptzutaten zumindest der weiblichen Schönheit
gehören. − In fast allen Studien, die sich mit der Augengröße
beschäftigen, werden größere Augen als attraktiver bewertet (z. B.
Cunningham et al. 1995, Perrett et al. 1994, Geldart et al. 1999). Auch
Leslie Farkas stellte bei seinen Vermessungsreihen an weiblichen
Gesichtern fest, dass die schöneren Gesichter auch die größeren Augen
hatten (Farkas 1994). Eine Ausnahme bildet Victor Johnston mit seinem „genetic
algorithm“, bei dem sich die virtuelle Schönheit nicht durch
überdurchschnittlich große Augen auszeichnete (Johnston & Franklin 1993,
Johnston 2000).
65
... als hübscher, netter und freundlicher eingestuft. −
Hess 1965. Auch
in einem psychologischen Experiment mit echten Menschen fühlten sich
Männer mehr zu den Frauen mit künstlich erweiterten Pupillen hingezogen
(Stass & Willis 1967).
Aber selbst bei
Erwachsenengesichtern gelingt uns die Unterscheidung auf Anhieb nur bei
96 Prozent der Fälle. −
McNeill 2003, S.
150. Wenn es darum geht, die Geschlechtszugehörigkeit eines Gesichtes zu
bestimmen, scheint die Grenze zum eigenen Geschlecht hin verschoben zu
sein: Frauen sind also eher in Gefahr, andere Frauen für Männer zu
halten, genauso wie Männer eher dazu neigen, andere Männergesichter als
weiblich einzustufen (Webster et al. 2004).
66
... vor allem das kräftige Kinn und die markanten Wangenknochen. −
Z. B.
Cunningham et al. 1990, Grammer 1993, Scheib et al. 1999.
Doch
auch die Männer wurden durch Verweiblichung attraktiver ... −
Perrett et al. 1998. Perretts Ergebnisse werden z. B. bestätigt von
Rhodes et al. 2000 sowie Ishi et al. 2004.
67
... artet jedoch auch schnell in archaische Wildheit aus. −
Siehe z. B.
Penton-Voak & Chen 2004: Die Forscher bestimmten die Testosteronspiegel
von Probanden und erstellten dann je ein Komposit-Bild aus den
Gesichtern der Männer mit hohem bzw. niedrigem Testosteron-Spiegel. Das
hoch testosteronhaltige Komposit wurde zwar als maskuliner eingestuft,
aber nicht unbedingt als attraktiver. Siehe auch Swaddle & Reierson
2002.
... sagt
dazu der Model-Agent Michael Southgate. − Zitat nach Etcoff 2001, S.
180
...
desto eher „entwickelte“ sie per Mausklick maskuline Gesichter. − Um
genau zu sein, waren die Gesichter nicht „männlich“ sondern „weniger
feminisiert“ – sie standen nämlich genau in der Mitte zwischen der
vermännlichten und der verweiblichten Version des männlichen Gesichtes
(Little et al. 2001). Siehe auch Penton-Voak et al. 2003: Unattraktive
Frauen bevorzugten darin femininere Gesichtszüge bei Männern.
... dass
sie alles wollen, und zwar gleichzeitig – siehe dazu z. B.
Cunningham et al. 1990
68
... machte die kleine Verwandlungsaktion einen Riesenunterschied. −
Townsend & Levy 1990a
... dass es sich
um einen Arzt handelte.
Townsend & Levy
1990b
69
... – das gilt auch für die Stupsnase, die Größe des Mundes und den
Augenabstand − von den Pausbacken ganz zu schweigen.
Z. B. fand Karl
Grammer bei seinem Vergleich von 16 „Normalfrauen“ und 16 Schönheiten
aus Männermagazinen folgende Liste: weiter auseinanderstehende Augen,
breitere Münder, stärker hervortretende, höher angesetzte Backenknochen
und konkave Wangen, längere Nasen, im Verhältnis zur
Gesichtslänge breitere Gesichter, relativ zum Gesamtgesicht breiteres
Kinn (nach Henss 1998, S. 63).
Der Hauptgrund, warum die Frage nach der Attraktivität des „Kindchens“
in der Frau so unterschiedliche Antworten zeitigt, liegt wohl darin,
dass der Kindchen-Eindruck schwer zu fassen ist. Zwar sind wir uns
einigermaßen einig, welche Gesichter wir für kindlich halten, aber
dieser Eindruck lässt sich schwer an Einzelmerkmalen festmachen. Am
ehesten scheint noch ein breites Gesicht, ein kleines Kinn und große
Augen zum Babyface-Eindruck beizutragen. Aber selbst bei diesen
Parametern besteht nicht in allen Untersuchungen Konsens (siehe Henss
1998, S. 68ff; Berry 1991).
Entsprechend ist auch der Zusammenhang zwischen Kindchenschema und
Attraktivitär schwer dingfest zu machen. In einer Untersuchung von
Ronald Henss korrelierte die Attraktivität und die wahrgenommene
Kindlichkeit des Gesichts bei Frauen nur mit r = 0,11 (also sehr
schwach), bei Männern überhaupt nicht (Henss 1998, S. 68).
70
... aber nicht einmal das berühmte markante Kinn kommt in allen Studien
gut weg. −
In der Liste
fehlt das Kriterium „Gesichtsform“ (rund, oval, rechteckig), dem sowohl
bei Männer- als auch bei Frauengesichtern bisher wenig Aufmerksamkeit
geschenkt wurde. Die meines Wissens einzige Studie zu dem Thema ist eine
von Ronald Henss betreute Diplomarbeit von Markus Becker, die sich auf
online-Experimente im Internet stützt. Ihr Ergebnis zeigt, dass die
Gesichtsform gegenüber den inneren Gesichtsmerkmalen relativ wenig
Einfluss auf unser Schönheitsurteil hat. Bei Männern wurde im Schnitt
eine ovale, bei Frauen eine quadratische Gesichtsform als besonders
attraktiv bewertet (was im Fall der Frauen die Bedeutung „hoher“
Backenknochen und konkaver Wangen unterstreicht), jedoch war der
Vorsprung dieser Gesichtsformen vor anderen gering. Einzig die
kreisrunde Form bei Männergesichtern wurde durchgängig als wenig
attraktiv bewertet (Becker 2003).
... mit Stärke,
mit Sex oder Askese, Süße oder Stolz, Opulenz und Transzendenz. −
Dazu kommt, dass jeder den anderen vor dem
Hintergrund seiner ureigenen Erfahrungen sieht. Wir bewerten ein fremdes
Gesicht nach Ähnlichkeiten zu uns bekannten Menschen und damit
allen Menschen die uns jemals begegnet sind und eine Spur in unserem
Gedächtnis hinterlassen haben − angefangen mit Mama und Papa. Zur
Vielschichtigkeit des Schönheitsstereotyps siehe auch Henss 1998 S.
263ff.
...
würden zwar mit der „unsrigen“ in vielem übereinstimmen, aber auch
durchaus Unterschiede aufweisen. − Und noch stärker wären die
Unterschiede, wenn es sich um unterschiedliche Ethnien handeln würde,
mit ihren jeweils einzigartigen Physiognomien, in die sich ein nicht
vertrauter Betrachter erst „einlesen“ muss. Die Tatsache, dass
Schönheitsvorstellungen – neben allen Gemeinsamkeiten – stark von der
jeweiligen „Gesichtsumgebung“ abhängen, wird in der
evolutionspsychologischen Schönheitsforschung gerne ignoriert. So wird
in einem der tonangebenden Lehrbücher der Evolutionspsychlogie,
„Evolutionary Psychology“ von David Buss (Buss 2004), beispielsweise die
in Kapitel 1 erwähnte Studie von Jones und Hill (Jones 1996, Jones &
Hill 1993), in der sich keine gemeinsamen Schönheitsstandards zwischen
zwei Stämmen von Amazonasindianern und mehreren westlichen
Industriestaaten feststellen ließen, kurzerhand zu einer Bestätigung für
einen „interkulturellen Konsens“ beim Schönheitsideal uminterpretiert
(Buss 2004, S. 144).
71
... das Bild der perfekten Schönheit zusammenzusetzen. −
Firenzuola 1992,
S. 72
Kapitel 3: Schönheit im Kopf
73
Affen, die in völliger Isolation aufgewachsen sind, erkennen ihre
Artgenossen ... −
McNeill 2003, S.
482
... sagt
die Psychologin Vicki Bruce − McNeill 2003, S. 15
...
„zwischen Fassade und Bekenntnis“ − Finkielkraut 1987, S. 31
75
... konnte er böse und freundliche Gesichtsausdrücke auseinanderhalten −
Pegna
et al. 2004
76
... − zumindest der in der rechten Hirnhälfte gelegene Teil. −
Es handelt
sich um das so genannte „fusiforme Gesichtsareal“, das seinen Namen von
seinem Sitz innerhalb des Gyrus fusiformis – der „spindelförmigen
Windung“ – hat.
Die Frage, wie das Hirn die Signale von Gesichtern verarbeitet,
ist auch in der Schönheitsforschung relevant: Erkennt es ein Gesicht
anhand von Einzelmerkmalen, also z. B. Mund, Nase, Augen (so genanntes „featural
processing“), oder geht es um das Gesamtbild, also die Abstände und Lage
der einzelnen Merkmale zueinander („configural processing“)? – Das Hirn
scheint beide Wege zu beschreiten, und zwar unabhängig voneinander
(siehe z. B. Cabeza & Kato 2000, Haxby et al. 2000, 2002).
... hat die
Forscher auf eine interessante Spur gebracht. −
Vuilleumier 2005
77
Die rechte Gesichtshälfte scheint dem gesamten Gesicht mehr zu ähneln
als die linke. −
Das Erkennen von
Emotionen weist eine Seitenbetonung nach rechts (vom Betrachteten aus
gesehen) auf. Einzelne Studien fanden beim Lächeln eine Linksbetonung
(z.B. Zaidel et al. 1995), der überwiegende Konsens ist jedoch, dass
Emotionen stärker auf der rechten Seite des Gesichtes wahrgenommen
werden. Siehe z.B. Burt & Perrett 1997, Chen et al. 1997.
... weil wir uns
aus dem Spiegel nun einmal seitenverkehrt kennen. −
Mita et al. 1977
78
Für das Schönheitsurteil der Betrachter war fast immer die rechte
Gesichtshälfte ausschlaggebend! −
Burt & Perrett
1997
Zumindest bei
Frauen wurde das aus den rechten Hälften zusammenkomponierte Bild
weitaus häufiger als das attraktivere benannt. −
Zaidel et al.
1995. Das Ergebnis wird von einem anderen Experiment derselben
Arbeitsgruppe bestätigt (Chen et al. 1997). In einer Studie zur
Symmetrie besonders attraktiver (Model-) Gesichter ergab sich jedoch
keine Bevorzugung einer bestimmten Gesichtshälfte (Zaidel & Cohen 2005).
79
... so lange „studieren“ konnten, wie sie wollten. −
Goldstein &
Papageorge 1980. Nach einer neueren Studie von Olson & Marshuetz (2005)
konnten Probanden schon innerhalb von 13 Millisekunden ein einigermaßen
akkurates Schönheitsurteil fällen!
... wenn
ein bestimmter Reiz einen affektiven Wert hat, also das Gefühl
anspricht. − Johnston & Oliver-Rodriguez 1997. In einem weiteren
Experiment derselben Arbeitsgruppe wurde die Reaktion sowohl von Männern
als auch von Frauen auf Bilder von Männer- und Frauengesichter getestet.
Dabei ergab sich sowohl bei Männern als auch bei Frauen eine positive
Korrelation zwischen den Attraktivitätsratings und der „P300“-Komponente
des „event-related potentials“ (ERP) bei gegengeschlechtlichen
Gesichtern, die bei Männern allerdings deutlich stärker ausfiel. Für
gleichgeschlechtliche Gesichter fand sich eine solche Korrelation nur
bei postovulatorischen Frauen (Oliver-Rodriguez et al. 1999, siehe auch
Johnston & Wang 1991).
80
... so etwas wie den „Schauer der Schönheit“. −
Der Begriff stammt von Nancy Etcoff (Etcoff 2001
S. 184).
...
unter „Gesichtsblindheit“ leidet − Von dem Patienten berichtet Nancy
Etcoff in ihrem Buch „Nur die Schönsten überleben“ (Etcoff 2001, S.
187).
... die
so genannte funktionelle Magnetresonanz-Tomographie. − Aharon et al.
2001. Die meines Wissens ersten Wissenschaftler, die sich der
menschlichen Schönheit mit den Methoden bildgebender Verfahren − in
diesem Fall mit Positronen-Emissions-Tomographie (PET) − genähert haben,
arbeitete an der Universität von Kyoto (Nakamura et al. 1998).
Attraktivität korrellierte dabei mit Aktivität im Frontalhirn der
linken Hirnhälfte (siehe auch Aron et al. 2005).
84
... auf der linken Seite richteten sich die Lustneuronen jedoch ganz
nach der Attraktivität −
Aron et al. 2005
...
allerdings nur unter der Voraussetzung, dass die oder der Schöne den
Betrachter anschaute! − Kampe et al. 2001. Siehe dazu auch Mason et
al. 2005: Ein weibliches Gesicht wurde in dieser Studie von Männern als
attraktiver bewertet, wenn es den Blick dem Betrachter zuwendet. Für
Frauen dagegen machte die Blickrichtung ihres Gegenübers keinen
Unterschied.
86
... sich in Geduld zu üben und auf die nächsten Studienergebnisse zu
warten. − Ein
Ergebnis ist soeben eingelaufen, und es passt eher zur amerikanischen
als zur britischen Studie. Felicitas Kranz und Alumit Ishai von der
Universität Zürich untersuchten die Gehirne von hetero- und
homosexuellen Männern und Frauen, denen unter der Magnetresonanz-Röhre
unterschiedlich attraktive Gesichter vorgelegt wurden. Das dabei
auftretende Aktivitätsmuster in den mit der Verarbeitung von Gesichtern
beschäftigten Regionen war dabei weder vom Geschlecht des Betrachters
noch von dessen sexueller Orientierung abhängig. In dem zum
Belohnungssystem gehörenden orbitofrontalen Kortex dagegen hing die
Aktivität nicht nur von der Schönheit des präsentierten Gesichtes ab,
sondern auch von der sexuellen Orientierung des Betrachters –
Belohnungswert hatten also diejenigen schönen Gesichter, die auch
sexuell relevant waren (Kranz & Ishai 2006).
... einer
anderen Londoner Arbeitsgruppe am selben Labor. −
O’Doherty et al.
2003.
Kapitel 4:
Kurvenreiche Schönheit. Wie viel Fett enthält die Schönheitsformel?
87
... nicht mit diesem hübschen Gesicht in Einklang stehen?“ −
zitiert nach
Fischer 1997, S. 172
88
... bei denen beide Kandidaten wochenlang regelrecht gemästet werden. −
Didou-Manent 2000 S. 36
... damit sie
ihrem Bräutigam rund und schön entgegentreten kann. −
Robinson 1998
89
... heißt es etwa im Hohelied des Salomon. −
Hoheslied 7,2
90
...
„um seinen Bauch zu vermindern, der das richtige Maß überschritten
hat“ − zitiert nach Didou-Manent 2000, S. 55
91
... und üppige Glieder habe oder doch vortäusche“, schreibt Egon
Friedell. −
Friedell 1976,
S. 207
...
heißt es in einem zeitgenössischen Schönheitsratgeber. − Jean
Liebault (1582) in Didou-Manent 2000, S. 138 (Kürzungen von mir, UR)
... wie
der französische Dichter Pierre de Ronsard schreibt. − zitiert nach
Didou-Manent 2000, S. 141
Die
Pariserinnen fangen an, Essig zu trinken, um nicht zuzunehmen. −
Perrot 1984, S. 68
...
lässt Goethe 1772 seinen jungen Werther schreiben. − Goethe: Die
Leiden des jungen Werthers, München (dtv) 1997, S. 98 (Auslassungen von
mir).
93
... und nur bei mageren 20 Prozent auf dünne Figuren. −
Anderson et al.
1992. Siehe auch Ford & Beach 1951: Nach dieser ethnographischen Analyse
bevorzugen 13 der untersuchten 23 Naturvölker bei ihren Frauen eine
füllige Körperform, 5 eine schlanke und weitere 5 eine mittlere
Ausführung.
... vor
allem von solchen Gesellschaften bevorzugt, die sich um ihr tägliches
Brot keine Sorgen machen müssen. − Aber: Eine neuere Analyse des
interkulturellen Datenbestandes durch die Ethnologin Carol Ember ergab
keine klaren Zusammenhänge zwischen unsicherer Versorgungslage und der
Bevorzugung eines korpulenten Schönheitsideals. Einzig der Faktor
„männliche Dominanz“ erwies sich hier als guter Prädiktor für ein eher
fülliges Schönheitsideal (Ember et al. 2005).
94
... die „Waist-to-Hip-Ratio“, kurz WHR. −
Eine Übersicht
zum Thema und zur relevanten Literatur bietet Singh 2002.
96
Die sieben Zehntel waren auf dem besten Weg zur Universalkonstante ... −
Auch
zwei deutsche Untersuchungen bestätigen die Befunde von Singh: Ronald
Henss von der Universität des Saarlandes setzte als „Reizmaterial“
digital manipulierte Fotos ein (Henss 2000). Achim Schützwohl von der
Universität Bielefeld arbeitete mit extrem kurzen Präsentationszeiten
(Schützwohl 2006).
... zu
einem Stamm von „echten“ Ureinwohnern, den Matsigenka im Südosten Perus.
− Yu & Shepard 1998
... das
Körpergewicht eine viel stärkere Rolle zu spielen als die „richtige“
Taillenmathematik. − Z. B. Tovée et al. 2002, Streeter & McBurney
2003, Furnham et al. 2005, Tassinary & Hansen 1998, Puhl & Boland 2001.
98
... einmal rühmte, mit 10 000 Frauen geschlafen zu haben. −
Buss 1997, S. 68
... um den
eigenen Busen attraktiv zu erhalten. −
Yalom 1998
99
... von Stämmen, die „lange, hängende Brüste“ bevorzugen. −
Ford & Beach
1951; siehe auch: Anderson 1988.
... in der wohl
ersten in Deutschland gedruckten Heiratsanzeige. −
zitiert nach
Henss 1992, S. 16ff
Deutsche
Studenten beispielsweise sind im Schnitt 3 Zentimeter größer als
Lehrlinge. − Wiwo.de vom 7.10.2003. Der französische Soziologengott
Pierre Bourdieu dokumentierte für Frankreich eine lineare Beziehung
zwischen Status und Größe, sowohl bei Frauen als auch bei Männern:
Leitende (männliche) Angestellte maßen durchschnittlich 175,6 cm,
Arbeiter nur 171,9 (Pierre Bourdieu, „Die feinen Unterschiede“, nach
Amadieu 2002, S. 101f).
... dass
unter 720 Paaren nur ein einziges war, bei dem das eherne Prinzip
verletzt wurde. − Gillis & Avis
1980
100
... ist 1,5 Zentimeter kleiner als sein Westgenosse. − Spiegel online
vom 13.12.04: „Schlechtes Essen, kleine Menschen“
... und
so das Wachstum der Unterschenkel hemmten. − Hassebrauck & Küpper
2002, S. 22
101
... galt die modische und erotische Aufmerksamkeit zu allen Zeiten den
Füßen. −
Der Ethnologe
Daniel Fessler sieht in kleinen Füßen sogar einen im Lauf der Evolution
entstandenen, interkulturellen Schönheitsstandard (Fessler et al. 2005).
102
... fleht die Geliebte ihren Angebeteten im Hohelied des Salomo an. −
Hoheslied 1,6
... dass
92 Prozent von ihnen bei ihren Frauen relativ helle Haut bevorzugen −
Van den Berghe & Frost 1986
103
... wurde zum Exportschlager des Nordens. −
Jones 1996b
In den
Heldensagen sind die Braunhaarigen oft die Ritter mit Fehlern −
Stemmler
1988, S. 96ff. Siehe auch Duby (Hrsg.) 1990.
Die Damen
träufelten sich alle möglichen Tinkturen ins Haar und setzten es
tagelang der Sonne aus, um der Norm zu genügen. −
Friedell 1976,
S. 207
„Hygienische
Maßnahmen, wie man sich blonde Haare erhält und rote Haare los wird“ −
Ratgeber des Friseurs P. Villaret, zitiert nach Perrot 1984, S. 259
104 ... das geflügelte Wort von
Tom Wolfe ist symptomatisch. − zitiert nach Penz 2001, S. 205f
... als er sich
selbst in eine attraktive Blonde verguckte. −
Marwick 1988, S.
39
Kapitel 5: Sex, Lügen und
Sekundenkleber
107
Die Vögel mit den verlängerten Schwänzen hatten deutlich mehr, die mit
den verkürzten dagegen deutlich weniger Gelege in ihren Territorien −
Andersson 1983
108
“Wenn ich
eine Pfauenfeder sehe wird mir übel.” −
zitiert nach
Buss 2004, S. 7
111
Je
höher das Pleiterisiko, desto mehr müssen sich die Marktteilnehmer ins
Zeug legen. −
Je polygamer,
desto prächtiger. Diese schon von Darwin aufgestellte Regel ist in
letzter Zeit modifiziert worden. Denn es gibt auch polygame Arten, bei
denen beide Partner gleichermaßen unauffällig sind. In diesen Fällen
scheint sich die Konkurrenzveranstaltung der sexuellen Selektion auf
andere Gebiete verlagert zu haben, z. B. Gesänge, Tänze oder
Flugdarbietungen (Höglund 1989). Aber auch bei monogamen Spezies ist die
sexuelle Selektion am Wirken, und bringt mitunter einen starken
sexuellen Dimorphismus hervor. In diesen Fällen bezieht sich die
Konkurrenz unter den Männchen auf die fruchtbarsten Weibchen (so
genannte female fecundity hypothesis oder Darwin-Fisher-Theorie,
Kirkpatrick et al. 1990) oder auch die am frühesten paarungsbereiten
Weibchen (die in der Regel mehr Nachkommen haben, siehe dazu z. B.
Dearborn & Ryan 2002). Neuere Studien zeigen, dass der größere
Fortpflanzungserfolg der stärker ornamentierten Männchen bei „sozial
monogamen“ Arten überwiegend durch Seitensprünge zustandekommt (z. B.
Thusius et al. 2001).
... wenn das
Tier nur fünf seiner 150 Augen eingebüßt hat. −
Petrie et al 1991. Nach einer neueren Untersuchung kommt
es bei der Wahl der Pfauenhenne auf die Dichte der Augen an.
Überraschenderweise bevorzugen Pfauenhennen Männchen mit kürzeren
Schwänzen (und damit einer höheren optischen Augendichte) − obwohl die
Länge des Pfauenschwanzes den Dominanzstatus des Männchens anzeigt
(Loyau et al. 2005).
114
... eine Art Kontoauszug, der dem Weibchen eine leckere „Einlage“ in das
Joint genetic venture verspricht. −
Petrie 1994.
Einen schönen – auch schön bebilderten − Überblick über die Forschungen
am Pfauen gibt die aus dem Heimatland des Pfaus stammende Zoologin
Raghavendra Gadagkar (Gadagkar 2003).
