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Renz über Schönheit - Neues, Wissenswertes und Denkwürdiges aus der Attraktivitätsforschung


Warum schöne Frauen größer sind

Gut, das klingt jetzt wirklich nach Pop-Evolutionspsychologie der schlimmsten Sorte. Und noch schlimmer ist, dass hinter meinen heutigen Zeilen tatsächlich ein Mann steht, der bei der Verpoppung und Simplifizierung der evolutionären Wissenschaft ganz vorne mitspielt: Satoshi Kanazawa von der London School of Economics. In seinem Blog „The Scientific Fundamentalist” beschäftigt er sich mit der Frage, warum große Menschen im statistischen Durchschnitt intelligenter sind als kleinere. Ich will mich darüber hier nicht weiter verbreitern, sondern nur eine Argumentation aufnehmen, die in dem Artikel auftaucht: Da sich schöne Frauen tendenziell eher mit großen Männern zusammentun, sagt Satoshi Kanazawa, müssten die aus dieser Verbindung hervorgehenden Kinder sowohl schön als auch groß sein - zumindest tendenziell.

Was ist dran?

Die Idee dahinter ist schon mal richtig: Auch die Liebe ist nur ein Markt. Und Schönheit (zumindest weibliche) gehört auf diesem Markt eindeutig zu den „begehrten Gütern”. Eine Frau, die über dieses Gut verfügt, wird mehr Auswahl haben als eine, die nicht darüber verfügt. Und wird deshalb eher einen Partner wählen, der ebenfalls mit begehrten Gütern gesegnet ist. - Was an einem Mann begehrenswert ist, mag von Frau zu Frau unterschiedlich sein, aber dass auf den allermeisten Wunschlisten ein eher groß gewachsener Körper steht, dürfte keine Offenbarung sein. (Wenn Sie mir jetzt mit Richard Gere kommen … danke ich Ihnen für die Gelegenheit zur Klarstellung: Bei statistischen Zusammenhängen handelt es sich um den Vergleich von GRUPPEN und damit um Durchschnittswerte. - Dass Ausreißer wie Richard Gere in unserem Fall extrem selten sind, ist in hunderten von wissenschaftlichen Untersuchungen gezeigt worden. Bei Partnerbörsen im Internet beispielsweise klicken fast ALLE Frauen in ihrem Wunschprofil die Kästchen „über 1,80″ und darüber an.

Es ist also absolut plausibel, ja, geradezu zwangsläufig, dass schöne Frauen und große Männer überdurchschnittlich häufig zueinander finden. - Heißt das auch, dass Schönheit und Größe in der Kindergeneration vereinigt sind? - Ja, unter der Voraussetzung, dass beide Faktoren erblich sind (wie das Satoshi Kanazawa schlanker Hand behauptet). - Sind sie das wirklich? - Was die Körpergröße angeht, lautet die Antwort: JA, ohne Einschränkung. - Und für Schönheit? - Lautet sie: Ja, ABER … Das JA bezieht sich auf die WEIBLICHE Schönheit: In aller Regel erben Töchter die Schönheit (oder auch die Hässlichkeit) ihrer Eltern, und zwar von Papa und Mama gleichermaßen (1). Das ABER betrifft die Jungs: Die einzige existierende Untersuchung, die sich der Frage annimmt, ob sich elterliche Schönheit auch auf Söhne überträgt, kommt zu einem genauso überraschenden wie klaren NEIN (2). Ich werde dazu noch ausführlich Stellung nehmen.

Also, hat Satoshi Kanazawa recht? - Wir können die Frage jetzt beantworten: Ja, was die schönen, großen Frauen angeht, und nein - zumindest nach der aktuellen Datenlage - , wenn es um die schönen großen Männer geht.

In der Wissenschaft kann man nicht vorsichtig genug sein. Deshalb ändere ich hiermit auch die Überschrift dieses Posts, und zwar folgendermaßen: „Warum schöne Frauen größer sein MÜSSTEN” - denn BEWIESEN ist der Zusammenhang bisher noch nicht, mir ist jedenfalls keine entsprechende Studie bekannt. Satoshi Kanazawa hat jedoch eine angekündigt - ich werde Sie auf dem Laufenden halten.

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Das Kleingedruckte für die Profis:

(1) MCGovern et al 1996 untersuchten weibliche Zwillinge und kommen bei deren Attraktivität auf einen Erblichkeitskoeffizient von r = 0,64. Rowe et al 1987 untersuchten eineiige Zwillingspärchen beider Geschlechter und kommen zu dem Ergebnis, dass sich die beiden Zwillinge in ihrer Attraktivität - wen wundert es? - kaum voneinander unterscheiden (r = 0,94). Da in der Studie aber nur eineiige, zusammen aufgewachsene Zwillinge untersucht wurden, kann eine Aussage über Erblichkeit nicht abgeleitet werden.

(2) Cornwell R. Elisabeth, Perrett David I. Sexy sons and sexy daughters: the influence of parents’ facial characteristics on offspring. Animal behaviour pp:1843-1853

Literatur

Cornwell R. Elisabeth, Perrett David I. Sexy sons and sexy daughters: the influence of parents’ facial characteristics on offspring. Animal behaviour pp:1843-1853

McGovern, RJ, Neale, MC & Kendler, KS (1996). The independence of physical attractiveness and symptoms of depression in a female twin population. Journal of Psychology, 130, 209-219

Rowe, DC, Clapp, M & Wallis, J (1989). Physical attractiveness and the personality resemblance of identical twins. Behavior Genetics, 17, 191-201

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Info:
Warum schöne Frauen größer sind ist Beitrag Nr. 163
Author:
formelblog am 27. März 2009 um 10:43
Kategorie:
Allgemein
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