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Renz über Schönheit - Neues, Wissenswertes und Denkwürdiges aus der Attraktivitätsforschung


21. März 2010

Pille macht Frauen dumm

So könnte man die Meldungen zusammenfassen, die 2008 durch die wissenschaftliche Pop-Presse geisterten. Die Aufregung hatte mit einem Artikel des Evolutionspsychologen Craig Roberts aus Liverpool zu tun, der mit seinen Kollegen die Rolle des Geruchs bei der Partnerwahl erforscht.

Und der den beunruhigenden Befund zu Tage förderte, dass die Pille Frauen dazu bringt, auf den falschen Geruch abzufahren – den von Männern nämlich, deren Immunsystem eigentlich überhaupt nicht zum eigenen passt. Was dann die Nachkommenschaft durch eine suboptimale Immunausstattung auszubaden hat.

Ich will jetzt gar nicht weiter auf die wissenschaftlichen Hintergründe eingehen (die etwas mit der individuellen Ausstattung mit unterschiedlichen – und vermutlich über den Geruch wahrnehmbaren -Immunkomplex-Genen zu tun haben), sondern nur eines festhalten: Die ganze Sache war eine Falschmeldung. Schon die von Craig Roberts selbst gelieferte Zusammenfassung seiner Ergebnisse stellte eine tendenziös geschönte Version der wissenschaftlichen Realität dar, und die wurde dann von diversen Journalisten vollends zu wohlklingendem Nonsense verbogen.

Die genauen Fakten und Hintergründe hat der Medienjournalist Stefan Niggemeier seinerzeit schön in seinem Blog nachgezeichnet, und auch Nina Bubitz setzte sich im Stern unter dem Titel „Der Unsinn mit der Pille und dem Schweiß“ kritisch mit der wissenschaftlichen Gerüchteküche in Liverpool auseinander.

Warum ich heute über diese ollen Kamellen schreibe, hat mit der Buchmesse in Leipzig zu tun, wo sich meine Gespräche, da ich mich nun mal gerade mit dem Thema beschäftige, immer schnell dem Thema „Partnerwahl“ zuwendeten. Und bei - ungelogen - DREI! dieser Gespräche wurde ich von meinen Gesprächspartnern auf die sensationelle Entdeckung aus Liverpool hingewiesen. Fühle mich deshalb hiermit bemüßigt, das Meine zur Aufklärung beizutragen. (So wie ich das in diesem Blog schon einmal, anlässlich einer anderen – leider vollkommen unausrottbaren – Falschmeldung getan habe, bei der es um das angebliche Aussterben der Blondinen geht.

17. März 2010

Die soziale Macht des Schönen

Ich war die letzten Wochen ziemlich stramm mit einer Geschichte für GEO beschäftigt, bei der es mal nicht um Schönheit geht, sondern um - Liebe, genauer: den aktuellen Stand der Paarforschung. Habe deshalb ganz vergessen, auf ein Buch hinzuweisen, das Anfang März erschienen ist: “Vom Zauber des Schönen: Reiz, Begehren und Zerstörung” , herausgegeben von dem Wiener Philosophen Konrad Paul Liessmann. Es handelt sich um den Kongressband einer Veranstaltungswoche namens “Philosophicum”, die im September 2009 in Lech abgehalten wurde.

Darin ist auch ein Beitrag aus meiner Feder enthalten, der sich mit der “sozialen Macht des Schönen” befasst. Ich gehe darin der Wirkung nach, die körperliche Attraktivität in unserer Gesellschaft entfaltet, vor allem aber auch der Frage, WARUM sie das tut.