Neben dem Pfau kann als weitere Kronzeugin für die Gute-Gene-Erklärung
auch die Essigfliege herhalten. Lässt man ihnen nämlich bei der
Partnerwahl freie Hand, dann kommt eine Generation heraus, die deutlich
vitaler ist als die, deren Eltern vom Laborleiter nach dem
Zufallsprinzip verkuppelt wurden (Partridge 1980).
Auch den Hausfink hat die Gute-Gene-Theorie hinter sich: Das Männchen
mit dem leuchtendsten Rot auf Kopf und Brust zieht nicht nur die meisten
Weibchen an, sondern es schleppt auch deutlich mehr Futter für seine
Nachkommen heran als seine weniger feschen Konkurrenten (Hill 1991).
... durch
verunreinigtes Serum vom Affen auf den Menschen übertragen worden. −
Hamiltons berühmter Brief an Science sowie
die Begründung für die Ablehnung durch die Redaktion findet sich unter
http://www.uow.edu.au...
... dass eine
bestimmte Theorie von ihm selber stammte −
Dawkins 1996, S.
506
... Hypothese,
die sich mit der Frage beschäftigt, warum es überhaupt Sex gibt. −
Der Name der Hypothese bezieht sich auf eine
Szene in „Alice im Wunderland“ von Lewis Carroll: Die Rote Königin macht
Alice klar, dass man im Wunderland, um überhaupt mit der Landschaft
mitzuhalten und am gleichen Ort zu bleiben, so schnell rennen muss, wie
man nur kann. „Wenn man woanders hinkommen will, muss man mindestens
doppelt so schnell rennen!“
115
... dass sexuelle Ornamente möglicherweise deshalb attraktiv sind, weil
sie eine starke Immunabwehr signalisieren. −
Die
Parasiten-Hypothese wird auch als „Bright male hypothesis“ gehandelt –
denn nach ihr erwählen die Weibchen die Männchen mit den „strahlendsten“
Ornamenten.
Die Theorie
erhielt sehr viel Aufmerksamkeit in der Fachwelt. −
Nach einer
großen Metaanalyse von Anders Pape Møller ist die Parasitenlast zwar mit
der Ausprägung männlicher sexueller Ornamente korreliert, aber weniger
stark als man theoretisch erwarten würde (Møller et al. 1999a; siehe
auch Borgia et al. 2004).
... keinen
Zusammenhang zwischen der Augenzahl und dem Gesundheitszustand oder den
Immunparametern der Männchen feststellen. −
Møller & Petrie
2002. Danach korreliert nur die Schwanzlänge mit dem Gesundheits- und
Ernährungszustand des Pfauenhahns.
116
... fanden rascher eine Partnerin, hatten mehr Junge und begingen
häufiger Ehebruch. −
Møller 1992
Symmetrie zeigt somit „Entwicklungsstabilität“ und damit gute Gene an. −
Dabei ist von so genannter fluktuierender Asymmetrie (FA) – im
Gegensatz zur „direktionalen Asymmetrie“ (DA) die Rede. DA ist die in
einem Individuum regelhaft und systematisch vorkommende Asymmetrie, z.B.
die Dominanz einer Gesichtshälfte (meist der rechten), Rechts- bzw.
Linkshändigkeit oder die Seitenpräferenz im Bauplan von Organen (z.B.
linksseitige Anlage des Herzens). FA dagegen ist die ungerichtete,
seitendifferente Ausprägung von Merkmalen, die keinem vorgegebenen
Bauplan, sondern dem Zufallsprinzip gehorcht (wie ein Leberfleck etwa).
Als „fluktuierend“ wird diese Form der Asymmetrie bezeichnet, weil die
Asymmetrien von Generation zu Generation variabel sind. Siehe dazu z.B.
Kowner & Thornhill 1999, Simmons et al. 2004.
... einen
Zusammenhang zwischen Symmetrie und Paarungserfolg fest. −
Møller &
Thornhill 1998
Allerdings wird zunehmend
Kritik an der methodischen Qualität vieler Untersuchungen laut ... −
Siehe
z. B. den Literaturüberblick von Richard Palmer von der University of
Alberta in Kanada:
http://www2.biology.ualberta.ca...
Siehe auch: Tomkins & Simmons
2003.
Die Debatte um Relevanz und Interpretation von Fluktuierender Asymmetrie
wird z. T. sehr emotional geführt, seit Anders Pape Moller von Kollegen
der Datenmanipulation beschuldigt wurde und von einem dänischen Komitee
für schuldig befunden und mit einem Berufsverbot belegt wurde. Mehr zur
„Affäre Møller“ in einer Extraausgabe von Behavioral Ecology
unter
http://cricket.biol.sc.edu... sowie dem Nature-Artikel vom
29.1.2004 auf der Seite von Harald Pleiner:
http://www.mpip-mainz.mpg.de....
Zu den verbissensten Kritikern von Møller gehört Richard Palmer, der dem
Fall eine eigene Dokumentation widmet:
http://www2.biology.ualberta.ca...
... und auch das
ganze Konzept der „Entwicklungsstabilität“ gerät immer mehr ins
Kreuzfeuer. −
z. B. Polak 2003
117
... sondern um ein Weibchen, Kinder und einen Schwanz.“ −
Helena Cronin,
zitiert nach Etcoff 2001, S. 191
118
Die Ausprägung und Aufrechterhaltung männlicher Ornamente scheinen
nämlich vom Testosteronspiegel abzuhängen. −
Roberts et al.
2004a
Tatsächlich
weisen Studien darauf hin, dass Testosteron die Funktion des
Immunsystems beeinträchtigt ... −
Die Hypothese
stützt sich u.a. auf die Tatsache, dass bei den Wirbeltieren die
Männchen normalerweise eine geringere Immunantwort zeigen und mehr
Infektionen aufweisen als die Weibchen (siehe z.B. Klein 2000a) – ein
Phänomen, das jedoch möglicherweise nicht nur auf die direkte Wirkung
von Geschlechtssteroiden auf die Immunkompetenz zurückzuführen ist,
sondern auch auf deren Effekte auf Gene und Verhalten, die wiederum die
Empfänglichkeit für Infekte beeinflussen (siehe Klein 2000b).
Die Wirkung von Testosteron als Immunsuppressor ist nicht sehr gut
beforscht. Meist muss eine einzige Studie als Kronzeugin herhalten
(Folstad & Karter 1992), und die meisten Befunde wurden an Insekten und
Vögeln erhoben. Eine Metaanalyse von Roberts et al. (2004a) ergab keine
klaren Hinweise auf eine immunsuppressive Wirkung von Testosteron. Zwar
zeigte sich ein signifikanter immunsuppressiver Effekt, der jedoch
verschwand, wenn Mehrfachstudien an derselben Spezies herausgerechnet
wurden. Auch ein Effekt von Testosteron auf direkt messbare
Immunparameter ließ sich in dieser Studie nicht belegen. Owen-Ashley et
al. (2004) zeigten dagegen an Spatzen, dass Testosteron tatsächlich die
zelluläre und humorale Immunantwort supprimierte.
... dass
die Zunft geschlagene fünfzehn Jahre brauchte, um die Idee der Zahavis
zu akzeptieren. − Auch Richard Dawkins bezeichnete die
Handicap-Theorie in seinem 1976 erschienenen Buch „Das egoistische Gen“
noch als „nicht zu schlucken“. In der zweiten Auflage von 1994
revidierte er seine Meinung und gestand zerknirscht ein, dass die
Zahavi-Theorie für ihn zum Beweis geworden sei, „dass Theorien von fast
unbegrenzter Verrücktheit nicht mehr beiseite geschoben werden können,
nur weil sie dem gesunden Menschverstand widersprechen“ (Dawkins 1996,
S. 498). Der Durchbruch für die Handicap-Theorie war im Jahr 1990 durch
zwei Artikel des theoretischen Biologen Alan Grafen gekommen, in denen
er anhand von mathematischen Modellen nachweist, dass die Annahmen der
Handicap-Theorie zu einer evolutionär stabilen Gleichgewicht führen
können und damit evolutionär „funktionieren“ (Grafen 1990 a + b).
... kürzt man
sie, kann der Vogel deutlich besser fliegen. −
Evans & Thomas
1992
119
Aber so populär das Zahavi’sche Modell inzwischen geworden ist, es
bleiben durchaus auch Fragen und Widersprüche. −
Siehe hierzu z.
B. Menninghaus 2003, S. 145ff
120
Werben heißt
nun einmal übertreiben, flunkern, pardon: lügen. −
Mit dem Problem
hat sich unter anderem die Spieltheorie beschäftigt. Ihr Ergebnis:
Betrug kann durchaus funktionieren – vorausgesetzt, es sind nicht zu
viele Betrüger im Spiel. Ein schönes Beispiel liefert die schon
angesprochene Markentasche: Solange nur wenige Billigkopien made in
China im Umlauf sind, ist ihr Wert als Statussymbol noch wenig bedroht –
sobald aber eine kritische Schwelle überschritten wird, ist es witzlos,
weiter mit Prada, Gucci & Co zu protzen. Auch die klassische
Signaltheorie geht davon aus, dass betrügerische Signale entstehen und
auf Dauer evolutionär stabil sein können (z.B. Krebs & Dawkins 1984).
Welches Gleichgewicht sich zwischen Betrügern und Ehrlichen einspielt,
scheint auch von den „Kosten der Wahl“ abzuhängen. Wenn es aufwändig und
riskant ist, einen potentiellen Partner auf Herz und Nieren zu prüfen,
kann sich ein manipulatives Signal leichter durchsetzen. Wenn etwa ein
Vogelweibchen kilometerweit von Territorium zu Territorium fliegen muss,
um die jeweiligen Männchen in Augenschein zu nehmen, wird es eher
geheigt sein, sich auch auf die zweitbeste Wahl oder auch das Risko
einzulassen, einem Betrüger aufzusitzen, als wenn sie auf dem
Arenabalzplatz in aller Ruhe mit ihren Freundinnen Gene shoppen gehen
kann.
... dass ihnen
für den Rest des Lebens buchstäblich die Puste ausging. −
Zudem wurden die
gedopten Männchen auch noch polygam (Hunt et al. 2004).
121
Schönheit und Tod, wir werden darauf zurückkommen. −
Sehr schön ist der Zusammenhang von Schönheit und
Tod in Menninghaus 2003 thematisiert.
... dass
von den Kindern der prächtigsten Väter noch deutlich mehr am Leben waren
als von denen der unscheinbareren. − Petrie 1994
122
... steigt es sofort in der innerweiblichen Hierarchie auf ... −
Eibl-Eibesfeldt 1980, S. 485f
...
sondern auch in der gleichgeschlechtlichen Hackordnung am höchsten. −
siehe z.B. Zahavi & Zahavi 1998, S. 108
... denn
auch das Aufsetzen weißer Hütchen ... hatte dieselbe Wirkung. −
Burley & Symanski 1998
...
haben auch die Runaway-Protagonisten eine ganze Reihe von Arten in
petto, die ihre These stützen ... − In einer neueren Analyse der
Literatur finden beispielsweise Cotton et al. (2004) wenig Unterstützung
für die These, dass die Ausprägung sexueller Ornamente vom allgemeinen
körperlichen Zustand abhängt (also ein Qualitätsausweis ist).
Bei der Suche nach einem Zusammenhang zwischen Ornament und “Qualität”
ist allerdings zu berücksichtigen, dass es bei der sexuellen Selektion
nicht nur um “gute Gene” geht, sondern auch um “passende Gene” (s.u.).
Nach einem Übersichtsartikel von Neff & Pitcher (2005) tragen bei Arten,
in denen das Männchen außer Sperma nichts in den Nachwuchs investiert,
die “guten Gene” des Vaters allein nur recht wenig zur Fitness seiner
Nachkommen bei – möglicherweise ist hier jedoch die Frage der “passenden
Gene” relevanter (Neff & Pitcher 2005).
123
Vielleicht ist das eine Ornament modischer Wildwuchs ohne tiefere
Bedeutung, ein anderes wiederum seriöser Ausdruck von Qualität? −
Dahinter steht die Frage, ob die verschiedenen Ornamente bzw. Ornamentkomponenten (z.B. die Länge, die
Symmetrie, die Farbe, Musterung etc...) allesamt Marker für eine
zugrundeliegende Gesamtqualität sind – sogenannte single ornament
Hypothese – oder ob jedes einzelne Ornament für eine andere genetische
Qualität steht – multiple ornament Hypothese (siehe dazu z. B. Møller &
Pomiankowski 1993; zur Frage nach „single“ vs „multiple ornament“ am
Menschen siehe Kap. 8).
Irgendwann muss
also auch der Fisher-Scheck durch echte Qualitäten gedeckt werden,
sprich ehrlich werden. −
Garcia & Ramirez
(2005) beschreiben anhand einer mexikanischen Fischart, wie ein Signal,
das zunächst dem bloßen Zweck diente, durch seine „ästhetische“ Wirkung
Weibchen anzuziehen, sich im Lauf der Zeit aber zu einem
Qualitätsindikator entwickelte. Umgekehrt kann jedoch auch ein Merkmal,
das ursprünglich Fitness anzeigte, zu einem Fisher-Ungetüm werden. Ob
das Handicap dann jedoch unbedingt genetische Qualität anzeigt,
ist nicht gesagt – genausogut kann es auch um phänotypische Qualität
gehen.
...
heißt es in einem taoistischen Lehrsatz des altchinesischen Philosophen
Zhuangzi. − Nach Fischer 1997, S. 67
124
... zwar ein Minderheitenvotum darstellt, aber durchaus interessante
Argumente auf ihrer Seite hat. −
Die Frage, ob
sexuelle Selektion als „Isolationsmechanismus“ bei der Artbildung eine
Rolle spielt, ja möglicherweise sogar die treibende Kraft ist, ist in
der Evolutionsbiologie umstritten. Siehe hierzu den Übersichtsartikel
von Ptacek 2000, sowie Cronin 1991, Miller 2001 (S. 93f), Zahavi &
Zahavi 1998 (S. 91f) und Magro 1999.
Ornamente stehen
ihr zufolge zuallererst im Dienst der Arterkennung. −
Ein Beispiel gibt die Familie der Hawaiianischen
Grillen ab. Mit den vier neuen Arten, die sie pro eine Million Jahre
hervorbringt, ist sie ein Musterbeispiel für äußerst rasante
Artenbildung. Dabei scheint die Abgrenzung zwischen den Arten
ausschließlich auf der unterschiedlichen Taktfrequenz des Gezirpes der
Männchen zu beruhen. Wenn Männchen unterschiedlicher Arten nebeneinander
zirpen, steuert das Weibchen zielsicher auf den einen zu, der allein sie
glücklich machen kann. Die anderen sind schlichtweg nicht sexy für sie (Mendelson
& Shaw 2005).
... schrieb
beispielsweise im 18. Jahrhundert der Philosoph Edmund Burke. −
Zitiert nach Menninghaus 2003, S. 92
125
Die Sichtweise ist, wie gesagt, ein Minderheitenvotum ...
− Noch extremer (und vollkommen ungesichert) ist die Spekulation des
Italieners Alessandro Cellerino, wonach sich in den vielen Tausend
Jahren, in denen der moderne Mensch Seite an Seite mit dem Neandertaler
gelebt hat, möglicherweise diejenigen Gene durchgesetzt haben, die ihre
Träger für die sexuellen Reize von Neandertalerfrauen bzw. –männern
unempfänglich gemacht haben (Cellerino 2002).
Kapitel 6: Sapiens mal wieder die
Ausnahme?
126
Schon in diesem zarten Alter hat die Menschenfrau den Höhepunkt ihrer
Schönheit erreicht. −
Cross & Cross
1971
... auf
Kosten ihrer ganzen übrigen Lebenszeit.“ − Arthur Schopenhauer, Über
die Weiber (Kapitel XXVII von Parerga und Paralipomena II), 1851,
§ 365.
Zumindest bei den meisten jungen Frauen ist das eindeutig nicht der
Fall. − Henss 1992, S. 164
127
... zu 99 Prozent der Zeit unfruchtbar. −
Etcoff 2001, S.
83
128
Sie ist universal, keine einzige Kultur bildet eine Ausnahme.“ −
Buss 1997,
S. 116
... denn die
Männer gingen bei ihrer Wahl ausschließlich nach der Attraktivität. −
Huston 1973
...
Entschlossenheit und Mut, vielleicht auch Redlichkeit und Herzengüte.“ −
Arthur Schopenhauer, Die Welt als Wille und Vorstellung, zitiert
nach Henss 1992, S. 244 (Kleinere Umstellung von mir, UR).
...
unwiderstehliches Geschöpf, blond, langbeinig, klug, zärtlich“ − DIE
ZEIT
vom 29.1.04. In einer Analyse von Heiratsanzeigen der DDR stellten
Pfister & Voigt (1982) das gleiche Muster wie in Westdeutschland fest:
Der Mann ist in erster Linie am Aussehen seiner Zukünftigen
interessiert, die Frau dagegen an den Charaktereigenschaften des
Kandidaten. Siehe auch: Berry & Miller 2001. In dieser Studie wurde der
Erstkontakt von 51 Paaren gegengeschlechtlicher Studenten und
Studentinnen beobachtet. Dabei zeigte sich, dass die Attraktivität der
beteiligten Frau einen starken Einfluss auf die Qualität der Begegnung
hatte. Der Kontakt wurde hinterher von beiden Partnern, genauso wie von
fremden Dritten, als besser, tiefer und angenehmer empfunden, je
attraktiver die Frau war. Bei den beteiligten Männern dagegen spielte
das Aussehen für die Qualität der Begegnung keine Rolle, sondern die
Persönlichkeit, v.a. das Maß an Extraversion.
Das „klassiche“ Muster der Partnerwahl (Männer wollen schöne Frauen,
Frauen dagegen Männer mit Persönlichkeit und Status) belegen auch Regan
et al. 2000, Graziano et al. 1997,
Gutierres et al.1999; Kenrick et al. 1994.
129
... sondern durch den Verkauf einer eigenen Internet-Firma „gemacht“
hatte. −
Hanko et al.
2004
Frauen legten bedeutend weniger Wert auf Attraktivität als Männer, die
wiederum gut auf Status verzichten konnten. −
Fletcher et al.
2004. Siehe auch: Li et al. 2002
... sich nach
Männern sehnen, die ihnen in puncto Status überlegen sind. −
Diskussion und Literatur
siehe z. B. Gaulin &
McBurney 2001, S. 215ff, Buss 2004, S. 103ff.
130
... werden systematisch die bessergestellten Männer bevorzugt. −
Buss 1997,
S. 79
... sind
es gerade die Frauen, die auf die äußere Attraktivität ihres Liebhabers
mehr Wert legen. − Das Muster wird auch von einer neueren Studie des
Münchener Psychologen Tobias Greitemeyer bestätigt: Während bei Männern
in jeder Art von Beziehung die Attraktivität ihrer Partnerin ganz oben
auf der Wunschliste steht, gilt für Frauen die Regel: je kurzfristiger
das geplante Engagement, desto höher steht Attraktivität im Kurs. Bei
Langfristbeziehungen ist dagegen Status unter den erwünschten
Eigenschaften eines Mannes absolut unabdingbar (Greitemeyer 2005).
Auch die
Intelligenz der Bettgenossin ist ihnen ziemlich egal. −
Buss 2004, S.
172
132
... dass sie mit zornigen Gesichtsausdrücken in Verbindung gebracht
werden. −
Aronoff et al.
1988, Aronoff et al. 1992
... dass
Schönheit sich in Abgrenzung zum „Schimpansen-Look“ entwickelt hat,
führt zum weiblichen Geschlecht. −
Siehe auch:
Meyer & Quong 1999. Der Begriff „Schimpansenlook“ stammt von Menninhaus
2003, S. 94.
Die
Entwicklung weg vom Affen ist nämlich in der Tat eine Entwicklung hin
zum Kind. − Diese so genannte „Neotenie-Hypothese“ stammt von dem
Anthropologen Doug Jones (Jones 1995). Danach ist die Entwicklung hin zu
einer kindlicheren Schädelform auf sexuelle Selektion zurückzuführen –
auf die Tatsache nämlich, dass Männer „neotene“, also kindliche
Gesichtsformen als attraktiver empfinden. Laut Jones steckt hinter
dieser Präferenz eine Vorliebe für relativ junge Frauen. Die Hypothese
wird kontrovers diskutiert (siehe dazu den Anhang in Jones 1995) –
insbesondere zwei Fragen sind umstritten; Handelt es sich bei dem Hang
zu Neotenie um eine echte Adaptation oder – wie Jones insinuiert − um
ein Nebenprodukt unserer Bevorzugung rel. jugendlicher Frauen? Donald
Symons argumentiert für die Adaptationsthese – demnach müsste Neotenie
per se einen Fortpflanzungsvorteil bieten. Als möglichen Kandidaten
nennt er den Hormonstatus, der sich möglicherweise auf den
Wachstumsprozess des Gesichtsschädels auswirkt. Auf diese sog.
„Hormonhypothese“ werden wir in Kapitel 8 zu sprechen kommen. Eine
weitere offene Frage bei der Neotenie-Diskussion ist, ob hinter der
Bevorzugung für neotene Gesichtszüge möglicherweise das Kindchenschema
(und nicht eine Bevorzugung von Jugendlichkeit) als auslösender
Mechanismus steht (z. B. Zebrowitz 1997).
... hat
sich der menschliche Schädel immer weiter hin zum Kindchenschema
entwickelt ... − Jones 1995, Brace et al. 1991
Die
„Grundeinstellung“ von Schönheit ist weiblich. − Siehe auch: Ford &
Beach 1951. Die Ethnologen kommen in dieser ethnographischen
Untersuchung von 190 Naturvölkern zu dem Schluss: „In den meisten
Gesellschaften erfährt die Attraktivität der Frau mehr explizite
Wertschätzung als die der Männer. Deren Attraktivität hängt
üblicherweise mehr von ihrer Tüchtigkeit als von der äußeren Erscheinung
ab.
In den verschiedensten Kulturen werden Attribute, die sich auf die
körperliche Attraktivität beziehen – „attraktiv“, „schön“, „sexy“ –
eindeutig mit dem weiblichen Geschlecht assoziiert (Williams & Best
1990).
133
... wie nahe sie dem über alles verehrten Ideal weiblicher Schönheit
kommen. −
Boesen 1999, S.
219ff
134
... muss er sie auf Schritt und Tritt bewachen und auch in schöner
Regelmäßigkeit „begatten“. −
Diamond 1998
... was
möglicherweise ihren stärker durchbluteten Lippen, weiteren Pupillen und
ihrer strafferen Haut zu verdanken ist. − Roberts et al. 2004. Siehe
auch Law Smith et al. 2006. Angeblich werden Frauen in der
ovulatorischen ihres Zyklus auch symmetrischer (Manning et al. 1996,
Scutt et al., 1996).
Frauen hängen
dann mehr am Telefon. −
Rohwer 2005
... finden sie
den Geruch der fruchtbaren Zyklus-Phase angenehmer −
Poran 1994,
Singh & Bronstad 2001
... wie
sich an dem Anstieg ihres Testosteronspiegels ablesen lässt. −
Grammer & Jütte 1997
...
dessen „Weiblichkeit“ bzw. „Männlichkeit“ sie mit einem Regler verändern
konnten. − Johnston et al. 2001
135
... die dem eigentlichen Partner an Status und Attraktivität überlegen
sind. −
Baker & Bellis
1995, Buss & Schmitt 1993
Ob an
allen derzeit viel diskutierten zyklusbedingten Veränderungen wirklich
etwas dran ist, muss sich noch erweisen. − Eine Übersicht zum Thema
geben Little et al. 2002, S. 69ff. Siehe auch Penton-Voak et al. 1999,
Penton-Voak & Perrett 2001, Gangestad et al. 2002, Gangestad et al.
