Kein Leser weiß, dass in meinem Buch ein ganzes Kapitel fehlt. Ursprünglich sollte es ganz am Anfang stehen, aber als abzusehen war, dass ich das vom Verlag genehmigte Seiten-Soll von 320 Seiten nicht annähernd einhalten konnte, musste ein größerer Schnitt gemacht werden. Und da dieses erste Kapitel thematisch relativ wenig mit dem Rest verflochten war, fiel die Wahl nicht schwer. – Zwanzig Seiten waren also gewonnen, aber wie oft habe ich mich inzwischen geärgert? In so ziemlich jeder Diskussionsrunde zum Thema Schönheit kommt unweigerlich jemand mit der Venus von Milo oder Michelangelos „David“ und ihren angeblich „idealen“ und „universellen“ Proportionen an. Oder mit dem „goldenen Schnitt“, der sich angeblich in jedem schönen Gesicht wiederfindet, vor allem natürlich in dem der Mona Lisa („wissenschaftlich hundertprozentig bewiesen“). Wie schön wäre es doch, ging mir schon manches Mal durch den Kopf, ich könnte einfach auf Kapitel eins in meinem Buch verweisen und aufhören, mir den Mund fusselig zu reden …
Die “klassischen Schönheitsgesetze” der Renaissance, um das Kapitel ganz kurz zusammenzufassen, sind ein Mythos. Schönheit lässt sich nicht in Formeln pressen.
Den Klassik-Mythos machen sich Schönheitschirurgen beim Kundenfang trotzdem gerne dienstbar. Kaum einer ihrer Flyer kommt ohne antike Marmorschönheiten aus. – Höchste Zeit also, das fehlende Kapitel freizugeben: „Leonardos Irrtum oder: Der geheime Plan hinter der Schönheit“. Da es für einen Blog-Beitrag zu voluminös ist, habe ich es in eine extra HTML-Datei gepackt. Wer will, kann es sich auch als PDF herunterladen.
Viel Spaß!
U