In einem meiner letzten Postings habe ich den Hut vor einem Computerprogramm gezogen, das die Schönheit weiblicher Gesichter mindestens genau so akkurat beurteilen kann wie ein Mensch. Die Macher arbeiten überwiegend an der Universität von Tel Aviv, und ein Teil von ihnen hat sich unter der Federführung von Tommer Leyvand offenbar daran gemacht, die Ergebnisse quasi in umgekehrter Richtung zu nutzen, nämlich zur digitalen Aufhübschung von Porträtbildern.
Wenn Sie jetzt eine Erklärung wollen, wie das genau funktioniert, muss ich leider passen – Software-Spezialisten finden die technischen Details hier. Hier nur kurz, was aus meiner Sicht das Besondere an dem Programm ist:
- Die sonst übliche Fummelei mit der Computermaus entfällt weitgehend. Nur bei der Markierung der Gesichtsmerkmale muss ein bisschen Hand angelegt werden.
- Das Gesicht kann so verändert werden, dass es zwar als schöner wahrgenommen wird, aber dem Originalgesicht trotzdem maximal ähnlich sieht. In der neuesten Version hat der Nutzer die Möglichkeit, die Gratwanderung zwischen Attraktivität und Identität selbst zu dosieren, d.h. den Grad der Verschönerung (bzw. umgekehrt der Ähnlichkeit zum Original) selbst zu bestimmen.
- Die Veränderungen lassen sich jetzt auch auf bestimmte Aspekte (etwa die Breite der Nase) konzentrieren, andere Merkmale können nach Belieben von Veränderungen ausgeschlossen werden („Originallippen erhalten“).
Hier eine Kostprobe:
Das in Schönheitsdingen geschulte Auge erkennt sofort, dass Leyvands Programm offenbar eine ganze Reihe von Schönheitsmechanismen anzapft: So hat es etwa das Originalgesicht (links) leicht verschmälert, ihm etwas vollere Lippen verpasst und zu mehr Symmetrie verholfen (gut sichtbar an den Augenbrauen). Vor allem aber hat es die vertikalen Proportionen verschoben: Die Stirn der verschönerten Version ist höher, die Kinnpartie niedriger – womit das Gesicht „verkindlicht“ wurde, und damit als weiblicher und attraktiver wahrgenommen wird. Die Haut dagegen ist vollkommen naturbelassen.
Leyvands Programm ist noch längst nicht das Gelbe vom Ei. Derzeit können nur Gesichter in Frontalsicht verarbeitet werden, die zudem noch einen „neutralen Gesichtsausdruck“ haben müssen – Lächeln ist also verboten … - Aber irgendwann könnte das Programm von sich hören machen. Vielleicht weniger im Bereich der professionellen Werbung, sondern vor allem bei der alltäglichen Selbstvermarktung via Bewerbungsmappe, Single-Börse oder Facebook. Soviel ist jedenfalls klar: es wird mit dazu beitragen, dass unsere Welt noch mehr zur Märchenwelt wird.
Für die Profis:
- Kurzpräsentation des Programms als PDF: http://www.cs.tau.ac.il/~tommer/beautification2008/attractiveness2008.pdf
- Leyvands Website zum Thema digitale Schönheitsverbesserung
- Kagian A, Dror G, Leyvand T, Meilijson I, Cohen-Or D, Ruppin E. A machine learning predictor of facial attractiveness revealing human-like psychophysical biases. Vision Res. 2008 Jan;48(2):235-43.
- Eisenthal, Y, Dror, G, Ruppin, E (2006). Facial Attractiveness: Beauty and the Machine. Neural Computation, 18(1), 119-142. - Volltext: http://mitpress.mit.edu…
- Artikel in der New York Times