2004, Haselton & Miller (in press), Pillsworth et al. 2004, Bullivant et
al. 2004.
Viele der genannten Befunde sind jedoch nicht unumstritten. So fanden
etwa Luevano & Zebrowitz (2005) zwar eine Präferenz von Frauen für
maskuline Männer bei Kurzzeit-Beziehungen, aber diese waren nicht
zyklusabhängig. Auch die Frage, ob Frauen in ihrer fruchtbaren Zeit
wirklich auch sexuell aktiver sind, ist trotz zig Studien immer noch
nicht definitiv beantwortet. Nach einer großen, multinationalen Studie
scheint sich zumindest in festen Beziehungen unter der Bettdecke nicht
mehr und nicht weniger abzuspielen, wenn die Frau fruchtbar ist (Brewis
& Meyer 2005).
Ähnlich soll er
sein, aber nicht zu ähnlich. −
In seinem
klassischen, als „Amsterdamprojekt“ bekannt gewordenen Versuch, konnte
Pat Bateson nachweisen, dass japanische Wachteln, wenn man ihnen die
freie Auswahl zwischen verschiedenen Partnern lässt, die Cousins ersten
Grades bevorzugen. Die Geschwister, genauso wie völlig fremde
Kandidaten, ließen sie dagegen links liegen (Bateson 1982).
Daraus lässt sich allerdings keine universale Gesetzmäßigkeit ableiten:
An manchen anderen Tierarten wurde nachgewiesen, dass gerade
„outbreeding“, also die Paarung mit genetisch möglichst weit entfernten
Partnern, zu mehr und fruchtbarerem Nachwuchs führt. Das richtige Maß an
Nähe bzw. Ferne scheint u. a. vom Parasitendruck bzw. ganz allgemein vom
Selektionsdruck abzuhängen, also dem Grad der Anpassung einer Spezies an
ihre Umwelt (siehe hierzu z. B. Ridley 1995, S. 388ff; Lynn Dicks
(2002): Like father like husband, New Scientist, 173, S. 26ff).
136
... um ihrem Nachwuchs ein optimal angepasstes Immunsystem zu bescheren.
− Z.
B. Neff & Pitcher 2005, Penn 2002, Roberts & Gosling 2003)
... von
Carole Ober von der University of Chicago an den Hutterern erhärtet. −
Ober et al. 1997. Philip Hedrick und Francis Black von der Yale
University fanden dagegen bei 11 Indianerstämmen in Amazonien nur ein
zufälliges MHC-Muster der Partner. Die Studie ist allerdings wegen ihrer
kleinen Fallzahl nicht besonders aussagekräftig (Alison Motluk (2001).
Scent of a man. New Scientist, 169(2277), 36ff.
137
... die in ihrer MHC-Ausstattung „fremd“ waren – jedoch nicht zu fremd.
− Mit
ihrer Studie bestätigt Suma Jacob zumindest zum Teil zwei frühere
Studien, die als erste einen Zusammenhang zwischen MHC-Ausstattung und
Geruchsvorlieben festgestellt hatten (Wedekind et al. 1995, Wedekind &
Füri 1997). Claus Wedekind von der Universität Bern ließ darin seine
Studentinnen die T-Shirts von sechs Männern beschnüffeln, die diese zwei
Nächte hintereinander getragen hatten. Dabei stellte sich heraus, dass
Frauen den Geruch von Männern bevorzugen, die ihnen in der
MHC-Ausstattung unähnlich sind – interessanterweise galt dies jedoch nur
für Frauen, die nicht die Pille einnahmen. Anstatt einen
unterschiedlichen Partner (möglicherweise zum Wohle der Immunstärke des
Nachwuchses) auszuschnüffeln, fiel die Wahl von Frauen unter hormoneller
Kontrazeption auf einen ihnen ähnlichen Partner. Eine mögliche Erklärung
liegt laut Wedekind darin, dass die Pille eine Schwangerschaft
vortäuscht – und in der Schwangerschaft zieht es Frauen möglicherweise
zur vertrauten genetischen Umgebung ihrer Verwandtschaft (siehe auch
DeBruine et al. 2005, Hudson et al. 1996). Das Phänomen ist auch an
Mäusen zu beobachten: Sobald sie schwanger sind, sind sie von bekannten
Gerüchen angezogen.
Wenn auch das
letzte Wort über die Hypothese der „genetischen Passung“ noch gesprochen
ist ... −
Z. B. Thornhill
et al. 2003. Danach riecht MHC-Unähnlichkeit nur für Männer besser.
138
... zu einer ominösen Gruppe von Duftstoffen, die als „Pheromone“
bezeichnet werden. −
Einen Überblick
zum Thema geben Kohl et al. 2001.
139
... obwohl sie sie zuvor recht unterschiedlich bewertet hatten. −
Grammer &
Jütte 1997
... denn
bis heute ist das Ergebnis von Anja Rikowski von keiner anderen
Arbeitsgruppe bestätigt worden. − Tendenziell wurde es sogar
falsifiziert: Thornhill & Gangestad 1999 fanden zwar bei beiden
Geschlechtern einen Zusammenhang zwischen Attraktivität des Gesichtes
und des Körpergeruchs, dieser war jedoch statistisch nicht signifikant.
... sind sich
die Menschen ziemlich einig darin, was eine schöne Stimme ist und was
nicht. −
Und genauso wie
bei der Optik wird das Schöne mit dem Guten gleichgesetzt: Wer eine
schöne Stimme hat, wird als liebenswerter, kompetenter und dominanter
eingeschätzt (Zuckerman & Driver 1989, Zuckerman et al. 1990). Dabei
beeinflussen sich Stimme und Gesicht gegenseitig: Wer ein schönes
Gesicht hat, dessen Stimme wird auch als attraktiver wahrgenommen,
umgekehrt macht eine schöne Stimme ein Gesicht in der Wahrnehmung
schöner (Zuckerman et al. 1991).
140
Die Stimme eines Menschen enthält ziemlich verlässliche Hinweise auf
sein Alter, die Körpergröße, sein Gewicht ... −
Krauss et al.
2002
... er
ist auch wirklich sexuell aktiver! − Hughes et al. 2004
...
haben nach einer ebenfalls von Susan Hughes stammenden Studie auch
attraktivere Stimmen. − Hughes et al. 2002
Kapitel 7: Schönheit – nur ein
Vorurteil?
143
... dürfte auf das Konto des Kontrasteffektes gehen. −
Dunn et al.
(1996) zeigten 297 Versuchspersonen Bilder lächelnder Münder, die sich
in der Symmetrie des Lächelns, der Anzahl der sichtbaren Zähne, dem
Zustand ebendieser Zähne (saniert oder unsaniert) und deren Farbe
unterschieden. Dabei stellte sich die Helligkeit der Zähne als
wichtigster Faktor heraus, der über die Attraktivität des Lächelns
entschied (Dunn et al. 1996).
...
deren Wellenlänge genau zwischen den beiden im Training verwendeten
Reizen liegt. − Hanson 1959
144
... neigen tatsächlich dazu, auf symmetrische Muster stärker
anzusprechen als auf Zufallsmuster. −
Enquist & Arak
1994, Johnstone 1994
... ebenso
interessanten Theorie zu: der “Prototyp-Theorie“. −
Auch „Cognitive
averaging theory“ genannt; siehe dazu Rubenstein et al. 2002.
145
... wurde auch hier der Durchschnitt als attraktiver empfunden als die
Einzelbilder. −
Halberstadt &
Rhodes 2000, 2003
Wie
diese Prototypen gebildet und vor allem gespeichert werden, ist noch
immer schwer umstritten. − Die Prototyp-Theorie ist nur eine
Erklärung für die Erkennung und Speicherung von Signalen. Sie bekommt in
letzter Zeit Gegenwind von so genannten „konnektionistischen“ Konzepten,
die sich auf Erkenntnisse stützen, die anhand von künstlichen neuronalen
Netzwerken gewonnen wurden; siehe z.B. Enquist & Arak 1998.
...
empfanden hinterher leicht verzerrte Gesichter als „normal“ und damit
auch als attraktiver als völlig unverzerrte Gesichter. − Rhodes et
al. 2003
146
... empfanden sie ein aus beiden Volksgruppen gemischtes Gesicht nachher
als „japanisch“ oder eher als „europäisch“. −
Das selbe Phänomen lässt sich bei
Gesichtsausdrücken beobachten: Ob ein aus den entsprechenden
Emotionen zusammengemischtes Gesicht als „angewidert“ oder „überrascht“
wahrgenommen wird, hängt davon ab, welchem der beiden Gesichtsausdrücke
die Versuchspersonen vorher ausgesetzt waren (Webster et al. 2004).
Auch die Wahrnehmung der Körperfigur scheint vom
Nachhall-Phänomen beeinflusst zu sein. Christopher Winkler und Gillian
Rhodes setzten ihren Versuchspersonen menschliche Silhouetten vor, die
sie vorher am Computer in unterschiedlichem Maß künstlich verschmälert
oder verbreitert hatten. Je nachdem, ob die Probanden vorher an dünnere
oder dickere Körperformen gewöhnt worden waren, bewerteten sie die
verschlankten oder verbreiterten Silhouetten als „normal“. Bei der
Bewertung der Attraktivität zeigte sich jedoch überraschenderweise ein
von den entsprechenden Versuchen an Gesichtern abweichendes Ergebnis:
zwar bevorzugten die an schlanke Figuren gewöhnten Versuchspersonen
noch schlankere Modelle; die an dickere Figuren gewöhnten empfanden
diese jedoch nicht als attraktiver (Winkler & Rhodes 2005).
... nimmt sich
ein mittelmäßiges Exemplar gleich richtig bescheiden aus. −
Kenrick & Gutierres 1980. Das Phänomen wird in
diesem Zusammenhang als „Kontrasteffekt“ bezeichnet, und gehört zum
größeren Formenkreis der „Kontexteffekte“. Einen Überblick über die
umfangreiche Literatur zu Kontexteffekten gibt Henss 1993.
...
desto mehr Gemeinsamkeiten dürften Menschen demnach in ihren
Schönheitsstandards entwickeln. − Ob die Fähigkeit zur
Prototypbildung angeboren ist, oder im Lauf der ersten drei Monate durch
Erfahrung erworben wird, ist umstritten. Walton & Bower (1993) zeigten
Neugeborenen zunächst verschiedene Gesichter. Als sie ihnen im Anschluss
das Durchschnittsbild aus diesen Gesichtern präsentierten, reagierten
diese darauf wie auf ein bekanntes Gesicht, was von den Autoren als
Hinweis auf Durchschnittsbildung (d.h. Extraktion eines Prototyps)
gewertet wird. Dem widerspricht De Haan et al. (2001): Nach ihren
Ergebnissen wird ein Prototyp erst ab dem dritten Monat gebildet. Siehe
hierzu auch Kelly et al. (2006, im Druck).
Im Gegensatz zur Bewertung von Gesichtern, unterscheiden sich Kinder und
Erwachsene in ihren Vorlieben für bestimmte Körperfiguren
deutlich. Erst mit Beginn der Pubertät können Kinder breitschultrigen
Männerkörpern und kurvenreichen Frauenkörpern etwas abgewinnen. Vorher
empfinden sie schmale, wenig profilierte (also kindliche) Silhoutten als
schöner (Connolly et al. 2004).
147
Tatsächlich schneiden in Rating-Experimenten bekannte Gesichter
regelmäßig besser ab als unbekannte. −
Zebrowitz 1997
S. 137ff, Langlois et al. 1994
... wenn
man den Versuchspersonen ein Gesicht so kurz darbietet, dass sie es gar
nicht bewusst wahrnehmen können! − Moreland et al. 1979
... je
weniger Berührung die Versuchspersonen mit der entsprechenden
Volksgruppe gehabt hatten. − z.B. Rhodes et al. 2005b, Byatt &
Rhodes 2004
... dass
wir uns an fremde Gesichter ... extrem schnell gewöhnen können ... −
Sehr schön nachgewiesen wurde dieser „Gewöhnungseffekt“ von dem
israelischen Psychologen Yair Bar-Haim und seinen Kollegen. Sie setzten
drei Gruppen von Säuglingen, die alle ungefähr drei Monate alt waren,
Gesichter von schwarzen und weißen Erwachsenen vor und zeichneten die
Blickdauer der kleinen Probanden auf. (Sie kennen die Versuchsanordnung
schon von den Versuchen von Judith Langlois aus Kapitel 1). Die erste
Gruppe waren Kinder äthiopischer Eltern, die auf ihre Einwanderung nach
Israel warteten; die zweite stammte aus weißen, israelischen Familien;
und die dritte bestand aus äthiopischen Kindern, die in einem so
genannten Eingliederungszentrum in Israel lebten. Die schwarzen bzw.
weißen Kinder der beiden ersten Gruppen mochten am Liebsten die
Gesichter ihrer eigenen Hautfarbe. Bei den kleinen Äthiopiern jedoch,
die im Eingliederungszentrum mit Menschen aus aller Herren Länder
zusammenlebten, ließ sich eine Vorliebe für die eigene Hautfarbe nicht
feststellen: sie teilten ihre Blickdauer gerecht zwischen schwarzen und
weißen Gesichtern auf (Bar-Haim et al. 2006; siehe hierzu auch
Sangrigoli & de Schonen 2004 und Sangrigoli et al. 2005).
...
immer mehr weg vom klassischen, „weißen“ Standard hin zu einem
Multikulti-Ideal geht. − Etcoff 2001, S. 166
150
Kindchenschema ist demnach nichts anderes als die Gipfelverschiebung von
Weiblichkeit. −
Diese Idee stammt von Vilaynur Ramachandran, den
Sie weiter unten kennenlernen werden (Ramachandran & Hirstein 1999).
151
... durchschnittlich mehr als einen Punkt auf einer Skala von 1 bis 10
aus. −
Hergovich
benutzte dabei das virtuelle Schminkstudio von L’Oreal (http://www.lorealparis.de),
um die Wirkung verschiedener Schminktechniken zu ermitteln (Hergovich et
al. 2001). Auch in einer Studie von Graham und Jouhar (1980) führte der
Einsatz von Make-up zu signifikant höheren Attraktivitätszuschreibungen,
außerdem wurden auch die Persönlichkeitsbewertungen positiv beeinflusst.
Dasselbe Ergebnis erbrachte auch eine Studie von Osborn (1996).
Auf der Suche nach dem genauen Wirkmechanismus von Make-up und Schminke
veränderte der Psychologe Richard Russell auf Schwarz-Weiß-Fotos von
Frauen- und Männergesichtern computertechnisch den Hell-/Dunkelkontrast
im Bereich der Augen und des Mundes (so dass die Lippen sowie Iris,
Augenränder, Wimpern und Augenbrauen gegenübder der umgebenden Haut
dunkler erscheinen). Bei Frauen ging ein höherer Kontrast mit höheren
Attraktivitätswerten einher, bei Männern war genau das Gegenteil der
Fall. Russells Erklärung: Da Frauen von Natur aus hellere Haut haben als
Männer, ist der höhere Kontrast ein Zeichen von Weiblichkeit (Russell
2003). Die Effekte sind allerdings gering. Zudem weist die Studie Mängel
auf: so wurde z.B. nicht zwischen der Wirkung des simulierten
Schminkeffektes im Bereich des Mundes und der Augen differenziert, so
dass zumindest bei den Männern das Ergebnis schlicht darauf
zurückzuführen sein könnte, dass wir geschminkte Lippen nunmal nicht
gewohnt sind (und deshalb merkwürdig empfinden).
152
... die treibende Kraft hinter der Evolution von Ornamenten und Signalen
jeder Art. −
Z.B. Enquist &
Arak 1998. Dass die Evolution von Signalen vom Empfänger vorangetrieben
wird, ist klassisches Gedankengut der Verhaltensforschung. Siehe z.B.
Eibl-Eibesfeldt 1980, S. 147. Siehe auch Katz 1999.
Auch der gute alte Fisher
aus Kapitel 5 lässt sich mit Wahrnehmungsvorlieben – genauer der
“Gipfelverschiebung” − erklären. −
Z. T sogar
besser, denn nach dem Signalmodell ist für die Entwicklung eines Runaway
keine genetische Kopplung zwischen Merkmal (des Senders) und Vorliebe
(des Empfängers) notwendig – welche im klassichen Fisher-Prozess-Modell
die Voraussetzung für einen Runaway ist – womit sich jedoch die
Koevolution von Signalen unterschiedlicher Arten (wie z.B. von
Blütenpflanzen und der bestäubenden Insektenart nicht erklären ließ.
... aus
dem ursprünglich bevorzugten Grün ein sattes Blau entwickelt hatte. −
Jansson & Enquist 2003
153
... mit einer noch auffälligeren Show zu imponieren. −
Zur
Signalevolution bei sich widersprechenden Interessen der beiden
Geschlechter (so genannte „Chase away“-Selektion) siehe Holland & Rice
1998, Rice & Holland 2005.
Je extremer die
Interessenskonflikte zwischen den Partnern sind, desto extremer
entwickeln sich in der Regel die eingesetzten Signale. −
Dabei dürfte
einer neueren Studie zufolge auch eine Rolle spielen, ob es der Vater
oder die Mutter ist, welche über das Geschlecht des Nachwuchses
bestimmen (Albert & Otto 2005). Im „XY“-System der Säugetiere ist dies
das Männchen: Je nachdem, ob dieses sein X- oder Y-Chromosom weitergibt,
wird das Kind männlich oder weiblich. Bei Vögeln oder Schmetterlingen
dagegen wird das Geschlecht der Nachkommen von der Mutter bestimmt – sie
ist nämlich „ZW“, während der Vater „ZZ“ ist, und damit bei der
Festlegung des Geschlechts keine Rolle spielt.
Wenn die für ein bestimmtes, auffälliges Ornament verantwortlichen Gene
nun auf dem Z-Chromosom sitzen (was sie häufig zu tun scheinen), haben
Weibchen ein Interesse, eine Vorliebe für auffällig ornamentierte
Männchen zu entwickeln – denn dieses wird sein Z-Chromosom in jedem Fall
weitervererben und damit für auffällig ornamentierten, also begehrten
männlichen Nachwuchs sorgen. Dieser Fitness-Vorteil der männlichen
Nachkommen wiegt die Tatsache, dass der weibliche Teil der
Nachkommenschaft das Handicap zu tragen hat, dass sie durch das
schmückende Z-Chromosom des Vaters für ihre Fressfeinde sichtbarer sind,
mehr als auf.
Im XY-System ist der Fall jedoch anders: Hier sollte sich ein Weibchen
eher für einen unauffälligeren Gatten interessieren. Denn wenn die für
die Ornamentierung verantwortlichen Gene auf dem X-Chromosom sitzen (was
häufig der Fall ist), erscheinen sie nur bei der Tochter – womit das
entsprechende Weibchen ein doppeltes Problem hat: ihre männlichen
Nachkommen sind nicht „sexy“, ihre weiblichen dagegen haben das
schmückende Gen geerbt – das sie leichter zur Beute werden lässt.
Ob sich also – unter den Bedingungen der Damenwahl, wie sie bis auf
wenige Ausnahmen in allen Arten vorherrscht – ein „Runaway“ hin zu einer
auffälligen Ornamentierung des männlichen Geschlechtes entwickelt, hängt
möglicherweise vom chromosomalen System ab. Sollten sich diese an
mathematischen Modellen gewonnenen Erkenntnisse in der Realität
bestätigen, könnte eine Schlussfolgerung daraus lauten, dass sich das
Paradebeispiel Pfau, oder auch andere stark geschmückte Vogelarten, als
Erklärungsmodell für die sexuelle Selektion von Säugetieren und
insbesondere dem Menschen nicht eignen.
154
Signalevolution ist so launisch wie die Mode.
Z. B. Ghirlanda
& Enquist 2003, Jansson & Enquist 2005, Enquist & Ghirlanda 2005,
Kenward et al. 2004.
Was haben nun die am Tier- und Computermodell erforschten neuronalen
Wahrnehmungsvorlieben mit der menschlichen Schönheit zu tun? – Nach
Enquist kann das Gesicht als n-dimensionaler Raum aufgefasst werden,
dessen Vektoren aus den verschiedensten Reizgradienten bestehen, die
sowohl Generalisierung als auch Differenzierung erfordern.
Beispielsweise müssen Gesichter trotz ihrer Unterschiedlichkeit als
Menschengesichter erkannt werden, genauso die unterschiedlichen
Babygesichter als Babygesichter. Aus dieser Notwendigkeit zu
verallgemeinern leitet sich nach Enquist unsere Vorliebe für
Durchschnittlichkeit ab. Eine andere Aufgabe des Wahrnehmungssystems
besteht darin, die verschiedenen Kategorien zu unterscheiden
(beispielsweise Mann von Frau, Kind von Erwachsenem, junge Erwachsene
von alten etc.), und dieser Prozess führt zur Vorliebe für übertriebene
Reize, denn je übertriebener ein Reiz, desto leichter ist er von einem
anderen zu unterscheiden. Was wir als Attraktivität wahrnehmen wäre
demnach die Resultante aus den jeweiligen Optima von supernormalen und
„durchschnittlichen“ Reizen (Enquist et al. 2001).
155
...
Gallus gallus domesticus gegen Homo sapiens. − Ghirlanda
et al. 2002
156
Denn wer kann sich ein hinderliches Ornament überhaupt leisten? −
So kann sich
offenbar ein Signal, das ursprünglich eine Wahrnehmungsvorliebe in
unehrlicher Weise ausnutzte (so genannte „Wahrnehmungsfalle“, siehe
Christy 1995, Endler et al. 1998) mit der Zeit zu einem ehrlichen
Qualitätssignal entwickeln, wie die Biologen Constantino Macías Garcia
und Elvia Ramirez von der University of St. Andrews in Schottland anhand
der Schwanzbänder einer mexikanischen Fischart nachweisen konnten
(Garcia & Ramirez 2005, Stuart-Fox (im Druck).
157
... Leslie Zebrowitz von der Brandeis
University in Massachusets ... −
http://zebrowitz...,
http://www.brandeis.edu...
158
... auch schon bei etwas niedrigeren Tönen, wenn auch in entsprechend
abgeschwächter Form. −
Die Hypothese
heißt auf englisch „Anomalous face overgeneralization hypothesis“.
...
spricht in diesem Zusammenhang vom „Rauchmelderprinzip“. − Nesse &
Williams 1995
159
... mit deutlich mehr Milde rechnen als die mit reifen Gesichtern. −
Zebrowitz & McDonald 1991
...
möglicherweise als Gegenreaktion auf ihr Antihelden-Image. −
Zebrowitz et al. 1998
160
... dem Betreffenden den entsprechenden Charakter anzudichten. −
Die Autoren
nennen den Effekt „emotional face overgeneralization“.
