Warum sind Chirurgen die schönsten Ärzte?

Aus den einschlägigen Fernsehserien wissen Sie es ja: Chirurgen sind die Größten, in jeder Hinsicht. Und die Schönsten. Undenkbar, dass sich die hübsch blondierte Krankenschwester mit den Reh-Augen von einem Hautarzt den Kopf verdrehen lässt, oder?

Eine Veröffentlichung in der medizinischen Fachzeitschrift British Medical Journal ist dem Phänomen nun erstmalig wissenschaftlich auf den Grund gegangen. Die Autoren der Studie sind vier leitende Ärzte der Uniklinik von Barcelona, die, wie sie in ihrem Artikel schreiben, im Laufe ihrer langjährigen Ausbildungstätigkeit häufig die Erfahrung gemacht haben, dass von ihren Studenten vor allem die Großen und Gutaussehenden später Chirurgen wurden, während die eher Unscheinbaren sich eher den „konservativen“ Fachgebieten (wie Mediziner die nicht-operativen Fächer wie Allgemeinmedizin oder Innere Medizin nennen) zuwandten.

Zur Lösung des Rätsels baten die Wissenschaftler 14 zufällig ausgewählte Kollegen aus der chirurgischen Abteilung ihres Krankenhauses sowie 16 Ärzte aus der Inneren Abteilung um ein Passfoto sowie die Angabe ihrer Körpergröße. Die Fotos wurden nun einer Jury vorgelegt, die sich aus Ärztinnen und Krankenschwestern derselben Klinik rekrutierte. Deren Aufgabe war es, die auf den Fotos Abgebildeten auf einer Skala von 1 bis 7nach ihrer Attraktivität zu bewerten.

 

 

 

 

 

 

 

Das Ergebnis wird niemanden überraschen: Während Internisten durchschnittlich auf 3,65 Punkte kamen, lag die Schönheitsnote der Chirurgen mit 4,39 deutlich und statistisch signifikant höher. Nur die als „Kontrollgruppe“ eingesetzten Bilder von Filmstars aus bekannten Arzt-Serien schnitten mit 5,96 Punkten noch besser ab. Auch bei der Körpergröße zeigte sich ein deutlicher Unterschied zugunsten der Chirurgen: Sie waren im Schnitt 7 cm größer als ihre internistischen Kollegen. Darüberhinaus wiesen sie auch tendenziell fülligeres Haar auf, wie auch auf der obigen Abbildung aus der Originalpublikation zu sehen ist, die die Ergebnisse der Studie sehr anschaulich illustriert (links einer der chirurgischen Kollegen, in der Mitte ein Vertreter der internistischen Fachgruppe, rechts George Clooney als Dr. Doug Ross in „Emergency Room“).

Wie lassen sich nun die Befunde interpretieren?
Die Autoren gehen davon aus, dass sowohl genetische als auch Umweltfaktoren eine Rolle spielen dürften. Folgende Hypothesen werden diskutiert:

  • Die Extra-Größe von Chirurgen erklärt sich aus der Natur der chirurgischen Tätigkeit selber, die ja vor allem praktisch ausgerichtet ist. Im Gegensatz zum Internisten, der bei  seiner Tätigkeit stets den aktuellen Stand des Wissens einbeziehen muss (sog. „evidence based medicine“) beruht die Tätigkeit des Chirurgen vor allem auf Schnelligkeit und Kühnheit – in den Worten der Autoren handelt es sich um „Confidence based medicine“, also auf Selbstvertrauen beruhende Medizin. Chirurgen müssen das Operationsfeld beherrschen und ihre Körpergröße (die folgerichtig durch Holzschuhe noch optimiert wird) hilft ihnen dabei, den auf dem Tisch liegenden Patienten im Auge zu behalten. Internisten dagegen verbringen ihre Zeit meist am Krankenbett und sind außer von Patienten nur von wenigen Menschen umgeben. Entsprechend müssen sie deshalb auch nicht so sehr aus der Menge herausragen, um (beispielsweise von Angehörigen) erkannt zu werden.

  • Chirurgen sind normalerweise von einem Schwarm an Helfern und Untergebenen umgeben, wie Studenten, Krankenschwestern, Anästhesisten und dergleichen. Durch ihre herausragende Größe sind sie leichter als deren Anführer zu identifizieren.

  • Chirurgen verbringen die meiste Zeit im OP-Saal und profitieren deshalb von dem dort herrschenden sauberen und kühlen Mikroklima - während die internistischen Kollegen auf ihren Stationen meist stickiger und verbrauchter Luft ausgesetzt sind. Vor allem dürfte der (bedingt durch die eingesetzten Beatmungsgeräte) höhere Sauerstoffgehalt der OP-Luft für den zarten rosigen Teint von Chirurgen (siehe Bild) verantwortlich sein.

  • Auch die von Chirurgen getragenen Gesichtsmasken könnten zur Makellosigleit ihrer Gesichter beitragen, indem sie diese vor Mikrotraumata schützen und so der Hautalterung vorbeugen.

  • Die geringere Körpergröße von Internisten erklärt sich möglicherweise auch aus deren Gewohnheit, sich mit Stethoskopen zu behängen, was ihre Haltung gebeugter macht und dafür sorgt, dass sie als kleiner wahrgenommen werden.

  • Auch der von Internisten – ganz im Gegensatz zu Chirurgen - oft empfundene Zwang, sich immerwährend fortzubilden, trägt möglicherweise zu ihrer geringeren Größe und weniger strahlenden Aussehen bei. Durch die „Informations-Überlast“, der sich ein Internist fortwährend aussetzt, reibt er sich schneller auf.

Wie jede wahrhaft bahnbrechende wissenschaftliche Erkenntnis hat natürlich auch diese Studie durchaus Kontroversen ausgelöst. Die Autoren berichten von großem Wirbel, für den die Publikation an ihrem eigenen Arbeitsplatz gesorgt hat (obwohl die Wissenschaftler vorsichtigerweise dafür Sorge getragen haben, dass die Attraktivitätsbewertungen der Kollegen nicht durchsickern.)

Trotz aller Meinungsverschiedenheiten – und trotz der Tatsache, dass die Studie nur allseits bekannte Fakten bestätigt, hat sie nach Meinung vieler Ärztekollegen (zu denen auch der Autor dieser Zeilen gehört) das Zeug, den begehrten IG Nobelpreis zu erringen – der jedes Jahr für eminente wissenschaftliche Arbeiten vergeben wird, die die Menschen „erst zum Lachen und dann erst zum Nachdenken“ bringt. (Eine der preisgekrönten Studien ist Ihnen möglicherweise aus Kapitel 7 meines Buches bereits bekannt – „Hühner bevorzugen schöne Menschen“.

In diesem Sinne also – viel Spaß beim Nachdenken!

 

Die Originalstudie finden Sie hier: http://bmj.bmjjournals.com/cgi/content/full/333/7582/1291

 

 

 

 

 

 

 

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