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Renz über Schönheit - Neues, Wissenswertes und Denkwürdiges aus der Attraktivitätsforschung


Schönes Gesicht oder schöner Körper - was ist wichtiger?

Was zählt eigentlich mehr, wenn es um Attraktivität geht - das Gesicht oder der Körper? - Eine der Fragen, die man als Schönheitsexperte regelmäßig zu hören bekommt.

Das Gesicht, sagt die australische Attraktivitätsforscherin Marianne Peters. Sie legte Probanden Fotos verschiedener Männer und Frauen vor, und zwar in jeweils drei Varianten: einmal nur das Gesicht, einmal den Körper (mit verdecktem Gesicht) und einmal den ganzen Menschen.

Das Ergebnis in Kurzform: Was unter dem Strich als Schönheits-Gesamtnote herauskam, hatte zu zwei Dritteln mit dem Gesicht zu tun. Nur ein Drittel ging auf das Konto des Körpers. (Die Unterschiede zwischen den Geschlechtern waren minimal: Bei Männern lag der Beitrag des Gesichts mit 68% etwas höher als bei Frauen (60%)).

Das Ergebnis wird niemanden überraschen, der weiß, wie eminent wichtig das Gesicht als Sender sozialer Signale ist. Kein Bereich des Körpers ist nur annähernd so informationsgeladen wie die paar Quadratzentimeter des Gesichtes, und ein guter Teil unseres Gehirns ist ausschließlich darauf spezialisiert, diese Informationen zu dechiffrieren - Geschlecht, Alter, Identität, Gefühle, Absichten, Blickrichtung … und eben auch: Attraktivität. (Selbstverständlich ist es auch das GESICHT, das den ersten Blick des Gegenübers abbekommt, und nicht etwa der Busen oder der Hintern, wie gerne behauptet wird).

Für die Profis unter uns noch zwei Fußnoten: Die Studie konnte nur ca. 40% der Varianz in der Gesamtattraktivität aufklären, das letzte Wort in der genauen Gewichtung der einzelnen Faktoren ist also noch nicht gesprochen. Das zugrundeliegende methodische Problem liegt für mein Gefühl u.a. darin, dass die Gesichter mit ovalären Masken, die den Einfluss der Haartracht ausschalten sollten, verdeckt (und damit verunstaltet) wurden.

Zweite Fußnote: Die Beiträge von Gesicht und Körper zur Gesamtattraktivität waren statistisch unabhängig voneinander. Auch in der Principle Components Analysis wurden die Körper- und Gesichts-Faktoren in unterschiedlichen Hauptkomponenten geladen. Das Ergebnis von Marianne Peters steht damit im Widerspruch zu einer unter Gute-Gene Protagonisten (Was das ist? Mehr dazu in meinem Posting “Gute Gene, schlechte Gene …) populären Annahme, wonach der Körper und das Gesicht ein “einheitliches Ornament” (single ornament) darstellten, welches genetische Qualität signalisiere (die Theorie vom single ornament kam mit einer 1999 publizierten, methodisch allerdings etwas fragwürdigen Studie von Randy Thornhill und Karl Grammer in die Welt).

Referenzen:

Peters, M., Rhodes, G., & Simmons, L. W. (2007). Contributions of the face and body to overall attractiveness. Animal Behaviour,73, 937-942

Thornhill, R & Grammer, K (1999). The body and face of woman: one ornament that signals quality? Evolution and Human Behavior, 20, 105–120.

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Info:
Schönes Gesicht oder schöner Körper - was ist wichtiger? ist Beitrag Nr. 9
Author:
U am 6. November 2008 um 23:01
Kategorie:
Allgemein
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