...
beide lösen dieselbe Reaktion in uns aus. − Der Verwechslungseffekt
scheint auch hinter folgendem Phänomen – das Zebrowitz als „mistaken
identity effect“ bezeichnet – zu stehen: Wer zufällig einem uns
bekannten Menschen ähnlich sieht, dem werden auch dessen Eigenschaften
zugeschrieben. Das „Opfer“ unserer Überreaktion ist sozusagen in die
Haut unseres Bekannten geschlüpft – eine Verwandlung, die für den
Betreffenden meist eher von Vorteil ist: Wen wir kennen, halten wir
reflexartig für besser − und für schöner, wie Sie schon aus Kapitel 6
wissen.
... um
damit „die Philosophen zu ärgern“ − wie sein Kollege Ramachandran
schreibt (Ramachandran 2001).
161
Um zu verstehen, was Kunst ist, muss man das Hirn studieren. −
Einer
der ersten, der die Kunst solchermaßen aus biologischem Blickwinkel
betrachtete, war der Verhaltensforscher Irenäus Eibl-Eibesfeldt
(Eibl-Eibesfeldt 1986, S. 819ff).
Und dort spielen eben genau die
Wahrnehmungsvorlieben, die wir in diesem Kapitel kennen gelernt haben,
eine tragende Rolle. − Einen Überblick geben Reber et al. 2004
... für die
ästhetische Wirkung von Kunstwerken verantwortlich macht. −
Ramachandran &
Hirstein 1999. Die Thesen von Ramachandran und Hirstein waren Gegenstand
einer BBC-Reportage mit dem Titel „The Artful Brain“, die im Netz unter
http://www.bbc.co.uk... verfügbar ist.
... in
dem auf „echte“ Gesichter spezialisierten Hirngebiet und im Mandelkern.
− Kawabata & Zeki 2004. Interessanterweise lief gleichzeitig in
Spanien eine ganz ähnliche – allerdings weniger ausgeklügelte −
Untersuchung, in der ebenfalls Bilder verschiedener Kategorien verwendet
wurden (Cela-Conde et al. 2004). In dieser Studie wurde „ästhetische“
Aktivität zwar auch im Frontalhirn nachgewiesen, aber in einem dorsalen
Abschnitt.
Der Frage, wo im Hirn unser ästhetisches Urteil gefällt wird, ging auch
das Team um Thomas Jacobsen von der Universität Leipzig nach. Die
Forscher zeigten ihren Versuchspersonen in der Magnetresonanzröhre
verschiedene Muster geometrischer Formen, die sich in ihrer Komplexität
und Symmetrie unterschieden. Dabei zeigte sich, dass von den
Versuchspersonen als unterschiedlich schön bewertete Muster auch
unterschiedliche Reaktionen im Hirn hervorriefen, wobei offenbar
unterschiedliche Strukturen an der Bewertung eines Musters als „schön“
und bei der Bewertung als „symmetrisch“ beteiligt waren. Offenbar
arbeiten die beiden Systeme jedoch nicht vollkommen unabhängig
voneinander: wenn immer ein Reiz als „schön“ empfunden wurde, führte
dies auch zu einer Aktivierung des Symmetrie-Netzwerkes.
Darüber hinaus förderte die Studie einen interessanten Befund zu Tage,
der uns noch in Kapitel 11 bei der Frage nach der Herkunft des
Attraktivitätsstereotyps beschäftigen wird: Das für die ästhetische
Bewertung der Reize zuständige neuronale Netzwerk scheint sich zumindest
zum Teil mit dem Netzwerk zu überlappen, das bei moralischen Wertungen
aktiv ist. (Jacobsen et al. 2006).
162
... in die sich dann hoffentlich irgendwann auch die große Schwester,
die Philosophie, einmischt. −
Erste Ansätze
bieten das schon erwähnte Buch des Berliner Literaturwissenschaftlers
Winfried Menninghaus (Menninghaus 2003) und das des Münchener
Literaturwissenschaftlers Karl Eibl (Eibl 2004).
Kapitel 8: Schöne Theorien?
163
... die Theorien müssen nun zeigen, was sie zur Erklärung der
menschlichen Schönheit beizutragen haben. −
Eine Diskussion
der verschiedenen Theorien der sexuellen Selektion im Hinblick auf den
Menschen bieten neben den in der
Bücherliste genannten Büchern z.B. folgende Übersichtsartikel:
- Thornhill & Gangestad 1999b
- Grammer et al. 2003
- Skamel 2003
164
... und dürften damit auch mehr Nachkommen haben. −
Udry & Eckland
1984
... dass die
befragten Studenten und Studentinnen umso mehr „dates“ hatten, je
schöner sie waren. −
Waller 1937
Die schönen
Liebhaber sind zufriedener mit dem, was sich unter der Bettdecke
abspielt. −
Langlois et al.
2000. Langlois teilt das, was Mann und Frau miteinander machen, in zwei
Bereiche ein: unter der Überschrift „Erfahrungen mit dem anderen
Geschlecht“ fasst sie „Häufigkeit von Verabredungen“, „Mangel an Angst
vor Verabredungen“ und „Selbstbehauptung bei Verabredungen“. Unter der
Überschrift „Sexuelle Erfahrung“ kommt dann das Liebesleben im engeren
Sinn: „Häufigkeit von Sex“ und „Anzahl der Partner“. Nach Langlois
schneiden die Attraktiven in beiden Disziplinen besser ab, sowohl beim
Ausgehen (Effektstärke 63/37) als auch nach dem Heimkommen (58/42).
... und zwar
sowohl innerhalb als auch außerhalb von festen Beziehungen. −
Z.B.
Thornhill & Gangestad 1994; Thornhill et al.
1995; Gangestad & Thornhill 1997.
...
aktiver als ihre weniger ansehnlichen Schwestern – allerdings nicht in
fremden Betten. − Die Datenlage ist jedoch, wie gesagt, bei den
Frauen weniger eindeutig – um nicht zu sagen, verworren: In
verschiedenen Studien steigt mit der Attraktivität die Anzahl der
Partner, z.B. in der Untersuchung von Hughes & Gallup (2003): demnach
geht eine attraktive „waist-to-hip ratio“ mit der Aufnahme von
Geschlechtsverkehr in jüngeren Jahren, einer größeren Anzahl von
Partnern und mehr Seitensprüngen einher.
In einer Untersuchung an australischen Studenten hatte ein attraktiver
Körper jedoch keinerlei Einfluss auf das Sexleben der jeweiligen Frau –
wohl aber ein schönes Gesicht. Die mit einem solchen gesegneten Frauen
hatten früher mit Sex angefangen, und hatten mehr
Langzeit-Partnerschaften (definiert als mehr als 12 Monate haltende
Beziehungen) hinter sich. Bei den Kurzzeit-Beziehungen ergaben sich
allerdings keine Unterschiede zu ihren weniger attraktiven
Geschlechtsgenossinnen (Rhodes et al. 2005a).
US-amerikanische Psychologen gingen 1999 der Frage nach, was eigentlich
Frauen mit einer ungewöhnlich hohen Zahl an Sex-Partnern auszeichnet –
und kamen zu dem überraschenden Ergebnis, dass diese Frauen sich in
ihrer Attraktivität nicht von ihren zurückhaltenderen
Geschlechtsgenossinnen unterschieden (Mikach & Bailey 1999). Auch eine
deutsche Untersuchung an der FU Berlin an 180 Singles ergab bei Frauen
keine Korrelation zwischen Attraktivität und der Anzahl ihrer Partner −
wohl aber bei Männern (Pashos & Niemitz 2003).
Wieder andere Studien legen nahe, dass die sexuelle Aktivität, wenn man
sie gegen die Schönheit aufträgt, bei Frauen einer U-Kurve folgt: mehr
Umtriebigkeit im oberen und unteren Bereich der Attraktivitätsskala, in
der Mitte herrscht dagegen etwas mehr Ruhe. In einer Untersuchung aus
dem Jahr 1987 hatten sowohl besonders unattraktive als auch besonders
attraktive Frauen mehr Sexpartner (Stelzer et al. 1987). Eine Studie aus
dem Jahr 1970 bestätigt diesen Befund zumindest teilweise: Im Jahr 1970
gaben 400 Studentinnen der University of Colorado Auskunft über ihr
Liebesleben. 56% der besonders attraktiven Frauen waren keine Jungfrauen
mehr, dagegen nur 31% der durchschnittlich Attraktiven − gegenüber 37%
der unterdurchschnittlich Attraktiven (Kaats & Davis 1970). Allerdings
ergab sich in dieser Studie zwischen den erfahrenen Schönen und eher
Unschönen kein Unterschied in der Anzahl der Partner und der Häufigkeit
von Geschlechtsverkehr.
... was nach
einer Studie aus dem Jahr 1998 auch die Bereitschaft zu ungeschütztem
Geschlechtsverkehr mit einbezieht. −
Agocha & Cooper
1999
165
... wäre makellose Haut damit der „Indikator“ für gute Gene par
excellence ... −
Tatsächlich
werden Menschen mit glatter Haut nicht nur als schöner, sondern auch als
gesünder wahrgenommen (Jones et al. 2004a). Ob diese Verbindung
ausschließlich auf das Konto des Attraktivitätsstereotyps geht (siehe
nächstes Kapitel), oder ob glatte Haut tatsächlich für mehr Gesundheit
(ein besseres Immunsystem etwa) steht, ist eine heiß diskutierte Frage,
auf die es jedoch bisher keine wirklich überzeugende Antwort gibt (siehe
z.B. Fink et al. 2001, Weeden & Sabini 2005).
... nämlich
einer besseren Gesundheit für unseren Nachwuchs? −
Roberts et al.
2005a, Roberts et al. 2005b.
166
... dass uns die Evolution mit einer Vorliebe für perfekt symmetrische
Gesichter ausgestattet hätte. −
Zaidel et al.
2005; Zaidel &
Cohen 2005. Siehe auch: Weeden & Sabini 2005. Nach diesem
Übersichtsartikel gibt es zwar einen geringen Zusammenhang zwischen
Attraktivität und Symmetrie, dieser ist jedoch nur schwach und außerdem
nur für Männergesichter nachweisbar. Auch Hönekopp et al. 2004 fanden
keinen Zusammenhang zwischen Gesichtssymmetrie und Attraktivität. (dafür
dokumentierten sie erhebliche methodische Zweifel an vorhergehenden
Symmetrie-Studien).
Auch Thornhill und Gangestad – die beiden Symmetrie-Päpste resümieren in
ihrem Übersichtsartikel (Thornhill & Gangestad 1999b): wieviel Symmetrie
zur Attraktivität eines Gesichtes beiträgt, ist derzeit unbekannt; aber
neuere Ergebnisse legen nahe, dass es wenig ist.
Je symmetrischer
die Männer gebaut waren, desto mehr Partnerinnen hatten sie, sowohl im
Ehebett als auch außerhalb. −
Die
Korrelationen waren jedoch, wie die Autoren zugeben, ziemlich klein (Thornhill
& Gangestad 1994; Gangestad & Thornhill 1997).
Sie erlebten
nämlich häufiger einen Orgasmus – und zwar tendenziell gemeinsam mit
ihrem Partner. −
Thornhill et al.
1995; Møller et al. 1999b. Dabei war die Orgasmushäufigkeit nicht nur
mit Symmetrie sondern auch der Attraktivität des Partners korreliert.
Auch in einer an der Universität Kassel durchgeführten Untersuchung, die
sich auf 388 Fragebögen stützt, berichten diejenigen Frauen mit den
attraktiveren Partnern häufiger über einen Orgasmus beim letzten
Zusammensein. Die Studie leidet jedoch daran, dass Attraktivität
subjektiv eingeschätzt wurde, und somit Faktoren wie der Grad der
Verliebtheit im Spiel gewesen sein dürften und das Ergebnis möglichweise
verfälschen.
167
... So sollen symmetrische Männer etwa das bessere Immunsystem haben ...
−
Thornhill et al. 2003
... besseres
Sperma ... −
Manning et al.
1998; Soler et al. 2003
... und
bessere Haut ... − Jones et al. 2004a, 2004b
... von
höherer Intelligenz ganz zu schweigen. − Furlow et al. 1997. Demnach
sind die Intelligenzunterschiede zu 20% an körperliche Symmetrie
gekoppelt.
... sind
anscheinend symmetrische Brüste Zeichen von Fruchtbarkeit. − Manning
et al. 1997; Møller et al. 1995
Nach der
„Gute Gene-Hypothese“ ist ein schönes Gesicht ein „Gesundheitszeugnis“.
− Thornhill & Gangestad 1999b
168
... dieser ist jedoch recht schwach und außerdem nur bei Frauen
aufzuspüren. −
Der Zusammenhang
von Gesundheit und Attraktivität ist nicht besonders systematisch
erforscht, auch wenn zu diesem Thema eine Vielzahl von Studien
vorliegen, die sich jedoch nicht nur in ihrem Design erheblich
unterscheiden, sondern auch in ihrer Qualität – hier lassen viele sehr
zu wünschen übrig, manche liegen auch unter jeder Kritik. Eine
Metaanalyse des ganzen bunten Haufens haben Weeden und Sabini (2005)
versucht. Ihr Ergebnis: bei Frauen lässt sich ein, allerdings schwacher,
Zusammenhang zwischen Aussehen und Gesundheit feststellen, bei Männern
nicht. Einen Literaturüberblick gibt (neben Weeden & Sabini 2005) auch
eine Seminararbeit von Margarete Poekl, die in dem Sammelband von
Andreas Hergovich (2001) veröffentlicht ist.
Das letzte Wort zum Thema Gesundheit ist auch mit der Metaanalyse von
Weeden und Sabini noch nicht gesprochen. Aus theoretischen Erwägungen
müssten Gesundheit und Attraktivität deutlich korrelieren, und zwar
deshalb, weil die beide Größen von der Variablen „sozialer Status“
abhängig sind. Mehr dazu weiter unten in diesem Kapitel.
... Satoshi
Kanazawa von der London School of Economics und Jody Kovar von der
University of Pennsylvania, der für einiges Aufsehen sorgte. −
Kanazawa &
Kovar 2004. Seit seinem Erscheinen führt der Artikel die Charts der am
häufigsten heruntergeladenen Artikel der Zeitschrift Intelligence
an.
169
... auf robuste wissenschaftliche Ergebnisse stützen. −
z. B. Hart et
al. 2005; Deary et al. 2005
... und
ist eindeutig mit „Ja“ zu beantworten. − Literatur siehe Kanazawa &
Kovar 2004
Schönheit ist danach mindestens in gleichem Maße erblich wie
Intelligenz. − McGowern et al. 1996,
Rowe et al. 1989
170
... hartnäckig als „Beweis“ für die Gute-Gene-Hypothese angeführt. −
Henderson & Anglin 2003
... und
der Evolutionspsychologe Victor Johnston von der University of New
Mexico gehören. − z. B. Johnston 2006, Thornhill & Grammer 1999
... und
führt damit zu den begehrten weiblichen Gesichtsproportionen. − Die
Beeinflussung des Wachstums des Gesichtsschädels durch Östrogen ist
allerdings (genauso wenig wie die von Testosteron) nicht gut
abgesichert. Wirklich aussagekräftige Studien werden von den Proponenten
nicht angeführt. Mit Sicherheit wird die Gesichtsmorphologie auch von
einer nicht mit Hormonwirkungen assoziierten genetischen Komponente
beeinflusst. Ob ein Mensch ein langes oder kurzes Kinn bekommt, ist oft
schon im Kindesalter zu erkennen, und hängt in der Regel schlicht von
der Kinnlänge der Eltern ab.
Dazu
kommt, dass die Fruchtbarkeit einer Frau tatsächlich von ihrem
Östrogenspiegel abhängt. − Literatur siehe Jasienska et al. 2004
... nach guter wissenschaftlicher Sitte noch der Bestätigung durch
andere Untersucher bedürfen. − Die Studie von Law Smith et al.
(2006) hat das unbestreitbare Verdienst, dass sie den überfälligen
Einstieg in die Erforschung des Zusammenhangs zwischen Attraktivität und
Geschlechtshormonen am weiblichen Gesicht markiert. Die Untersuchung hat
jedoch ein paar Schwachpunkte, die in der Studie selber z.T. nicht
ausreichend diskutiert werden (für eine interessante Diskussion der
Befunde danke ich Johannes Hönekopp von der TU Chemnitz):
►
Hormonspiegel schwanken oft enorm. Dies gilt beim Östrogen insbesondere
in der späten follikulären Phase, wo der ovulatorische Gipfel sehr steil
ist und dann abrupt wieder abfällt. Es hängt also stark vom
Messzeitpunkt ab, ob man den jeweiligen Gipfel „erwischt“ oder nicht.
Dies ist nur bei täglicher Messung gewährleistet, in der vorliegenden
Studie erfolgten die Messungen aber nur einmal wöchentlich. Die
Östrogenunterschiede zwischen den Frauen könnten damit vor allem die
Tatsache widerspiegeln, wie exakt man den Gipfel erwischt hat. In diesem
Fall hätten Law Smith et al. die Frauen nicht nach der Höhe der
jeweiligen Östrogenexposition voneinander getrennt, sondern die
ovulierenden von den noch nicht oder nicht mehr ovulierenden Frauen.
Wenn ovulierende Frauen – wie Roberts et al. 2004b berichten –
tatsächlich als attraktiver wahrgenommen werden, so hätten Law Smith et
al. letztlich nur diesen Effekt repliziert, nicht aber einen Hinweis auf
die oft postulierte globalere Östrogenwirkung auf die
Gesichtsattraktivität (z. B. im Rahmen des Wachstumsprozesses des
Gesichtsschädels) aufgedeckt.
► Law
Smith et al. gehen in ihrer Studie nicht auf die Frage ein, worin
nun der Attraktivitätsunterschied zwischen den unter hohem bzw.
niedrigerem Östrogeneinfluss stehenden Gesichtern besteht. Wenn man die
beiden Bilder vergleicht, fällt jedoch ins Auge, dass sich die
Proportionen der unteren Gesichtshälfte deutlich unterscheiden: Das
„östrogenhaltigere“ Gesicht hat ein niedrigeres Kinn – aus Kap. 2 wissen
Sie, dass dieses Merkmal zu den wichtigsten Attraktivitätsmerkmalen des
weiblichen Gesichtes zählt. Dieser Befund würde auf eine Östrogenwirkung
im Lauf des Wachstumsprozesses hinweisen.
► Die
Hypothese, dass die weibliche Gesichtsform vom Östrogenspiegel während
des Wachstums abhängt, ist jedoch alles andere als abgesichert. Der
Wachstumsprozess des Gesichtsschädels ist zwar aus morphologischer Sicht
recht ausgiebig untersucht (z.B. Mark et al. 1988), bei der Frage nach
den Ursachen für die unterschiedliche Wachstumsdynamik des männlichen
und weiblichen Schädels herrscht jedoch wenig Klarheit. Auch Law Smith
et al. können offenbar keine diesbezügliche Literatur nennen. (Auch Law
Smiths Coautor David Perrett stellt in einer Publikation aus dem Jahr
1999 die unterschiedlichen Wachstumsmuster des männlichen und weiblichen
Gesichtsschädels ausschließlich als Effekt des männlichen Hormones
Testosteron (bzw. dessen Abwesenheit) dar. Demnach ist die weibliche
Gesichtsform quasi der „Default-Modus“, von dem dann je nach
Testosteron-Einfluss mehr oder weniger abgewichen wird – von einem
Östrogeneinfluss ist darin nicht die Rede; siehe Perrett & Penton-Voak
1999).
► Gerade
im Hinblick auf den Unterschied in der Gesichtsproportion liegt im Fall
der vorliegenden Studie eine Erklärung für die Nullkorrelation bei den
geschminkten Gesichtern nicht recht auf der Hand. Die
Gesichtsproportionen dürften von der Verwendung von Make-up recht
unabhängig sein.
172
... einmal hübsch, immer hübsch. −
Der
amerikanische Psychologe G.R. Adams sammelte Bilder von Kindern vom
Kindergarten- bis ins Jugendlichenalter, und stellte fest: Wer als Kind
ein hübsches Gesicht hatte, hatte dieses auch noch als junger
Erwachsener (Adams 1977). Bei der Körperform sind die Unterschiede im
Lauf des Lebens natürlich größer – aus einem anmutigen Kind kann
problemlos ein teigiger 45-Jähriger werden.
... mit größeren Brüsten und einer schlankeren Taille einherzugehen.
− Jasienska et al. 2004.
− Wenn nun die Attraktivität des (weiblichen) Körpers also zumindest
teilweise auf das Wirken von Hormonen zurückzuführen ist, und die
Schönheit des Gesichtes – wenn die Ergebnisse von Law Smith et al. einer
kritischen Prüfung standhalten − möglicherweise ebenfalls (wenn auch
wahrscheinlich zu einem viel kleineren Teil), stellt sich die Frage, ob
es vielleicht einen Zusammenhang zwischen einem schönen Gesicht und
einem schönen Körper gibt?
Die Frage ist auch aus
evolutionstheoretischer Sicht interessant. Wenn Schönheit nämlich „gute
Gene“ signalisiert, lassen sich daraus zwei Schlüsse ziehen: Entweder
die verschiedenen Komponenten der Schönheit (Figur, Haut, Symmetrie,
Gesichtsform etc.) sind allesamt Marker für diese zugrundeliegende
Gesamtqualität – sogenannte single ornament Hypothese – oder jede
Komponente steht für eine andere genetische Qualität: die Hautglattheit
z. B. für Parasitenfreiheit, die Symmetrie für „Entwicklungsstabilität“
etc. – multiple ornament Hypothese (siehe z. B. Møller et al.
1993).
Die einzige Untersuchung, die dieser Frage beim Menschen nachgeht,
stammt von Randy Thornhill und Karl Grammer (Thornhill
& Grammer 1999). Darin wurden Nacktaufnahmen von 92 Frauen europäischer
Abstammung im Alter von 18 bis 30 Jahren, die sich auf eine Anzeige in
der Los Angeles Times hin gemeldet hatten, von einer männlichen
Jury bewertet, die aus je 30 jungen Österreichern und Studenten der
University of New Mexico bestand. Die Männer bekamen dabei entweder nur
die Gesichter der Frauen zu sehen, oder aber nur ihre Vorder- bzw.
Hinteransichten. Thornhill und Grammer stellten nun fest, dass die
Bewertungen der drei verschiedenen Ansichten miteinander korrelierten,
und zwar Vorder- mit Hinteransicht recht stark (r = 0,6), und Gesicht
mit Vorder- bzw. Hinteransicht etwas weniger, aber immer noch deutlich
(r = 0,3). Wer ein schönes Gesicht hat, hat demnach mit einer gewissen
Wahrscheinlichkeit auch eine gute Figur, und umgekehrt. Die Autoren
schließen daraus, dass der Körper und das Gesicht der Frau zusammen ein
single ornament darstellen, das potentiellen Partnern „gute Gene“
anzeigt – und diese guten Gene sehen sie in einer opulenten, auf hohe
Fruchtbarkeit deutenden Ausstattung mit weiblichen Hormonen am Wirken.
Die Studie wird in der evolutionspsychologischen Literatur oft
als eine Art Kronzeugin für die Hormon-Hypothese gehandelt – eine
Tatsache, die jedoch ein paar kritische Anmerkungen verdient:
► Gerade
im Lichte der Ergebnisse von Law Smith et al., nach denen Schminken die
positive Korrelation zwischen Hormonstatus und Attraktivität zunichte
machte, nimmt es Wunder, dass Thornhill & Grammer diesen Faktor in ihrer
Studie nicht berücksichtigten. Sie schreiben zwar, „faces appear to have
little make-up on them“, aber wirklich überzeugen kann diese Aussage
nicht. Wer in Los Angeles in das Studio eines Starfotografen (wie es in
der vorliegenden Studie der Fall war) geht, ist bis zum Beweis des
Gegenteils perfekt geschminkt. Auch die Möglichkeit, dass nur ein Teil
der Kandidatinnen geschminkt war, ein anderer nicht, wirkt nicht gerade
beruhigend – nachdem Schminken schätzungsweise immerhin 20% der Varianz
beim Schönheitsurteil ausmacht (siehe Kap. 7).
► Selbst
wenn die gefundenen Korrelationen „echt“ sind − stützen die Ergebnisse
tatsächlich die Hormonhypothese? Zweifel sind nicht nur deshalb
angebracht, weil sich die Behauptung der Autoren, dass Östrogen den
Wachstumsprozess des Gesichtes (im Sinne attraktiver weiblicher
Gesichtsproportionen) auf keine validen Daten stützen kann. Mindestens
drei Erklärungsmöglichkeiten bieten sich als Alternative zur
„Hormonhypothese“ an:
►
Erstens:
Die Haut. Haut ist, wie Sie aus Kapitel 2 wissen, beim Gesicht der
hauptsächliche attraktivitätsbestimmende Einzelfaktor – und
möglicherweise beeinflusst die Zartheit der Haut auch unser
Schönheitsurteil beim Körper. Wer nun aber eine schön glatte Haut im
Gesicht hat, dürfte eine solche möglicherweise auch am Körper sein Eigen
nennen – womit sich zumindest ein Teil der Korrelationen zwischen den
einzelnen Ansichten erklären lassen könnten. Natürlich kann die Qualität
der Haut wiederum von Hormonen beeinflusst sein – aber eben genausogut
durch viele andere Faktoren, wie z.B. MHC-Heterozygozität, wenn man der
Spekulation von Roberts et al. 2005a folgen will. Oder einfach „guten
Hautgenen“ ohne jede sonstige Bedeutung? Oder oder ...
► Eine
zweite,
von Doug Jones stammende, Erklärungsmöglichkeit wird in der Studie zwar
zitiert, aber nicht wirklich diskutiert: dass nämlich eine Korrelation
der drei Ansichten möglicherweise auch über den Faktor „assortative
mating“ erklärt werden könnte (der besagt, dass ein Mann, der auf
schöne Gesichter steht, in der Regel auch eine Vorliebe für schöne
Vorder- und Hinteransichten hat, und dass dieser in dieselbe Richtung
weisende Selektionsdruck auch die verschiedenen „Ornamente“ in dieselbe
Richtung drängt).
► Eine
dritte
mögliche Erklärung wird von den Autoren zwar diskutiert, aber nicht
stichhaltig entkräftet: dass nämlich Frauen mit einem besonders schönen
Gesicht auch eher dazu neigen dürften, ihren Körper durch Diät und
Training in Form zu halten.
► Obwohl
es auf den ersten Blick so aussieht, als ob sich die beiden Studien von
Law Smith et al. (2006) und Thornhill & Grammer bestens ergänzten, ist
dies bei genauerem Hinsehen nicht unbedingt der Fall (auch dann nicht,
wenn man von den gegenläufigen Ergebnissen beim Faktor „Schminken“
absieht): Wenn wirklich der Östrogenspiegel der Schlüssel zur Erklärung
der gefundenen Korrelationen wäre, müssten gerade die Merkmale des
Körpers, die von einem hohen Östrogenspiegel abhängen, ganz besonders
mit der Gesichtsattraktivität korrelieren. Beim Körper schlagen sich
höhere Ö-Spiegel nach der von Law Smith zitierten Studie von Jasienska
et al. (2004) durch a) größere Brüste und b) eine geringere
Waist-to-hip ratio nieder. In der Thornhill-Studie waren es aber
gerade diese beiden Faktoren, die nicht mit der Gesichtsattraktivität
korreliert waren. Man kann sich dem Fazit der Autoren, „More research is
needed“ also nur anschließen.
Woran aber hätten die
schönen Homo-sapiens-Mitglieder schwerer zu tragen als die weniger
schönen? −
Zur Frage der
Anwendbarkeit der Handicap-Theorie auf Homo sapiens siehe Skamel 2003.
173
... „durch größeren Wärmeverlust verschwendeten Energie“. −
Zahavi & Zahavi
1998, S. 360
... gute
Ernährungsmöglichkeiten für den Nachwuchs vorgaukeln. − Aber auch
bei dieser Erklärung bleibt die Frage offen, warum nicht alle Männer auf
die Maxi-Ausstattung stehen, sondern im Gegenteil die Geschmäcker sehr
verschieden sind.
174
–
womit der Grundstein zur langfristigen Paarbindung gelegt worden wäre. −
Diese
und andere Spekulationen sowie die enstsprechende Literatur findet sich
in Menninghaus 2003, S. 181
... mussten die
erotisierenden Pobacken an die Vorderfront wandern. −
Morris 1968
... aber die
Hässlichen waren tatsächlich auch weniger schlau. −
Zebrowitz &
Rhodes 2004. Die Studie verwendet dieselbe Stichprobe wie die
Längsschnittstudie von Zebrowitz et al. 2002. Im Prinzip handelt es sich
um eine Nachuntersuchung, wobei diesmal das „Untersuchungsgut“ in zwei
Gruppen eingeteilt wurde: eine schönere und eine weniger schöne Hälfte.
Wenn Probanden anhand von Fotos die Intelligenz und die Gesundheit der
Abgebildeten einschätzen sollten, so gelang ihnen das bei der
unattraktiven Stichprobe – zumindest bei dreien der vier untersuchten
Altersstufen − recht gut; bei der attraktiveren Stichprobe jedoch zeigte
sich keinerlei Zusammenhang zwischen dem Urteil der Bewerter und den
tatsächlichen Verhältnissen.
Leider gilt auch für die Hypothese der schlechten Gene, dass die
Befunde, auf die sie sich stützt, genauso gut durch die „soziale
Passung“ erklärt werden können, also durch die Tatsache, dass aufgrund
der Stratifizierung der Gesellschaft (weibliche) Schönheit und
(männliche) „Qualität“ unweigerlich zusammenfinden (s.o.).
Als Unterstützung für die „bad genes“ Hypothese von Leslie Zebrowitz
lässt sich möglicherweise auch ein Befund aus der hirnphysiologischen
Attraktivitätsforschung verbuchen: In der in Kapitel 7 erwähnten Studie
von Kawabata & Zeki (2004), in der Probanden in der Magnetresonanz-Röhre
mit den verschiedensten Kunstwerken konfrontiert wurden, stellten die
Autoren zu ihrer eigenen Verblüffung („we are puzzled“) fest: Wenn die
Probanden „schöne“ bzw. „hässliche“ Bilder (d.h. Bilder, die sie in
einem Vorversuch selber als „schön“ bzw. „hässlich“ klassifiziert
hatten) betrachteten, wurde neben ihrem Belohnungszentrum (das
allerdings nur auf die „schönen“ Bilder reagierte) in beiden Fällen auch
der Motorkortex aktiv, dessen Aufgabe es ist, Muskelbewegungen
vorzubereiten und zu koordinieren. Dabei wurde der Motorkortex besonders
dann hellwach, wenn die Versuchsperson hässlichen Bildern ausgesetzt
war.
Dass das Bewegungssystem bei der ästhetischen Bewertung mit einbezogen
war, erklären sich die Autoren damit, dass der Organismus auf diese
Weise vorbereitet wird, auf die jeweiligen Reize adäquat zu reagieren –
sich beispielsweise zu nähern oder aber auch zu fliehen. Diese
Reaktionsbereitschaft war nun aber deutlich größer, wenn die Probanden
hässlichen Reizen ausgesetzt waren – ganz wie es die Zebrowitzsche
„Übergeneralisation“ voraussagt.
Dass Hässlichkeit offenbar stärker abstoßend wirkt als Schönheit
anziehend, wurde auch in einem einfachen Zuordnungsexperiment im Jahr
1968 demonstriert (Lampel & Anderson 1968). Versuchspersonen bekamen
drei Bilder unterschiedlich attraktiver Gesichter sowie vier
unterschiedlich schmeichelhafte Charakterbeschreibungen in allen 12
möglichen Kombinationen vorgelegt, und wurden nach ihren Eindruck von
der jeweiligen Person befragt. Es überrascht nicht, dass das attraktive
Bild einen positiven Einfluss auf die Persönlichkeitsbewertung hatte,
genauso wie das unattraktivste Bild sie negativ beeinflusste. Dabei war
aber der positive Effekt des schönen Gesichtes deutlich geringer als der
negative Einfluss des hässlichen! Alle vier Kombinationen mit dem
hässlichen Bild wurden ziemlich einheitlich negativ bewertet, d.h.
selbst die extrem positive Charakterbeschreibung konnte gegenüber dem
Eindruck des hässlichen Bildes in der Gesamtbewertung der Person wenig
ausrichten.
... von
neutralen, weil ahnungslosen Testpersonen überproportional häufig als
unattraktiv bewertet wurden. −
In einer Studie
von Farina et al. 1977 etwa wurden Fotos von chronischen
Psychiatriepatienten (durchschnittliche Hospitalisationsdauer 6 Jahre)
im Vergleich zu nicht hospitalisierten Gleichaltrigen als deutlich
weniger attraktiv bewertet. Eine andere Studie der selben Forscher an
weiblichen Patientinnen einer psychiatrischen Einrichtung ergab, dass
die Erkrankung der Patientinnen umso schwerer war, je weniger attraktiv
sie von den Bewertern eingeschätzt wurden. (Allerdings könnte in diesem
Fall die Kausalität auch umgekehrt sein: wer schwerer erkrankt ist,
kümmert sich auch weniger um sein Aussehen).
Napoleon et al. (1980) nahmen sich die High school-Jahrbücher von
Patienten einer psychiatrischen Abteilung vor. Bei der Bewertung der
Fotos zeigte sich, dass die späteren Patienten auffallend weniger
attraktiv waren als ihre gleichaltrigen Mitschüler.
Ein ähnlicher Zusammenhang zeigte sich an Gefängnisinsassen: Die
Psychologen Norman Cavior und Ramona Howard ließen 159 Fotos von
Insassen eines amerikanischen Jugendgefängnisses mit Fotos von 134
Highschool-Schülern vergleichen. Die straffällig gewordenen Jugendlichen
wurden als weniger attraktiv bewertet als ihre unauffälligen
Altersgenossen (Cavior & Howard 1973).
176
... und in ganz derselben Weise, wenn ein Hässlicher seinen Blick
abwendete. −
Kampe et al.
2001
... der
nur innerhalb einer genetisch programmierten so genannten sensiblen
Phase ablaufen kann und unwiderruflich ist. − Grundlegendes zur
Rolle von Prägung in der sexuellen Selektion und weitere Literatur
siehe: Owens et al. 1999; Penton-Voak & Perrett 2000.
177
... an dem sie dann den Geruch anderer Männer zeitlebens abgleichen. −
Jacob
et al. 2002
Genauso
entscheiden sich adoptierte Schafe und Ziegen bei der späteren
Partnerwahl für die Spezies ihrer Adoptivmutter. − Kendrick et al.
1998
...
befriedigte sich mit Hilfe der nackten Jünglinge einer Ausgabe der
Zeitschrift „Playgirl“ selber. − „Das Fest der Triebe“, SPIEGEL
41/2005, S. 203
Die
sensible Prägungsphase für Fetische scheint demnach zwischen dem ersten
und vierten Lebensjahr zu liegen. − Für Informationen und anregende
Diskussionen über die Irrungen und Wirrungen des menschlichen
Sexuallebens danke ich Magnus Enquist von der Universität Stockholm.
... die
Jungs dagegen wandeln eher auf den Spuren der Mutter. − Jedlicka
1980
178
Bei Männern geht offenbar die Haarfarbe der Mutter in die
Schönheitsgleichung ein, bei Frauen dagegen die beider Eltern. −
Little & Perrett 2002; Little et al. 2003
... tippen sie
überzufällig häufig auf den richtigen. −
Das war v.a.
dann der Fall, wenn das Verhältnis zum Adoptivvater in der Kindheit gut
gewesen war (Bereczkei et al. 2004). Dass es sich auch bei den Vorlieben
für bestimmte MHC-Konstellationen im Tierreich um erlernte
(Präge-)Prozesse handelt, konnten Penn & Potts 1998 durch Studien an
Tieren zeigen, die von Müttern einer anderen Art adoptiert worden waren.
179
„Evolution nach der Mode“ −
Der Begriff
stammt m. W. von Winfried Menninghaus (Menninghaus 2003).
180
... sind sie
sich doch von ihrer genetischen Substanz her äußerst ähnlich. −
Für Biologen
zählen wir zu den „kleinen Arten“ – obwohl von der Verbreitung und
Bevölkerungsgröße her keine größere Art als unsere vorstellbar ist. Das
„klein“ bezieht sich auf die genetische Vielfalt, die in unserem Fall
deshalb so klein ist, weil die Homo sapiens-Bevölkerung vor weniger als
100 000 Jahren, kurz vor ihrer Auswanderung aus Afrika, zu einer kleinen
Horde zusammengeschmolzen war, von der alle heute lebenden Menschen
abstammen.
... dass die
Sonneneinstrahlung allein als Erklärung für die helle Haut der Europäer
nicht ausreicht. −
Aoki 2002; Frost (im Druck)
181
... die Menschen anderer Rassen würden ihr jeweiliges Aussehen dem der
Europäer vorziehen. −
Nach Etcoff
2001, S. 154
Dabei
ergab sich kein Hinweis auf eine Bevorzugung der eigenen Population. −
Burke et al. 2005. Eine minimale Bevorzugung der eigenen Population
fand sich bei Männern als Bewertern von „echten“ (also nicht gemorphten)
Frauengesichtern. Rhodes et al. 2005b (s.u.) konnten eine Bevorzugung
der eigenen Population nur bei Weißen feststellen, wenn männliche
Gesichter zur Bewertung standen. Hönekopp et al. (im Druck) fanden
dagegen generell eine Bevorzugung der eigenen Population.
182
... schreibt etwa der Historiker Arthur Marwick in seinem Standardwerk
Beauty in History. −
Marwick 1988, S.
33
Dasselbe
galt auch für „echte“ Mischlingsgesichter. − Rhodes et al. 2005b.
Die Bevorzugung von Mischlingen widerspricht eigentlich der
Prototyp-Theorie (nach der wir immer diejenige Ethnie bevorzugen
müssten, von der wir die meisten Gesichter um uns haben – in der Regel
also die eigene. Rhodes erklärt sich die höhere Attraktivität von
Mischlingsgesichter damit, dass sie gesünder wirken – was sie wiederum
attraktiver mache. Eine befriedigende Erklärung ist das jedoch nicht, da
die Verbindung von Schönheit und (zugeschriebener) Gesundheit auch in
umgekehrter Richtung gilt: schöne Gesichter werden auch als gesünder
wahrgenommen (mehr dazu in Kap. 9).
183
... ihre Überlebenschancen sind dabei oft an die Zahl und den Status
dieser Reservepapas gebunden. −
Sarah Blaffer
Hrdy fasst die entsprechende Literatur in dem Artikel „Comes the Child
before Man“ zusammen (Hrdy 2005).
184
Wir weichen buchstäblich vor den Schönen
zurück. −
Dabbs & Stokes 1975. Die Frage, wie sich Fußgänger verhalten, ist
offenbar Gegenstand reichhaltiger Forschungsbemühungen. Den State of
the Art dieser Disziplin gibt ein netter Übersichtsartikel von
Daamen & Hoogendoorn (2003).
185
Die Schönen (ebenso wie die Großen) haben ein größeres “Territorium” um
sich. −
Hartnett et al.
1974
...
messen wir den
Schönen
automatisch einen höheren Status zu. −
Kalick 1988
Offenbar verführen wir mit Schönheit nicht nur das andere Geschlecht,
sondern auch das eigene, und das vielleicht sogar noch mehr. −
Siehe z.B.
Hamermesh & Parker 2003. Die Bewertung männlicher Dozenten durch ihre
Studenten hing demnach dreimal so stark vom Aussehen ab als die ihrer
weiblichen Kolleginnen. Genauso waren es offenbar die männlichen
Studenten, die stärker von der Schönheit ihrer Dozenten beeindruckbar
waren.
186
... ist der Anführer oft der am besten aussehende und athletischste
Junge. −
(aber nicht
unbedingt der größte) ***Evidence?***
... auch
Attraktivität über die Eignung zum Alphatier entscheidet – aber nur bei
Männern. −
Anderson et al.
2001
...
sollten in der Renaissance lieber „nicht sehr lang“ sein. −
Firenzuola 1992, S. 53
187
Der heute gewünschte große Mund mit den vollen Lippen stellt eine
historische Kuriosität dar. −
So dokumentiert
der Meister der Gesichtsvermessung, Leslie Farkas, etwa die vollere,
gegenüber der Unterlippe etwas vorstehende Oberlippe als einen der
eindeutigen Unterschiede zwischen seinen Stichproben von schönen und
weniger schönen Frauen (Farkas 1994).
... die
Vorliebe für Figuren in Gewichtsklassen, bei denen die Fruchtbarkeit
deutlich eingeschränkt ist. − Die Grundannahme der klassischen
Evolutionstheorie, dass sich die Subjekte der Evolution „rational“
verhalten – dass also ein bestimmter Selektionsdruck irgendwann zu einem
„angepassten“ Verhalten bzw. Merkmal führen müsste, wird zunehmend
hinterfragt. Denn Evolution spielt sich nicht in einer starren „Umwelt“
ab, sondern zu einem großen Teil in einem komplizierten
Beziehungsverhältnis zwischen Akteuren, deren Interessen sich
gegenseitig widersprechen, wie etwa zwischen Jäger und Beute, Männchen
und Weibchen, Eltern und Kind (so genannte „antagonistsiche
Coevolution“). In solchen antagonistischen Verhältnissen ist ein
Gleichgewicht der jeweiligen evolutionären Strategien (durch welches
sich nach der evolutionären Spieltheorie ein Zustand der „Anpassung“
definiert) nicht zu erwarten. Siehe hierzu Enquist et al. 2002.
Kapitel 9: Den Schönen gibt’s der
Herr im Schlaf
191
„Wie kann eine so schöne Frau so grausam sein?“ − BILD,
7.1.2002
“Wer
schön ist, ist auch gut“ − Sappho, Fragment Nr. 101
... „werden
sozial erwünschte Eigenschaften in höherem Maß zugeschrieben als
unattraktiven Personen“ −
Dion et al. 1972
Karen Dion und
ihre Kolleginnen gaben dem Phänomen den schönen Namen Halo-Effekt −
Der Halo-Effekt bezeichnet generell das
„Überstrahlen“ von positiven (oder auch negativen)
Persönlichkeitseigenschaften von einem Persönlichkeitsbereich auf einen
anderen – mit dem Ergebnis, dass uns Menschen entweder ziemlich
durchgängig als „gut“ oder ziemlich durchgängig als „schlecht“
erscheinen. Der Begriff wurde schon 1920 von dem Psychologen Edward
Thorndike geprägt und von Dion et al. wieder aufgenommen.
Die Publikation
trat eine wahre Lawine an ähnlichen Untersuchungen los ... −
Eine
Zusammenfassung der Studien findet sich z.B. in Henss 1922, S. 58ff
sowie in Langlois et al. 2000.
... für
glücklicher, selbstsicherer, liebenswürdiger, durchsetzungsfähiger und
in jeder Hinsicht kompetenter. − Die amerikanischen Soziologen
Murray Webster und James Driskell wollten es noch genauer wissen. Lässt
sich der Schönheitsbonus in Zahlen fassen? Sie legten ihren
Versuchspersonen Fotos vor, die je zur Hälfte wunderhübsche und weniger
anziehende Zeitgenossen darstellten. Jedem Bild war eine Liste mit
Fragen zur Persönlichkeit des Abgebildeten beigefügt (Beispiel: „Wie
schätzen Sie das Abstraktionsvermögen dieser Person ein?“) – dabei
durften für jede der abgefragten Eigenschaften oder Fähigkeiten zwischen
5 und 25 Punkte vergeben werden. Das Ergebnis: die Schönen erreichten
durchschnittlich 17,3 Punkte, die weniger Schönen dagegen nur 12,8. So
weit, so bekannt. Der Clou der Untersuchung besteht in den darauf
folgenden Durchläufen: Diesmal wurden den Probanden je zwei fingierte
Lebensläufe (ohne Foto!) vorgelegt, die mit demselben Fragebogen
bewertet werden mussten. Dabei wurden für die Menschen mit brillantem
Lebenslauf (super Ausbildung, super Karriere) durchschnittlich 19,2
Punkte, für die wenig brillanten 10,6 vergeben. − Was passiert nun aber,
wenn man die beiden Lebensläufe je zur Hälfte mit einem hübschen bzw.
hässlichen Bildchen versieht? Die Unattraktiven, deren bloßes Bild im
ersten Durchlauf ja nur 12,8 Punkte einsammeln konnte, verbessern sich
durch den untergeschobenen brillanten Lebenslauf deutlich, und zwar auf
16,5 Punkte. Umgekehrt leidet das Image der Schönen unter einem
glanzlosen Lebenslauf, sie gehen von 17,3 auf 14,3 runter. Damit
schneiden sie in der Bewertung ihrer „Leistung“ aber immer noch 4 Punkte
besser ab als die Loser ohne Bild! Und: die Hässlichen bleiben fast 3
Punkte hinter der „objektiven“ Beurteilung zurück, auch wenn sie
untadelige Leistungen erbracht haben (Webster & Driskell 1983).
Auch in
puncto Intelligenz sind sie ihren weniger bezaubernden Mitmenschen
voraus − und zwar um Längen! − Zebrowitz et al. 2002. Die Autoren
geben beim Zusammenhang zwischen Attraktivität und vermuteter
Intelligenz eine Effektstärke von r = 0,6 an.
Erstaunlicherweise galten die attraktivsten Musiker auch als die besten.
− North & Hargreaves 1997.
Gute
Menschen empfinden wir automatisch als schöner. − Z. B. Gross &
Crofton 1977; Owens & Ford 1978; Graziano et al. 1993; Hassin & Trope
2000. In diesen Studien bekommen Versuchspersonen Fotos unterschiedlich
attraktiver Menschen vorgelegt, die jeweils mit unterschiedlich
positiven Charaktereigenschaften „unterlegt“ wurden. Je positiver diese
Eigenschaften waren, desto attraktiver wurde das Aussehen der Person
bewertet.
Das
Schönheitsurteil von Männern dagegen ist von charakterlichen Qualitäten
weniger zu beeindrucken. −
Kniffin & Wilson
2004. Eigentlich besteht die Publikation aus drei Studien:
Studie 1: Die Versuchspersonen bewerteten 27 ehemalige
Klassenkameraden anhand des Jahrbuchs der Schule nach „Vertrautheit“,
„Sympathie“, „Respekt“ und „Aussehen“. Dabei zeigte sich, dass die
Attraktivität mindestens genau so stark von den anderen Variablen (am
stärksten: „Sympathie“) beeinflusst wurde wie durch die objektive (durch
eine aus Fremden bestehende Jury bewertete) Attraktivität. Dass „innere
Werte“ in das Schönheitsurteil einfließen, galt allerdings in deutlich
geringerem Maß für Männer als für Frauen – Männer gingen offenbar viel
stärker nach dem Äußeren (Wenn Männer Frauen bewerteten, ließen sich 60%
der Varianz des Schönheitsurteils durch deren „objektive Attraktivität“
erklären, im umgekehrten Fall, also wenn Frauen Männer bewerten, waren
es nur 37,5%).
Studie 2. Hier bewerteten sich die Mitglieder einer
gemischtgeschlechtlichen studentischen Rudermannschaft gegenseitig nach
den selben Kriterien wie in Studie 1, nachdem sie 18 Monate lang
zusammen trainiert hatten. Die Bewertung der Attraktivität hing dabei
stark vom Engagement und Teamgeist des jeweiligen Kandidaten ab.
Studie 3: siehe Text. Auch hier fand sich wieder ein deutlicher
Geschlechtsunterschied: Bei der Bewertung von Frauen durch Männer waren
immerhin 62% der Varianz im Schönheitsurteil durch die „objektive
Attraktivität“ der Kandidatin zu erklären, bei der Bewertung von Männern
durch Frauen 19,2%, und bei der Bewertung von Frauen durch Frauen gerade
mal 9,3%.
Die Folgerung der Autoren: „If you want to enhance your
physical attractiveness, become a valuable social partner“
Während Frauen also für das „umgekehrte Stereotyp“ anfälliger zu sein
scheinen als Männer (d.h. sie neigen eher dazu, das Äußere nach dem
Inneren zu bewerten), ist der Fall beim „normalen“ Stereotyp offenbar
entgegengesetzt: hier sind es die Männer, die anfälliger dafür sind, das
Äußeren als Maßstab für das Innere zu nehmen. In einem Experiment
sollten Männer und Frauen einen Aufsatz über Patriotismus bewerten
(Kaplan 1978). Die von ihnen vergebene Note hing wie erwartet von dem
Bildchen der angeblichen Verfasserin ab – allerdings nur, wenn der
Bewerter ein Mann war! Das Urteil der Frauen war deutlich freier vom
Schönheitsvorurteil. (Bei der Bewertung von männlichen „Autoren“ spielte
die Attraktivität weder für Frauen noch für Männer eine große Rolle).
Siehe auch: Downs et al. 1982: Männer sind demnach generell anfälliger
für stereotypes Denken als Frauen, Jugendliche mehr als Erwachsene, und
Weiße mehr als Hispanics und schwarze Amerikaner.
In einer so genannten
Metaanalyse wertete sie alle bis dato erschienenen Studien zum
Schönheitsstereotyp aus ... −
Langlois et al.
2000. Eine ausführliche, annähernd fehlerfreie Zusammenfassung dieser
Metaanalyse findet sich in Hergovich 2001, S. 197ff.
...
bekamen die süßesten Kleinen mehr Küsse, wurden öfter geknuddelt und
angelacht. − Langlois et al. 1995
195
... dass sie schlauer und liebenswürdiger seien. −
Stephan &
Langlois 1984
...
während dem weniger ansehnlichen „Peter“ eine Karriere als Krimineller
vorhergesagt wurde. − Dion 1972
Schon im Kindergartenalter geht es
ums Aussehen, wie das Team von Judith Langlois feststellte. −
Vaughn & Langlois 1983
Die Kinder waren umso beliebter, je
hübscher sie waren. − In einer Studie von Detlef Rost an
deutschen Grundschulkindern kamen Korrelationen zwischen „hübsch“ und
„mögen“ von r = 0,92 heraus – eine für sozialwissenschaftliche
Vergleichsstudien gigantisch hohe Zahl (Rost 1993).
Vor
allem Mädchen scheinen dazu zu neigen, ihre Freundinnen nach dem Äußeren
auszusuchen. − Krantz 1987
... und
ihre weitere schulische Karriere als deutlich glorreicher
prognostiziert. − Clifford & Hatfield (Walster) 1973; siehe auch:
Ross & Salvia 1975.
196
Auch Schönheit gehört zum Talent. −
Landy & Sigall
1974
... hat sich in mehreren Studien als frommer Wunsch entpuppt. −
z. B.
Baugh & Parry 1991. Einen Überblick über die relevante
Literatur gibt
Rost 1993
...
ganz besonders
in “weichen” Fächern wie Sachkunde oder Musik ... −
Rost 1993: in
dieser Studie bekamen Grundschulkinder vor allem in den Fächern bessere
Noten, in denen es an harten Kriterien mangelt (musische Fächer und
Sachkunde).
... zu
20-40 Prozent durch das Äußere bedingt − Maisonneuve &
Bruchon-Schweitzer 1999, S. 52
...
andere Forscher fanden jedoch deutlich schwächere Zusammenhänge. −
Die Metaanalyse von Feingold 1992 etwa findet äußerst geringe
Korrellationen zwischen schulischer Leistung und Attraktivität (r = 0,02
für Jungs und 0,07 für Mädchen).
... dass
Schüler das Schönheitsstereotyp umgekehrt auch auf ihre Lehrer anwenden.
− z.B. Hamermesh & Parker 2003
197
... ihre Schönheit könne mit der von Aphrodite mithalten. −
Michel de
Montaigne, Essays, Frankfurt am Main 1998, S. 534
...
hängt es von seinem Äußeren ab, ob er verpfiffen wird. − Mace 1972,
Steffensmeier & Terry 1973, Deseran & Chung
1979
Für ein
und dieselbe Straftat schwankte die Buße attraktivitätsabhängig zwischen
1400 und 400 Dollar. − Downs & Lyons 1991
...
häufiger angeklagt, härter bestraft und als gefährlicher eingestuft. −
Esses & Webster 1988
Schönheit ist also eine Freundin bei Gericht. − - wie sich Elaine
Hatfield und Susan Sprecher in ihrem Buch „Mirror, Mirror: The
Importance of Looks in Everyday Life“ ausdrücken (Hatfield & Sprecher
1986).
198
Sie wird nun quasi als Komplizin mitbestraft. −
Sigall & Ostrove 1975
...
waren 40 Prozent von seiner Schuld überzeugt. Im anderen nur 29 Prozent.
− Kleine Zeitung vom 22.3.97, S. 72, nach Posch 1999, S. 182
...
denjenigen mit dem weniger angenehmen Äußeren zu verurteilen. − nach
Wright 2004
199
... verbesserte sich die Prognose der Operierten gegenüber der ihrer
unbehandelten Kollegen. −
Die Behandelten
wurden um 36% weniger ins Gefängnis eingeliefert. Bei Junkies jedoch
hatte die Operation keinerlei Einfluss auf die kriminelle Karriere
(Kurtzberg et al. 1978).
... oder
aber zumindest das Recht erhalten, einen Stellvertreter zu schicken. −
Wiley 1995
Die
Antwort wurde, wie sich herausstellte, stark von der Attraktivität der
Hilfsbedürftigen beeinflusst. − Einen Überblick über diese und viele
andere Studien zum menschlichen „helping behavior“ geben Hatfield &
Sprecher (1986)
Ein
alltägliches Problem mit einer einfachen Lösung: Man muss nur gut
aussehen. − Bian 1997
... ein
kleiner Umweg in Kauf genommen, allerdings nur, wenn sie auch schön ist.
− Wilson & Dovidio 1985
200
... um zu verhindern, dass sich übermotivierte Probanden Schaden
zufügten. −
„Was Männer für
eine hübsche Frau auf sich nehmen“, Spiegel online vom 17.2.2005
...
indem sie ihm ihr Hinterteil präsentieren. − Grinde 2002, S. 187
Und zwar
gilt das für Männer und Frauen gleichermaßen. − Zebrowitz 1997, S.
156
201
Am
wenigsten Hemmungen haben Frauen gutaussehenden Männern gegenüber. −
Nadler et al. 1982
...
Therapeuten
gehen bei den Schönen automatisch davon aus, dass sie weniger stark
gestört sind. −
Cash et al.
1977b
Frauen bekommen in psychiatrischen Kliniken zum Beispiel mehr
Einzeltherapie, wenn sie schön sind. −
Chesler, P.:
Women and Madness; Garden City N.Y. 1972
Je
attraktiver der „Verkäufer“, desto eher lassen sich die „Kunden“ etwas
verkaufen. − Reingen & Kernan 1993
Attraktive Vertreter machen mehr Umsatz als weniger attraktive. −
DeShields et al. 1996
...
genau doppelt so viel zusammenbekommen wie der Rest. − Reingen &
Kernan 1993
202
... das es in der Spieltheorie zu Berühmtheit gebracht hat. −
Mulford et
al. 1998
203
Schönen Menschen wird beispielsweise eher ein Geheimnis anvertraut. −
Brundage et al. 1977; Cash et al. 1975. Nach Young 1979 gilt dies auch
für die Arzt-Patient-Beziehung. Die Bereitschaft, sich einem Arzt bzw.
einer Ärztin anzuvertrauen, hängt demnach auch von deren Attraktivität
ab.
... dass
in Werbespots, Anzeigen und auf Plakaten ausschließlich schöne Menschen
auftauchen. − Benoy (1982)
Kapitel 10: Schönheitskapitalismus
204
... und auch später kommen sie
schneller auf der Karriereleiter voran. −
Einen Überblick
über die Literatur geben Solnick & Schweitzer 1999; eine Metaanalyse der
einschlägigen Studien haben Hosoda
et al. vorgenommen (Hosoda et al. 2003)
Ob alter Hase oder blutiger Anfänger, alle lassen sie sich von
Schönheit umgarnen. −
Marlowe et al.
1996
205
Das schönste Drittel verdient etwa 5 Prozent mehr als der Durchschnitt,
die Reizlosesten müssen einen Abschlag von 5-10 Prozent hinnehmen. −
Hamermesh & Biddle 1994
206
... dass Kunden lieber mit attraktiven Mitarbeitern zu tun haben wollen.
−
DeShields et al. 1996
... in
der Werbebranche auf den Grund gegangen. − Hamermesh et al. 1997;
Pfann et al. 2000
...
„nicht Passenden nach Abwägung zu kündigen“ − „Wer nicht hübsch
genug ist, fliegt“, Spiegel online, 21.1.04
... wo
das Wort „Kunde“ ein Fremdwort ist. − Der Einfluss des Aussehens auf
den Gehaltszettel ist überwiegend unabhängig von der Art der
Beschäftigung (Hamermesh und Biddle 1994)
207
... dessen Ergebnisse sie 2004 unter der Überschrift „Why Beauty Matters“
veröffentlichten. −
Möbius &
Rosenblat (im Druck)
Der
„Arbeitgeber“ gab dabei ... eine Gehaltsofferte ab. − Der
Spielerfolg des „Arbeitgebers“ wiederum hängt davon ab, wie akkurat er
die tatsächliche Leistung „seines“ Arbeiters eingeschätzt hat – wenn
dieser hinter den (in das Gehalt eingepreisten) Erwartungen
zurückbleibt, bekommt auch der Arbeitgeber Punkte abgezogen.
208
Hier haftet allzu viel Attraktivität und Modebewusstsein immer noch der
Ruch des Unseriösen an. −
z.B. Snyder et
al. 1988
... ein
Angestellter im privaten Sektor dagegen zehn. − Singly & Thélot 1988
Bei
Frauen macht Größe keinen Unterschied − In einigen wenigen Studien
wurde auch bei Frauen ein Einfluss der Körpergröße auf das Gehalt
gefunden. Der Effekt war allerdings durchgängig geringer als bei
Männern.
209
... der deutsche Durchschnittsmann ist 1,77 m groß −
Zahlen für die
USA: mehr als die Hälfte der Firmenchefs der 500 größten US-Firmen ist
größer als 1,83 m (Durchschnitt der US-Männer: 1,75. Nur eine
Mini-Minderheit von 3% ist kleiner als 1,70 (Etcoff 2001, S. 195)
Dabei
wurden dem „Professor“ fünf Zentimeter mehr zugemessen als dem
„Studenten“. − Das gleiche Phänomen: Die Größe der amerikanischen
Präsidenten wird von der Bevölkerung um 7,6 cm überschätzt (R. Keyes
1980, zitiert nach Amadieu 1988, S. 62)
... und
dieser Vorsprung bleibt auch im weiteren Leben bestehen. − Eine
Diskussion der entsprechenden Literatur findet sich in Harris 2002, S.
272.
Selbstvertrauen scheint zumindest einer der Schlüssel zur
Schönheitsprämie zu sein. − Persico et al. 2003
210
Ein neues Zeitalter hat begonnen: Schönheit kann Wahlen entscheiden. −
Einen
Überblick über die Literatur zum Thema „Schönheit & Politik“ findet sich
auf
http://www.schoenheitsformel.de/politik.htm.
...
(so wie auch
ihr Vorgänger Collin Powell ein attraktiver Mann war). −
In diesem
Zusammenhang sei auch an die bemerkenswerte „Merkel-Metamorphose“
erinnert: Der Wandel von der Oppositionsführerin über die Kandidatin bis
hin zur Regierungschefin war mit einem deutlichen, mit Hilfe
kosmetischer Künste bewerkstelligten Attraktivitätsgewinn verbunden.
Auch in
anderen Ländern werden die Eliten auf den Regierungsbänken immer schöner
(ein Beispiel aus unserem Nachbarland: Dominique de Villepin). Das heißt
nun allerdings beileibe nicht, dass wir es bei Politikern nur noch mit
Schönheitsikonen zu tun hätten. Trotzdem sind Phänomene wie die
ukrainische Ex-Regierungschefin Yulia Timotchenko, oder die lettische
Parlamentspräsidentin Ingrida Udre (die hierzulande durch ihre
umstrittenen Wechselpläne zur EU-Kommission Schlagzeilen machte),
Symbole einer neuen Zeit − von der Pornoqueen und italienischen
Parlamentsabgeordneten Ilona Staller alias Ciccciolina ganz zu schweigen.
211
... dass die Schönsten fast dreimal mehr Stimmen erhalten hatten als die
Unattraktivsten. −
Efran &
Patterson 1974: Die Forscher führten anlässlich von Parlamentswahlen ein
Experiment durch, bei dem Studenten die Attraktivität der Kandidaten in
drei Kategorien einteilten. Das tatsächliche Wahlergebnis zeigte, dass
die Schönsten 32% der Stimmen, die Unattraktivsten dagegen nur 11%
erhielten.
...
werden seltener unterbrochen und erfahren mehr Zustimmung. − Horai
et al 1974, Chaiken 1979
...
sondern schlicht von ihrem Aussehen. − Elder 1969. Der Effekt war
bei Frauen aus der Arbeiterklasse stärker ausgeprägt als bei Frauen aus
der Mittelschicht.
212
Je
attraktiver sie waren, desto ungebildeter war die Frau an ihrer Seite! −
Udry
& Eckland 1984
...
leben schwergewichtige Männer sogar eher überdurchschnittlich häufig in
einer festen Beziehung! − Viner et al. 2005. Die
Heiratswahrscheinlichkeit eines Mannes scheint dagegen mehr von der
Körpergröße abzuhängen (nach einer polnischen Studie von Pawlowski et
al. 2000 sind die Ledigen deutlich kleiner als die Verheirateten).
... wurden als attraktiver beurteilt als Kinder ärmerer Eltern. −
Vagt &
Majert 1979
213
... Dann werden Sie mich verstehen!“
− Sie
hat das Geld inzwischen zusammenbekommen und belohnt ihr Publikum jetzt
regelmäßig mit Bildchen und frivolen Berichten über ihre Erfolge mit der
neuen Ausstattung.
... so steht
ihnen auch die gleiche Verehrung zu.“ −
Zitiert nach
Michel de Montaigne, Essays, Frankfurt am Main 1998, S. 534
Wer mit
einem angenehmen Äußeren gesegnet ist, hat schlichtweg mehr Bonität −
Das Bild stammt von Bernd Guggenberger (Guggenberger 1997).
... wird weniger
gehänselt, gemobbt und verprügelt ... −
Lowenstein 1978
214
Zur Klärung
der Frage haben die Ökonomen wieder mal zum Spiel gebeten. −
Solnick &
Schweitzer 1999
215
Bei Bewerbungen für Top-Positionen werden deshalb eher die Reizloseren
bevorzugt. −
Heilman &
Saruwatari 1979, Heilman & Stopeck 1985
...
bekamen dagegen eher Raum, sich über ihre Erfolge zu verbreiten. −
“Die Gunst des kantigen Kinns“, Spiegel online, o.D.
216
... empfiehlt dementsprechend auch die Wirtschaftswoche ihren Leserinnen
beim Thema Businessmode. − Wirtschaftswoche
vom 7.8.2003, S. 77
... dass
im Beruf Kleidung vor allem für die Frau wichtig ist, irrt sich
gewaltig! − Scherbaum & Shepherd 1987
... verdiente 5 Prozent mehr als der Durchschnitt, bei den Frauen
waren es 4 Prozent. −
Andere Studien
finden eher geringere Schönheitsboni für Frauen als für Männer:
In ihrer Untersuchung der Gehälter
von 1062 kanadischen Vollzeit-Angestellten fanden Roszell et al. (1989)
zwar, dass Attraktivität das Einkommen positiv beeinflusste, dieser
Effekt war jedoch nur bei Männern und nicht bei Frauen signifikant.
In ihrer Studie an Betriebswirtschaftsabsolventen wiesen Frieze et al.
(1991) nach, dass Attraktivität, ganz im Gegensatz zu Männern, bei
Frauen keinen Einfluss auf ihre Einstiegsgehälter hatte; attraktive
Frauen verdienten jedoch später im Lauf ihrer Karriere mehr als weniger
attraktive. In ihrer Stichprobe verdienten
Männer für jede “Attraktivitätseinheit” (auf einer 5-stufigen Skala) im
Durchschnitt 2600 $ mehr, bei Frauen waren es 2150 $. Auch in der
bereits erwähnten Studie von Biddle & Hamermesh (1998) über die
Karriereaussichten von Rechtsanwälten zeigte sich, dass der Effekt von
Attraktivität auf das Einkommen bei Männer stärker war als für Frauen.
Das
Martyrium der Hässlichen − So lautet der Titel eines Buches
des französischen Historikers Jean Heritier (Heritier 1991)
...
schreibt im 13. Jahrhundert Wilhem von Auvergne in seinem „Traktat über
das Gute und das Böse“. − Wilhelm von Auvergne (1180 – 1249),
Tractatus de bono et malo, zitiert nach Eco 2004.
...
es reicht sie
vor den Blicken der anderen wegzuschließen.” −
Heritier 1991,
S. 79
217
... wie
es auf Französisch treffend heißt. −
défigurer, von
figure = Gesicht
218
...
heißt es in einem der am weitesten verbreiteten Schönheitsratgeber der
Renaissance. −
Agnolo
Firenzuola: On The Beauty of Women (Discorsi delle bellezze delle donne,
ca. 1538), University of Pennsylvania Press, 1992
...
Leute mit „unansehnlichem Äußeren“ von der Straße weg zu verhaften. −
Synnott 1990, S. 56
219
In der frühchristlichen Zeit ist Satan voller Grazie. −
Im
11ten und 12ten Jahrhundert kommt es dann zur “großen Explosion des
Teuflischen”, wie der Historiker Jacques le Goff das Phänomen bezeichnet.
Im 13. Jahrhundert kommt noch einmal das alte Bild vom niedlichen
Teufelchen zum Vorschein, dann aber wird Satan endgültig satanisch wie
wir ihn kennen.
Kapitel 11: Selbsttäuschung als
Programm?
221
... fällt es ihnen schwerer, die Handlung zu verstehen. −
Interessanterweise scheint das jedoch nur für weibliche Charaktere zu
gelten (Ramsey & Langlois 2002).
...
gleich zu Beginn des berühmten Streitgespräches Hippias major. −
Platon, Hippias major, hier frei zitiert nach Hauskeller 1994 S.
15ff.
222
... seine Stufenleiter des Schönen. −
siehe Hauskeller
1994 S. 42-54
223
„Sein Antlitz schien wie das eines Engels.“ −
Theklaakten, zitiert nach Stemmler 1988, S. 73.
Das Wort
„schön“ oder „Schönheit“ kommt im Neuen Testament nicht ein einziges Mal
vor. − Stemmler 1988, S. 57
...
fragt Paulus im Korintherbrief. − 1. Kor. 6,19
224
... da nicht nur die Guten, sondern auch die Bösen daran teilhaben. −
Stemmler 1988, S. 171
... denn
pflege man das eine, vernachlässige man das andere. − Stemmler 1988,
S. 57
...
„dass das Innere noch schöner war als das Äußere“ − Stemmler 1988,
S. 71
225
... dass sie Esau und nicht Jakob zur Frau gegeben werden soll. −
Stemmler
1988, S. 45
... der
“Schönste der Sterblichen” − Erratum: Das Zitat muss heißen “die
schönste Gestalt eines Menschen” (Dürer, nach Trapp 2003, S. 105.
...
zuweilen sogar mit einer (stoffverhüllten) Erektion. − Dabei wird
die im 16. Jahrhundert herrschende Mode der „Schamkapseln“
(Penisfutteral) aufgenommen.
226
... wird die Fahne des Schönheitsstereotyps erst recht hochgehalten. −
Aber
auch die Renaissance ist der körperlichen Schönheit gegenüber alles
andere als frei von Ambivalenz. “Die strahlende Schönheit des Körpers
wird nur durch das Auge erkannt. Das Gelüste des Tastsinnes hingegen ist
eine Art von Unkeuschheit und die Verirrung eines niedrigen Menschen.
... Die entartete Liebe ist ein Absturz vom Anschauen zum Berühren”,
schreibt Marsilio Ficino, der Begründer des Neoplatonismus (zitiert nach
Hauskeller 1994 S. 90ff, Auslassungen von mir, UR).
... dass
„irgendeine Entwicklung ... den normalen Gang unterbrochen hat“. −
Michel de Montaigne, Essays, Frankfurt am Main 1998, S. 534
227
... die „weder Mensch noch Dschinn entjungfert hat“ −
55. Sure. Die
Zahl von „72“ Jungfrauen stammt nicht aus dem Koran selber, sondern aus
den Hadithen.
228
In
den 90er Jahren untersuchte Karen Dion, die „Erfinderin“ des
Halo-Effekts, chinesische Studenten aus Torontos Chinatown. −
Dion et al.
1990
...
Sorge um andere und Rechtschaffenheit. − Dabei wurde „Sorge“ mehr
den (schönen) Frauen und „Rechtschaffenheit“ („integrity“) mehr den
(schönen) Männern zugeschrieben (Wheeler & Kim 1997).
... der
das Gute und das Schöne sprachlich nicht auseinanderhalten konnte. −
Das griechische „kalos“
heißt gut
und schön gleichzeitig.
Ein
einziger Begriff bedeutet „gut“ oder „schön“, je nach Kontext. − Zu
den afrikanischen Sprachen siehe Boesen 1999. Weitere Beispiele, v.a.
aus den indogermanischen Sprachen finden sich in Henss 1992 S. 86ff.
229
... rief der Maler David voll revolutionärer Inbrunst im Konvent aus. −
Friedell 1976, S. 857
Die
guten Geister sind auch die schönen – und umgekehrt. − Z. B. Henss
1992, S. 90
Die
alten Äypter kannten für Schönheit und Sonnenlicht nur ein einziges Wort
− „nfr“ ... − Der Stamm „nfr“ ist auch in „Nofretete“ (wörtlich
übersetzt: „Die Schöne ist gekommen“) enthalten (Stemmler 1988).
230
... bezeichnet gleichzeitig den rechtgläubigen Muslim (von daher „Pak-istan“,
das „Land der Sauberen“). −
Ein Beispiel aus
einer afrikanischen Sprache: Im Fulfulde, der Sprache der afrikanischen
Fulbe-Viehhirten heißt „laabi“: sauber, rein und hell, leuchtend,
strahlend (Boesen 1999, S. 200ff).
231
... geht auf das lateinische „villanus“ zurück, den ungebildeten
Hinterwäldler. −
Amadieu 2003, S.
49
...
waren ihr gegenüber offener und lächelten mehr. − Langlois et al.
1990
Das
Klischee muss also schon im Kopf sein, wenn die Kleinen anfangen, die
Welt auf zwei Beinen zu erkunden. − Ramsey et al. 2004, Ramsey &
Langlois 2002
Dieses
Reaktionsmuster bildet sich schon im Krabbelalter – ab dem 9. Monat –
heraus. − Rubenstein & Langlois 2000; Ramsey et al. 2004 – in dieser
Studie wird der Nachweis erbracht, dass Säuglinge spätestens mit 6
Monaten unterschiedlich attraktive Gesichter in zwei getrennte
Kategorien fassen. Allerdings: Kategoriebildung heißt noch lange nicht
Stereotypbildung. Die Autoren stellen hierzu eine kognitive Hypothese
zur Diskussion, die jedoch so spekulativ ist, dass hier nicht darauf
eingegangen werden soll.
232
Registrieren die Kleinen etwa schon im Säuglingsalter, dass die Schönen
bevorzugt werden? −
So eine der
Spekulationen von Ramsey et al. 2004.
233
Wenn „schön“ und „gut“ (genauso wie „sauber“ und „mächtig“) dabei in
einen Topf geraten, dann deshalb, weil es für „positive“ Bewertungen nun
einmal nur einen einzigen Topf gibt. −
Zwei neuere
Studien scheinen diesen Befund zu stützen: Das Team um Thomas Jacobsen
von der Universität Leipzig zeigte Versuchspersonen in der
Magnetresonanzröhre verschiedene Muster geometrischer Formen, die sich
in ihrer Komplexität und Symmetrie unterschieden. Das bei der
ästhetischen Bewertung der Reize aktivierte neuronale Netzwerk scheint
sich zumindest zum Teil mit dem Netzwerk zu überlappen, das immer dann
aktiv ist, wenn wir Menschen und Vorgänge moralisch bewerten (Jacobsen
et al. 2006).
Dass unser Wahrnehmungsapparat „schön“ und „gut“ von Anfang an in einen
Topf wirft, zeigt auch ein trickreiches Experiment von Ingrid Olson von
der University of Pennsylvania und ihrer Kollegin Christy Marshuetz von
der Yale University. Sie setzten ihren Versuchspersonen für einen
winzigen Bruchteil einer Sekunde (genau: 13 Millisekunden)
unterschiedlich schöne Gesichter vor. Obwohl es den Personen unmöglich
war, die Gesichter bewusst wahrzunehmen, konnten sie deren Attraktivität
doch ziemlich akkurat einschätzen (Sie kennen ein ähnliches Experiment
aus Kapitel 3). Der Clou des Ganzen besteht im zweiten Teil des
Experimentes: Die Forscherinnen blendeten nach jedem Bild einzelne
Wörter ein – und stellten fest, dass positiv besetzte Begriffe wie
„Glück“ oder „Lachen“ deutlich schneller erkannt wurden, wenn sie auf
ein attraktives Bild folgten. Schönheit, so die Forscherinnen, ist im
Hirn demnach mit anderen „positiven Konzepten“ verknüpft. Die Erregung
breitet sich offenbar von einem „positives Konzept“ (wie Schönheit)
automatisch auf alle anderen positiven Konzepte aus − und macht die dort
gespeichertemn Informationen damit leichter abrufbar (Olson & Marshuetz
2005).
234
... das Alter und die
sexuelle Ausrichtung“ umfasst)Entwurf zur Europäischen Verfassung
(Artikel II-81,
Nichtdiskriminierung) −
... und mit
diesem Wissen unsere Entscheidungen und Einschätzungen kritisch
überprüfen. −
Devine 1989
... dass
auch ihr Verhalten gegenüber Kindern möglicherweise vom
Schönheitsstereotyp beeinflusst ist. − Maisonneuve &
Bruchon-Schweitzer 1999, S. 52
Nach
einer französischen Strudie sind es eher die jungen Lehrer und
Lehrerinnen, die weniger vom Stereotyp beeinflusst werden. −
Bruchon-Schweitzer 1990
Kapitel 12: Schön, smart und
glücklich?
236
„Attraktive Kinder und Erwachsene“ ...„verhalten sich positiver als
unattraktive Kinder und Erwachsene.“ −
Langlois et al.
2000
...
kurz: sie sind selbstbewusster. − Die entsprechende Literatur wird
in Feingold 1992 diskutiert. Siehe auch Persico et al. 2003. In der
Langlois-Studie wird eine Effektstärke für „Selbstbewusstsein und
Selbstachtung“ von 56/44 angegeben. Eine französische Studie von Marilou
Bruchon-Schweitzer an 273 Studenten fand eine Korrelation zwischen
fremdeingschätzter Attraktivität und Selbstwert von r = 0,25 bei beiden
Geschlechtern (Bruchon-Schweitzer 1990). Der Zusammenhang dürfte
möglicherweise deshalb relativ deutlich ausgefallen sein, weil das
Attraktivitätsspektrum der Versuchspersonen recht breit war – sie waren
aktiv für die Kategorien „très beau, moyen, très laid“ ausgesucht
worden. Der Selbstwertunterschied zwischen der oberen und der unteren
Kategorie wird in einer anderen Publikation von Bruchon-Schweitzer auf
einer Skala von 0 bis 40 folgendermaßen angegeben: 20,29 versus 15,84
(Frauen), 20,18 versus 16,10 (Männer) (Bruchon-Schweitzer 1989).
... die
Unscheinbaren dagegen warteten geschlagene 9 Minuten. − Jackson &
Huston 1975
... dass
sie „empathischer“ und „sozial kompetenter“ sind – sich also auch mehr
um die anderen sorgen. − Langlois gibt als Effektstärke bei
„sozialer Kompetenz“ 55/45 an.
Die
Mehrheit der Studien sieht dagegen keinen Unterschied zwischen den
Geschlechtern. − Nach einigen Untersuchungen gilt das für Männer
mehr als für Frauen, z. B. Reis & Wheeler 1991: Die Studie ist Teil
einer als „Rochester Interaction Record“ bekanntgewordenen Untersuchung,
in der das tatsächliche Sozialverhalten von Menschen über Tage akribisch
protokolliert wurde. Attraktivität bei Männern (aber nicht bei Frauen)
zeigte sich darin als guter „Prädiktor“ für den offenen und angstfreien
Umgang mit anderen − je attraktiver, desto kontaktfreudiger (auch in
sexueller Hinsicht) und selbstsicherer waren die Männer. Langlois
(Langlois et al. 2000) konnte in ihrer Metaanalyse bei der
Sozialkompetenz allerdings keinen Unterschied zwischen den Geschlechtern
dingfest machen.
237
Die Gefängnisse scheinen tatsächlich von weniger attraktiven Menschen
bevölkert zu sein. −
Cavior & Howard
1973
Bei
Erwachsenen allerdings ergibt sich gerade mal ein Mini-Effekt von 52/48.
− Die bislang umfangreichste Metaanalyse zum Zusammenhang zwischen
Intelligenz und Attraktivität stammt von der Arbeitsgruppe um Linda
Jackson an der Michigan State University (Jackson et al. 1995).
Schönheit war demnach bei Kindern mit höherer intellektueller Kompetenz
verbunden, bei Erwachsenen war der Zusammenhang deutlich schwächer (Die
bei Kindern gefundene Korrelation war zwar statitisch eindeutig, die
Effektstärke mit r = 0,2 jedoch nur mäßig. Bei Erwachsenen betrug die
Korrelation r = 0,12). Wenn man aus dem Datenmaterial eine so genannte
„outlier-Studie“ (deren Ergebnisse völlig aus dem Rahmen fallen) und die
weiter unten beschriebene Studie von Umberson & Hughes (1987), die wegen
der Tatsache, dass sowohl die Attraktivität als auch die Kompetenz der
Kandidaten von derselben Person eingeschätzt wurden, in die Kritik
geraten war, ausschließt, ergibt sich fast eine Nullkorrelation. Das
Ergebnis steht im Einklang mit der Metaanalyse von Alan Feingold (1992),
in der sich zwischen der Testintelligenz und der Attraktivität von
Erwachsenen so gut wie kein Zusammenhang finden ließ.
Dieses Bild wird auch in einer Studie von Leslie Zebrowitz bestätigt,
die sich auf drei große Längsschnittstudien stützt, die auf seit 1928
gewonnene Daten zurückgreift: Am deutlichsten ist auch hier der
Zusammenhang zwischen Schönheit und Intelligenz bei Kindern. − Bei
Jugendlichen und im mittleren Erwachsenenalter scheint er dagegen
weniger ausgeprägt zu sein. Und bei älteren Erwachsenen ergibt sich
wiederum eine „Nullkorellation“ – also kein aussagekräftiger
Zusammenhang (Zebrowitz et al. 2002). Auf die Daten dieser Studie greift
eine Nachuntersuchung aus dem Jahr 2004 zurück (Zebrowitz & Rhodes
2004): Dabei zeigte sich, dass zwar in der oberen Hälfte der
Attraktivitätsverteilung kein Zusammenhang zwischen Attraktivität und
Intelligenz feststellbar war, wohl aber in der unteren (auf die von
diesem Befund gestütze so genannte „bag genes“ Hypothese geht Kapitel 7
ein).
Von den vielen sonstigen Einzeluntersuchungen zum Zusammenhang von
Intelligenz und Attraktivität sei hier nur noch eine erwähnt, und zwar
die des Marburger Entwicklungspsychologen Detlef Rost. Er untersuchte
224 Grundschulkinder, von denen ca. die Hälfte hochbegabt waren, und
fand dabei keinen Unterschied in der Attraktivitätsbewertung von Hoch-
und Normalbegabten (Rost 1993).
In den wenigsten Studien wurde allerdings die Körpergröße – eminenter
Attraktivitätsfaktor bei Männern – berücksichtigt. Aus mehreren
Untersuchungen weiß man, dass die Körpergröße bei Männern mit der
Intelligenz zusammenhängt – nicht dramatisch, aber doch verlässlich. In
einer schwedischen Untersuchung an 32887 Rekruten beispielsweise
steigerte sich die durchschnittliche intellektuelle Leistung
kontinuierlich mit der Körpergröße (Tuvemo et al. 1999). Siehe auch:
Teasdale et al. 1991: Größe und Intelligenz korrelierten in dieser
Studie mit r = 0,2. Der Zusammenhang scheint auch bei Kindern zu gelten,
und zwar v.a. im unteren Bereich der Wachstumskurve (eine Review gibt
Wheeler et al. 2004).
239
... sind sie sogar eine echte Enttäuschung. −
Die in der Langlois’schen Metaanalyse für den
Zusammenhang zwischen Attraktivität und Persönlichkeitseigenschaften
angegebenen Zahlen müssen mit Vorsicht interpretiert werden. Denn die
Studie weist einen schwer wiegenden methodischen Mangel auf: die
untersuchten Parameter werden nicht sauber in die Bereiche
„tatsächliches Verhalten/Eigenschaften“ und „von anderen zugeschriebenes
Verhalten/Eigenschaften“ getrennt. So wird z.B. „beruflicher Erfolg“
unter der Kategorie „tatsächliches Verhalten/Eigenschaften“ geführt (in
die – richtigerweise – auch die „gemessene Intelligenz“ einsortiert
ist). Nun wissen wir jedoch (aus Kapitel 9 und 10), dass der größere
berufliche Erfolg der Schönen mehr mit den Erwartungen der
anderen zu tun hat als mit ihren tatsächlichen Fähigkeiten.
Dasselbe Problem bei den Parametern „Beliebtheit, Sozialkontakte“ (bei
denen immerhin eine Effektstärke von 65/35 angegeben wird): Auch hier
hat der gemessene Wert nicht unbedingt etwas mit den tatsächlichen
Persönlichkeitseigenschaften zu tun – attraktive Menschen sind nunmal
schon aufgrund des Attraktivitätsstereotyps überdurchschnittlich
beliebt.
Die unsaubere Trennung zwischen tatsächlichen und zugeschriebenen
Eigenschaften dürfte dazu führen, dass die Effektstärken beim
tatsächlichen Verhalten eher übertrieben dargestellt werden – womit sich
vielleicht auch der teilweise Widerspruch der Langlois’schen Zahlen zu
denen einer älteren Metaanalyse von 93 Studien aus dem Jahr 1992
erklären könnte, in der deutlich geringere Korrelationen zwischen
Persönlichkeitseigenschaften und Attraktivität festgestellt worden waren
(Feingold 1992).
Der größte Teil der in beiden Metaanalysen erfassten Studien ist darüber
hinaus mit einem anderen, prinzipiellen methodischen Problem behaftet:
da das „Untersuchungsgut“ fast nur Studenten, mithin Angehörige der
bürgerlichen Mittelschicht umfasst, ist die Varianz in den untersuchten
Eigenschaften im Vergleich zur Gesamtbevölkerung deutlich eingeschränkt.
Insbesondere der durch die „bad genes Hypothese“ (Kapitel 7) ins
Blickfeld geratene untere Bereich des Spektrums ist in den
Untersuchungen fast vollständig ausgeblendet. − Dieser Umstand dürfte
nun allerdings den gegenteiligen Effekt wie die Vermischung von
tatsächlichen und zugeschriebenen Eigenschaften haben – nämlich den,
dass die Effektstärken systematisch unterschätzt werden (siehe
dazu auch weiter unten in diesem Kapitel).
240
... ist von der „Umwelt“ viel weniger beeinflussbar, als dies
klassischerweise angenommen wurde.-
Das soll nun
nicht heißen, dass der Rosenthal-Effekt nur Schall und Rauch wäre. Seine
Wirkung wurde mittlerweile in hunderten von Studien eindrucksvoll
bestätigt. Es scheint jedoch so, als ob seine – unstrittige − Wirkung
auf das menschliche Verhalten allzu leichtfertig auf die
menschliche Persönlichkeit übertragen worden wäre – vielleicht
aus dem überbordenden Optimismus der sozialwissenschaftlichen Sturm- und
Drangzeit heraus, die den Menschen als unbegrenzt formbares Produkt
seiner Umwelt sah.
„abgebunden wie Gips“ − James 1980. Siehe auch Harris 2002, z.B. S.
425ff.
242
... als in der Welt der smarten 20-Jährigen aus den amerikanischen
Vorstädten. −
Möglicherweise
ist dies mit ein Grund, warum eine der wenigen Studien, die einen
wirklich repräsentativen Querschnitt der Bevölkerung berücksichtigt,
deutlich höhere Korrelationen zwischen Attraktivität und
Persönlichkeitsmerkmalen gefunden hat (Umberson & Hughes 1987, s.u.).
Das Gesagte soll aber nicht die Kritik entkräften, die Ed Diener und
andere an der in der Studie verwendeten Methode der Schönheitsmessung
vorgetragen haben: Die Fragebögen wurden nicht von den Befragten selber,
sondern von den Interviewern ausgefüllt – welche wiederum auch
diejenigen waren, die die Attraktivität der Befragten beurteilten. Damit
könnte dem Wirken des Attraktivitätsstereotyps Tür und Tor geöffnet
gewesen sein.
Erste Ergebnisse unterstützen die „Bad-genes“-Hypothese. −
Zebrowitz & Rhodes 2004
244
... sondern auch glücklicher, zufriedener und weniger gestresst. −
wobei
der Zusammenhang zwischen Glück und Attraktivität deutlich stärker war
als der zwischen Glück und beruflichem Erfolg (Umberson & Hughes 1987).
... erst
dann, wenn man ihn in einem Experiment überprüft hat. − Neben der
Tatsache, dass die Untersuchten den Untersuchern bekannt waren, bezog
sich die Kritik auch auf die Frage: Möglicherweise lässt sich der
Zusammenhang zwischen Glück und Attraktivität ja schlicht darauf
zurückführen, dass die Glücklicheren mehr lächeln? Oder einfach mehr für
ihre Schönheit tun, z.B. mehr Wert auf Make-up, Frisur und tolle
Kleidung legen? (Diener et al. 1995)
... auf
jeden Fall deutlich geringer als in der Studie von Umberson. − Die
Korrelation zwischen „physical attractiveness und „social well-beeing“
betrug je nach Medium (Foto, Video, Life-Situation) r = 0,17-0,24.
... ein
eindeutiger Zusammenhang zwischen Glück und Schönheit ist nur bei
Männern zu finden. − Die Korrelation lag für Männer bei r =
0,23-0,33, für Frauen bei r = 0,1–0,18.
„Manche
Frauen macht Schönheit glücklich, andere unglücklich“ − Kiyotaka
Watanabe in Taschen 2005, S. 275
245
„Die Schönen“, so Ed Dieners Antwort, „sind mit der affektiven Seite
ihres Lebens zufriedener.“ −
Der ensprechende
Korrelationskoeffizient betrug 0,18-0,23. Auch Campbell et al. 1976 kommen zu diesem Ergebnis: „In the
affective side of their lives, attractive people are clearly more
positive.“ Auch nach Blumstein & Schwarz 1983 berichten attraktivere
Frauen über ein zufriedeneres Sexleben und von treueren Partnern als
weniger attraktive. Nach Murstein & Christy 1976 und Murstein 1972 gilt
dieser Zusammenhang (dass die Zufriedenheit mit der Ehe von der
Attraktivität des Partners abhängt ) nur für Männer.
Auch die Untersuchung von Judith Langlois (Langlois et al. 2000) kommt
zu einem ähnlichen Ergebnis: die sexuellen Erfahrungen der Schönen –
Männer wie Frauen gleichermaßen − scheinen tatsächlich reichhaltiger zu
sein, sowohl in qualitativer – sie sind zufriedener mit dem, was sich
unter der Bettdecke abspielt – als auch quantitativer Hinsicht. Langlois
teilt das, was Mann und Frau miteinander machen, in zwei Bereiche ein:
Unter der Überschrift „Erfahrungen mit dem anderen Geschlecht“ fasst sie
Häufigkeit von Verabredungen, Mangel an Angst vor Verabredungen,
Selbstbehauptung bei Verabredungen; unter „sexuelle Erfahrung“ dann das,
was sich unter der Bettdecke abspielt: Häufigkeit von Sex, Anzahl der
Partner. Das Ergebnis: klarer Vorteil für die Attraktiven, sowohl beim
Ausgehen (Effektstärke 63/37) als auch nach dem Heimkommen (58/42).
Die
eigene Beziehung wurde darin als umso befriedigender eingestuft, je
attraktiver der jeweilige Partner ist ... − Sangrador & Yela 2000
...
denen der Schwung abhandengekommen ist. − Rowe & Penton-Voack 2005
246
... rappeln sich die guten Gefühle langsam wieder auf und erreichen im
Lauf der Zeit wieder ihr Ausgangsniveau.) −
sog.
„Abnutzungs-Theorie“ (Adaptation theory, siehe Brickman et al. 1978.
Danach ist fürs Glücklichsein „temperament“ (also Persönlichkeit)
wichtiger als „ressources“ (Geld und Schönheit). Siehe auch Myers 2004.
... dass sie es
an „Mitgefühl mit den Unterdrückten der Welt“ mangeln ließen. −
Dermer & Thiel 1975
248
... ist dann enttäuscht, dass sie sich doch so verhalten wie ganz
normale Menschen. −
Andreoni &
Petrie 2005. Dieselbe Erklärung taucht auch bei Eckel & Wilson 2004 und
Eckel & Wilson (im Druck) auf, die ebenfalls die Wirkung von
Attraktivität in wirtschaftlichen Austauschbeziehungen mit Hilfe der
Spieltheorie untersucht haben: „Subjects
expect attractive first movers to be more generous than others. Since
attractive persons are not more generous, this leads to disappointment,
which is then punished in the second stage of the game. Dasselbe Muster
zeigte sich ja auch in dem Ultimatum-Spiel von Solnick und
Schweitzer (1999), das Sie in Kapitel 10 kennengelernt haben: „The
relationship between attractiveness and bargaining decisions is
complicated by the finding that subjects also demanded more from
attractive people. This result suggests that the benefits of physical
attractiveness may be context dependent. People may be both more
generous to and more demanding of attractive people“.
Am Ende waren es
gerade die Superattraktiven, die leer ausgingen. −
Krebs & Adinolfi 1975.
249
Am
besten scheint frau also zu fahren, wenn sie zwar schön ist, aber nicht
zu schön. −
Gallucci & Meyer
1984. Die Abwertung der Superschönen war allerding in der bereits
erwähnten Studie von Dermer & Thiel (1975) nicht nachgewisen worden. In
beiden Studien waren jedoch, entgegen aller Erwartung, die negativen
Zuschreibungen im Wesentlichen unabhängig von der Attraktivität der
Bewertenden. Nur „elterliche Fähigkeiten“ wurden den Attraktiven in der
Dermer & Thiel Studie ganz besonders von den unattraktiven Bewertern
abgesprochen. Eine gute Diskussion der Studien zum negativen Stereotyp
findet sich bei Henns 1992 S. 64ff.
... so fühle ich
das Verlangen der Männer, die mir begegnen.“ −
Sandor Marai:
Die Gräfin von Parma, München 2003
250
Die Testosteronausschüttung der Probanden war durch den Kontakt mit der
Schönen um glatte 30 Prozent angestiegen. −
Roney et al.
2003
251
Diejenigen jedoch, die ihrer Schönheit auch selbst gute Noten gegeben
hatten, wiesen auch deutlich höhere Zufriedenheitswerte auf. −
Die Korrelation betrug r = 0,39, die Autoren
nennen dies einen „moderaten Effekt“ (Greitemeyer & Brodbeck 2000).
252
... allerdings nur, wenn man sich selbst auch schön fühlt. −
Auch hier kann
sich Ed Diener bestätigt fühlen, dessen Studie (Diener et al. 1995)
einen deutlichen Zusammenhang zwischen gefühlter Schönheit und
Wohlbefinden zutage gefördert hatte. Siehe auch Lerner et al. 1973:
Selbstwertgefühl und Zufriedenheit mit dem eigenen Körper korrelierten
hier deutlich, und zwar bei Frauen (mit r = 0,43) noch etwas mehr als
bei Männern (r = 0,33). Der Befund wurde von Stokes et al. 2003
repliziert: (subjektives) Körperbild und allgemeine Lebenszufriedenheit
waren auch in dieser Studie voneinander abhängig.
Erstaunlicherweise hat aber die gefühlte Schönheit offenbar ziemlich
wenig mit der tatsächlichen Schönheit zu tun. −
Nach Feingold
1992 korrelieren beide Attraktivitätsskalen im Mittel nur mit r = 0,24.
Die Größenordnung wird auch von Greitemeyer & Brodbeck (2000)
repliziert, hier betrug die Korrelation bei Live-Situationen 0,33. Bei
Diener 1995 finden sich Korrelationen zwischen objektiver und
subjektiver Attraktivität von 0,21 (Fotos) und 0,34 (Video).
Dass Zufriedenheit mehr mit der „gefühlten Schönheit“ als mit der
„objektiven Schönheit“ zusammenhängt, geht auch aus der Metaanalyse von
Alan Feingold (Feingold 1992) hervor: die Korrelation von Wohlbefinden
zu fremdeingeschätzter Attraktivität war hier durchgängig geringer als
die zur selbsteingschätzen Attraktivität. In dieselbe Richtung weisen
auch die Ergebnisse der Langlois’schen Metaanalyse (Langlois 2000): die
Kategorie „Geistige Gesundheit, Wohlbefinden, Emotionale Stabilität“
hing deutlich stärker von der selbsteingeschätzten als von der
fremdeingeschätzten Attraktivität ab (Effektstärken 54 / 46 versus 58 /
42). Auch in der Längsschnittstudie von Rosenblum et al. 1999, in der
115 Jugendliche im Alter von 13, 15 und 18 Jahren untersucht wurden,
zeigte sich, dass Körperbild und Zufriedenheit mit dem eigenen Aussehen
nur wenig mit der fremdbestimmten Attraktivität (und auch wenig mit dem
BMI) zu tun hatten. Eine Diskussion der relevanten Literatur findet sich
in Niketta 2000. Zur Frage, ob die geringe Korrelation zwischen selbst-
und fremdeingeschätzter Attraktivität möglicherweise (auch) auf einem
statistischen Artefakt beruht, siehe: Henss 1992, S. 104f.
Nur
wenige Menschen etwa schätzen sich als unterdurchschnittlich schön ein
... − Henss 1992, S. 104f
Männer neigen
eher als Frauen dazu, ihr Äußeres zu überschätzen ... −
Gurman & Balban
1990. Bei niedrigem Selbstwert ist die Einschätzung eher akkurat.
... ganz so, wie
das von ihrem höheren Selbstwertpegel her auch zu erwarten wäre. −
Marsh 1989
dass
sich ihr Aussehen im Lauf des Lebens stark geändert habe − und zwar eher
zum Positiven. − Berscheid et al. 1972
Kapitel 13: Schönheit, Liebe und
Prostitution
254
... das man
mit Fug und Recht als die Geburtsstunde der modernen
Attraktivitätsforschung bezeichnen kann.
−
Walster et al. 1966
255
... zählte demnach nur ein einziger Faktor: dessen Schönheit. −
Die
Korrelationen betrugen r = 0,78 für Männer und r = 0,69 für Frauen und
sind damit sehr hoch. Der Nebenbefund, dass Frauen sich offenbar weniger
vom Aussehen beeindrucken lassen, wurde bis auf die heutigen Tage immer
wieder zuverlässig reproduziert (siehe Kap. 6).
Schönheit ist für Platon das „Liebreizendste“ − Platon, Phaidros,
zitiert nach Grassi 1980, S. 112.
...
sondern trägt mit Beschwerde seine Bürde weiter“ − Platon,
Symposion, zitiert nach Hauskeller 1994, S. 50.
256
Danach paaren sich bei auf Dauer angelegten Beziehungen Partner mit
ähnlichem Kontostand auf der Schönheitsbank. −
In einer
Metaanalyse von Alan Feingold betrug die Interpartnerkorrelation der
Attraktivitätswerte r = 0,39, und ist damit substanziell (Feingold
1988). Siehe auch Murstein 1972.
Dabei
ist es in aller Regel der besser aussehende Partner, der in einem
fremden Bett auftaucht. − Hatfield et al. 1979
Wenn ein
Schöner einen weniger schönen Partner hat, verfügt er oft über ein
geringeres Selbstwertgefühl. − Murstein et al. 2002
257
... das Ergebnis des Computer-Dance (und vieler anderer psychologischer
Experimente) −
Einen Überblick
gibt Henss 1992 S. 34ff.
... Sie
wären zusammen mit 199 anderen auf eine Party eingeladen. − Die Idee
stammt aus Hassebrauck & Küpper 2002, S. 119.
258
... wählte er durchweg die Schönste. −
Huston 1973
259
... wählen sie sich schon im Kindergartenalter die Schönsten aus. −
Langlois & Stephan 1977, Langlois & Styczynski 1979
...
spielen mehr und besser miteinander als Kinder aus unterschiedlichen
Schönheitsklassen. − Langlois & Downs 1979
260
Erst mit 21 Jahren verringert er sich etwas, verschwindet jedoch nie
ganz. −
Die
Arbeitsgruppe um Marsh (1989) befragte 12000 Kinder und Jugendliche. In
der 2. Klasse waren noch die Mädchen mit ihrem Aussehen zufriedener als
die Jungs, in der 3. und 4. Klasse lagen beide Geschlechter ungefähr
gleichauf, ab der 5. Klasse hielten sich die Mädchen für weniger
attraktiv, und dieser Unterschied im Körperkonzept wurde bis zur 9.
Klasse immer größer. Erst im Alter von 21 Jahren verringerte er sich
wieder, verschwand jedoch nie ganz. Siehe auch: Vagt et al. 1985: darin
zeigten sich 15jährige Frauen deutlich weniger zufrieden mit ihrem
Aussehen als gleichaltrige Männer, und ihr Wohlbefinden war eher als bei
den Männer mit ihrem Aussehen assoziiert.
In einer Untersuchung von Davies & Furnham (1986) nahm die
Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper bei Frauen vom 12. bis zum 18.
Lebensjahr beständig zu. Die am häufigsten genannte „Problemzone“ waren
die Hüften − nur jedes dritte Mädchen war mit diesem Körperteil
zufrieden.
Wer weniger zu
bieten hat, muss seine Ansprüche senken. −
Siehe z.B.
Kurzban & Weeden 2005.
... wie
eine polnische Studie nachgewiesen hat. − Pawlowski et al. 2000
261
... eine „sehr vernünftige Verrücktheit“. −
Illouz 2003, S. 192
...
schreibt der englische Dichter John Keats im Jahr 1819 an seine Verlobte
Fanny Brawne. − Marwick 1988, S. 207
...
schreibt hundert Jahre später Keats Dichterkollege William Butler Yeats
in dem Gedicht „Für Anne Gregory“. − William Butler Yeats: „For Anne
Gregory“, in: The Winding Stair and Other Poems, 1933.
262
... bei ihrer Wahl nach dem Äußeren gegangen zu sein. −
Hadjistavropoulos & Genest 1994
263
In
Liebesdingen sind Frauen rationaler als Männer. −
Illouz 2003, S.
203
Männer
können ihren sozialen Erfolg in sexuellen Marktwert umrubeln, Frauen
werfen ihre Schönheit in die Waagschale. − Eine faktenreiche
historische Analyse zum Thema „Schönheit als Vehikel des sozialen
Aufstiegs“ liefert der Historiker Arthur Marwick in seinem Werk „Beauty
in History“ (Marwick 1988, insbesondere S. 89ff und 144ff).
264
... als wenn man die Frau für eine Fremde ausgibt. −
Sigall & Landy
1973, Berscheid & Walster 1974
265
... zwischen 1800 und 2000 Modelagenturen, die etwa 70 000 haupt- und
nebenberufliche Models vertreten ... −
Hochrechnung aufgrund von Zahlen des Verbandes
lizensierter Modellagenturen (VELMA).
Der geschätzte Jahresumsatz der Branche liegt bei 14,5 Milliarden
Euro. − nach einer Schätzung der Gewerkschaft Verdi (http://www.arbeitsplatz-prostitution.de)
...
Pamela Anderson, nach dem Geheimnis ihres Erfolgs befragt − SPIEGEL
27/2003
266
... erkannte schon die Feministin Rita Freedman. −
Freedman 1989,
S. 63
268
Aristoteles: „Arbeit und Tugend schließen einander aus.“ −
Braig & Renz
2001, S. 96
„Müßiggang ist wider Gottes Gebot, der hier Arbeit befohlen hat.“ −
Luther, zitiert nach Braig & Renz 2001, S. 105. Zur Geschichte
unserer Einstellung zur Arbeit siehe: Axel Braig und Ulrich Renz: „Die
Kunst, weniger zu arbeiten“, S. 93 – 125. Mehr zu dem Buch unter
www.arbeitswahn.de.
269
... mit den heutigen „Society-Damen“ nicht zu vergleichen ... −
Marwick 1988
... ihre „corporate identity“ übernehmen soll, sich als ganzer Mensch
„einbringen“ und „Leistung aus Leidenschaft“ erbringen soll ... −
Der Kampf um die Herzen der Angestellten greift zunehmend auf eine
quasi-religiöse Symbolik zurück − siehe hierzu den Spiegel online-Essay
des Autors: „Enron oder die Macht der Visionen“,
http://arbeitswahn.de/visionen.html.
Kapitel 14: Ausweitung der
Problemzone(n)
278
...
Das Modediktat betrifft den Körper“ − Ebba Drolshagen, in Posch 1999, S.
34
... ist längst
keine Frage der Scham mehr, sondern eine Frage der richtigen Figur. −
Die
neue Moral wird in einer, „Soziologie des nackten Busens“ genannten
Studie des französischen Soziologen Jean-Claude Kaufmann auf den Punkt
gebracht. Über mehrere Wochen beobachtete und interviewte er mit seinem
Team die „Bewohnerinnen“ eines Nacktbadestrandes, zeichnete das kleinste
Detail auf. Auf den ersten Blick scheint „alles zu gehen“. Was geht, ist
bei näherem Hinsehen jedoch strengstens reglementiert: jede Frau muss
sich nach genauen Regeln richten, die von ihrer Figur, ihrem Alter und
ihrer sozialen Herkunft abhängen. Sie muss die Blicke, die auf ihrem
Körper liegen richtig interpretieren und durch die richtigen Posen und
Gesten adäquat auf sie reagieren (Kaufmann 2002).
279
... schätzungsweise 180 Milliarden Dollar Jahresumsatz. −
„Pots of
promise“, The Economist, 22.5.2003
L'Oréal
machte im Jahr 2004 bei 14,5 Milliarden Euro Umsatz einen Gewinn von 2,1
Milliarden. − SPIEGEL 10/2005, S. 88
280
Zunächst kamen die Achselhaare ins Visier ... −
Bei ihrem ersten Auftauchen waren Achselhaare
noch höchst sexualisiert − einen Blick in die Achselhöhle einer
Bühnenschönheit zu erhaschen galt geradezu als erotische Offenbarung.
92
Prozent der amerikanischen Schülerinnen und Studentinnen entfernen sich
regelmäßig Bein- und Achselhaare ... − Tiggemann & Kenyon 1998
281
... ein Unternehmen entwickelt Strumpfhosen mit „haarwuchshemmenden
Aktivkörpern“. −
Es handelt sich
um das Unternehmen Cognis Textile Technology („Geheimwaffe gegen den
Mief“, SPIEGEL 9/2004).
282
Ein „Sozialexperiment gigantischen Ausmaßes“ −
Guggenberger 1997
283
... für deutlich weniger attraktiv hielten als die zweite Gruppe. −
Crouch & Degelman 1998. Siehe auch Cattarin et al. 2000, Turner et al.
1997
...
durch den Vergleich mit anderen gleichermaßen „runterziehen“. −
Henderson-King & Henderson-King
1997, Monro & Huon 2005
...
suggerierte, dass es sich um Models handelte. − Cash et al. 1983.
Cash, T.F., Cash, D.W., & Butters, J. (1983).
284
... als mit Michael Ballack. −
Dagegen
demonstrierte der Sozialpsychologe Thomas Mussweiler, dass wir bei
unserer Selbsteinschätzung durchaus unrealistische Vergleiche
heranziehen. In einem seiner Experimente sollten zwei Gruppen von
Versuchspersonen ihre eigene Sportlichkeit einschätzen. Der einen Gruppe
wurde dabei der Name des Papstes „subliminal“ präsentiert, d.h. für den
Bruchteil einer Sekunde – unterhalb der bewussten Wahrnehmungsschwelle −
in das Gesichtsfeld eingeblendet, der anderen der Name „Michael Jordan“.
Die Jordan-Gruppe hielt sich für deutlich unsportlicher (Mussweiler et
al. 2004).
... von
23 auf 56 Prozent bei den Frauen und von 15 auf 43 Prozent bei den
Männern. − Umfragen für Psychology Today, nach Posch 1999.
Eine ähnliche Entwicklung lässt sich auch in Deutschland nachweisen.
Dabei scheinen, was die Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper angeht,
Männer und Frauen immer enger zusammenzurücken (Kluge et al. 1999).
Die
kosmetische Industrie verfügt über ein jährliches Werbebudget von 40
Milliarden Dollar − Die Firmen der Schönheitsindustrie geben nur
2-3% ihres Umsatzes für Forschung & Entwicklung aus – verglichen mit 15%
in der pharmazeutischen Industrie. Auf der anderen Seite stecken sie
20-25% in Werbung und Promotion („Pots of promise“,
The Economist, 22.5.2003).
... für
ihr Idealgewicht würden sie fünf Jahre ihres Lebens opfern. − Posch
1999, S. 150
... wenn
es die genetische Veranlagung zur Fettleibigkeit hätte. −
Spiegelreporter 01/2001, S. 34
286
... ist unser heutiger Weg zum jeweiligen Schönheitsideal ein
Spaziergang. −
„Kaum ein
Körperteil, das man in unnatürlicher Weise irgendwie verändern kann, ist
verschont geblieben“, schreibt Darwin über seine Erlebnisse auf seiner
5-jährigen Reise um die Welt. „Das Maß an so verursachtem Leiden muss
extrem gewesen sein, denn viele der Eingriffe nehmen Jahre in Anspruch;
in der Vorstellung der Menschen müssen sie demnach als zwingend
notwendig erachtet worden sein.“ (Darwin 1871, nach Cunningham &
Shamblen 2003 S. 209f; Übersetzung von mir, UR)
... um
den Körper zum Glänzen zu bringen ... − Etcoff 2001, S. 12
287
Erst danach fragt er noch: „Fehlt es dir etwa an Brot oder Nahrung?“ −
Gilgamesch-Epos, sechste Tafel,
http://www.pinselpark.org...
Kapitel 15: Schönheit in Zeiten
ihrer Machbarkeit
288
... zum Vorzugspreis von 149 Euro an. −
„Wer schön sein
will, muss laufen“, Spiegel online vom 8.12.2004
... heißt es etwa auf der Internetseite der Berliner Charité. −
http://www.aesthetik-forum.de...
... lautet etwa die „Philosophie“ einer großen Klinik-Kette. −
www.moser-kliniken...
...
haben 70 Prozent der Deutschen mittlerweile keine Einwände gegen
Schönheitschirurgie mehr. − Anika Geisler: „Schönheitsoperationen“,
Stern 46/2004
...
würden einen Eingriff machen lassen, wenn er nicht so teuer wäre. −
Emnid für Brigitte, Dossier zu Schönheits-OP, Brigitte
8/2004
In
Amerika haben sich 5 Prozent der College-Studenten bereits unters Messer
begeben. − Sarwer et al. 2005. Siehe auch: Pearl & Weston 2003
289
... verdienen weniger als 50 000 Dollar im Jahr, 30 Prozent sogar
weniger als 25 000. −
Etcoff 2001, S.
126
„smart
operations for smart people“-
www.beauty-pro.de
... werden auf Ratingseiten im Internet stolz der Öffentlichkeit zur
Bewertung vorgelegt. − z. B.
www.ratemyimplants.com.
... und Augenlidkorrekturen (334 052). − Weitere Zahlen der
American Society for Aesthetic Plastic Surgery finden sich auf
www.cosmetic...
... innerhalb von vier Jahren alle anderen Verfahren überholt hat. −
Zahlen nach American Society of Plastic Surgeons,
www.plastic...
... der
Umsatz der Branche beträgt hierzulande rund 1,6 Milliarden Euro. −
Nach Schätzungen der Deutschen Gesellschaft für Ästhetische und
Plastische Chirurgie, DGÄPC, Welt am Sonntag, 18.9.05.
290
... mit dem Ergebnis zufrieden. −
Es handelt sich
dabei allerdings eher um eine Trendaussage, da die meisten Studien zu
dem Thema erhebliche qualitative Mängel aufweisen. Siehe dazu den
Reviewartikel von Castle et al. 2002.
Männer,
jüngere Patienten, Depressive oder Angstgestörte scheinen dagegen
weniger zu profitieren ... − Davis et al. 2002
... die
sich den Busen durch Silikonimplantate hatten vergrößern lassen. −
Koot et al. 2003
... und
auch die Anzahl der Einweisungen in psychiatrische Kliniken lag deutlich
höher. − Einen Überblick über die Literatur geben McLaughlin et al.
2004. Siehe auch: Sarwer et al. 2003, Jacobsen et al. 2004.
291
... beschäftigte in der Nachkriegszeit 22 Vollzeit-Retoucheure. −
Nach Peter
W. Engelmeier: Beauties. Augsburg, 1999 (Augustus Verlag)
...
setzt sich Dove an die Spitze der
Bewegung. −
www.initiativefuer...;
www.campaign...
297
...
anlässlich des ersten öffentlichen Auftritts der jungen Mutter Pooth
nach der Entbindung. − Bild.T-online vom 4.5.2004
„Sie
fasteten, turnten und kotzten“ − Die Formulierung stammt von
Waltraud Posch (Posch 1999).
298
... scheinen die festgefügten Dogmen von früher allmählich ins Wanken zu
geraten. −
Z. B. Flegal et
al. 2005. Das letzte Wort in der derzeitigen „Idealgewichtsdebatte“ ist
allerdings mit Sicherheit noch nicht gesprochen. Der Trend geht aber weg
von dem einfachen Paradigma „Je schlanker desto besser − je dicker,
desto schlechter“ hin zu einer differenzierteren Betrachtung.
... und
in Brasilien gibt es mehr “Avon Ladies” (900 000) als Männer und Frauen
in der Armee. − „Pots of promise“, Economist vom 22. Mai 2003
299
... Federn und Perlen tragen und sich schminken.“ −
zitiert nach
Dorothy Schefer: What is beauty? Paris
1997 (Ed.
Assouliné), S. 72
Kapitel 16: Jenseits des
Schönheitswahns
301
... „übernahm der Schönheitsmythos dessen Funktion als
gesellschaftliches Herrschaftsinstrument.“ −
Wolf 1991, S. 13
...
vom
Lippenstift bis zum High-Tech-Epiliergerät -, sind es fast zwei Drittel.
−
Riordan 1997, S. XVff
302
...
Ich habe es nicht über mich gebracht, die Pressekonferenz aufzusuchen.“
− DIE ZEIT 50/2004, S. 44 ff,
www.zeit.de...
...
falschen Wimpern und Büstenhaltern gefüllt wurde. − Freedman 1989,
S. 7
...
trotzdem hatte die Bewegung ihren Namen weg: „Bra-Burners“. − Die
frühe Frauenrechtlerin Mary Wollstonecraft beklagte schon 1792, dass die
Frauen „eifrig ihren Körper schmücken und putzen, damit er bei den
Männern Beachtung findet“ (zitiert nach Posch 1999, S. 21, Umstellungen
von mir). In der modernen Frauenbewegung wurde die Tradition, Schminke
und Mode abzulehnen, bereits von Simone de Beauvoir begründet (Marwick
1988, S. 29).
303
... bekam eine modebewusste Aktivistin von einer Mitstreiterin zu hören.
−
Friday 1997, S. 312
„Ein
voller Busen ist in Wirklichkeit ein Mühlstein am Hals einer Frau.“ −
Greer 2000, S. 34
304
...
während die Ärzte ihre Kunst auf das „rein medizinisch“ Indizierte
beschränken wollten. −
Haiken 1997
309
Yuppies, die hinter dem großen Geld her sind, sind im Durchschnitt
unglücklicher als solche, denen Geld egal ist.
−
Myers 2000
Je mehr sich eine Frau mit ihrem
Körper beschäftigt, desto unzufriedener ist sie mit ihm. − Z.
B. Ackard et al. 2000.
Siehe auch Kasser & Ryan 1993 und 1996): Danach sind “innere Lebensziele”
(wie “sich selbst annehmen”, “der Gemeinschaft helfen”, “Mitgliedschaft
in Vereinen etc.”, “Gesundheit”) für die Lebenszufriedenheit
entscheidender als “äußere Ziele”, insbesondere das Streben nach
materiellen Werten, Attraktivität und Ansehen.
311
Dasselbe scheint nach einigen Studien aber auch für sehr attraktive
Menschen zu gelten. −
In der Frage der
„distinctiveness“, also der Unterscheidbarkeit attraktiver Gesichter
herrscht alles andere als Einigkeit in der Forschergemeinde. David
Perrett etwa spricht von „low distinctiveness of attractive faces“ und
macht dafür den hohen Gehalt an Durchschnittlichkeit verantwortlich (Perrett
et al. 1994, er bezieht sich dabei auf Light et al. 1981). Andreas
Müller (Müller 1998 in Hassebrauck & Niketta 1998, S. 150) dagegen
schreibt „Die Mehrheit der Studien zeigt, dass attraktive Gesichter eher
besser erinnert werden, da sie atypischer sind, d.h. eben nicht ein
Normalgesicht“ und bezieht sich dabei u.a. auf eigene Studien. Nach
Rhodes & Tremewan 1996 werden attraktive Gesichter aus einer Menge
weniger leicht herausgepickt, der Zusammenhang ist jedoch nur mäßig.
Mallet & Lallemand (2003)
zeigen, dass 10-Jährige attraktive fremde Gleichaltrige besser erkennen,
aber nur, wenn diese männlich sind; bei weiblichen Gesichtern wurden
eher die unattraktiveren besser erkannt. Für die
Versuchspersonen von Maner et al.
(2003) dagegen traf das genaue Gegenteil zu: Sie konnten attraktive
Frauen besser wiedererkennen als unattraktive, und unattraktive Männer
eher als attraktive. In der Studie von Deblieck & Zaidel (2003) hatten
weibliche Versuchspersonen ein besseres Gedächtnis für attraktive
Gesichter (egal, ob diese männlich oder weiblich waren), männliche
Versuchspersonen erkannten jedoch unattraktivere Gesichter leichter
wieder. Wickham & Morris (2003) kommen zu dem Schluss, dass die
Wiedererkennbarkeit von Gesichtern nicht von ihrer Attraktivität
abhängt. Attraktive Gesichter streuen demnach über alle Bereiche von
Unterscheidbarkeit. Siehe auch: Becker et al. 2005.
...
nicht in der Lage, allzu wählerisch zu sein ... − Menninghaus 2003,
S. 28
312
... Exzesse an Leidenschaft und Feuer der Sinnlichkeit“ −
Marwick 1988, S.
70
313
...
„durchaus sexuell anziehend“ seien ... −
Posch 1999, S.
133
314
„Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen“. −
Psalm 90, 12
...
stellt
soeben „Nature“, die führende Wissenschaftszeitschrift der Welt in einem
Leitartikel fest.
− “Good
eggs” (Editorial), Nature, 2004, 432, S. 7013
|